Für erneuerbare Energien gibt es noch reichlich Potenzial in Bönen

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Auf den Dächern der Gebäude der UKBS an der Bahnhofstraße sind Solarmodule angebracht. In Sachen Fotovoltaik ist in Bönen aber noch Luft nach oben.

Bönen – Wissenschaftler mahnen, dass es in Sachen Klimawandel bereits fünf Minuten nach zwölf Uhr ist. Wenn wir jetzt nicht handeln, steuern wir ungebremst auf eine Katastrophe zu. Ein wichtiger Schritt, um den Ausstoß des klimaschädlichen Kohlenstoffdioxid (CO2) zu verringern, ist der vermehrte Einsatz von regenerativen Energien. Auf Anfrage der Grünen-Fraktion im Landtag hat die Landesregierung jetzt eine  Datensammlung vorgelegt, die den Ist-Zustand der erneuerbaren Energien in NRW für jede einzelne Kommune dokumentiert. Demnach verfügt Bönen noch über einiges Potenzial.

Fachbereichsleiter Robert Eisler von der Gemeindeverwaltung teilt diese Ansicht nicht. Die Aussagekraft der Zahlen müsse man sehr differenziert betrachten, sagt er. Wie viel Strom aus Windkraft und Fotovoltaik im Land erzeugt werden könnte, hatte die Landesregierung bereits 2012 gemeindescharf untersucht. 

Auf Grundlage der Ergebnisse wurde jetzt der aktuelle Zustand verglichen. Die größten Potenziale bietet demnach neben der Sonnen- die Windenergie. Auch in Nordbögge drehen sich vier Windräder. Laut der Untersuchung dürften es aber gerne noch mehr sein. Bei der Windenergie schöpft Bönen nämlich nur etwa 39,4 Prozent der Möglichkeiten aus. Der potenzielle Nettostromertrag liegt bei 36 Gigawattstunden pro Jahr (GWh/a), der tatsächliche Stromertrag aber lediglich bei 14 GWh/a. Installierbar wäre laut der Datensammlung eine Leistung von 15 Megawatt (MW), die tatsächlich installierte Leistung lag im vergangenen Jahr in Bönen bei neun Megawatt.

„Die Basis der Potenzialanalyse stammt aus dem Jahr 2013. In der Zwischenzeit wurde der Landesentwicklungsplan geändert und die Rahmenbedingungen für Windenergie haben sich erheblich verändert“, sagt Robert Eisler. Dadurch, dass derzeit die Regelung in NRW gilt, dass Windkrafträder einen Mindestabstand von 1500 Meter zur nächsten Wohnbebauung haben müssen, würde sich das dargestellte Potenzial bei einer Überprüfung der möglichen Standorte in Bönen gegen Null bewegen. „Dabei ist noch zu beachten, dass der Begriff Potenzial nicht bedeutet, dass bei einer notwendigen und vorgeschriebenen Einzelprüfung der Standorte, in Abwägung der durch Rechtsprechung definierten Tabufaktoren, harte und weiche, schlussendlich überhaupt eine neue Anlage ermöglicht würde“, stellt der Fachbereichsleiter fest. 

Eindeutige Rahmenbedingungen erforderlich

Dazu komme, dass die notwendigen Änderung des Flächennutzungsplanes in der Regel von Betroffenen beklagt wird und sich die zeitaufwendigen und kostspieligen Verfahren gern über fünf bis sechs Jahre hinziehen können. „Hier erwarte ich aus Sicht der Kommune zwischen Bundes- und Landesrecht abgestimmte eindeutige Rahmenbedingungen, die eine Umsetzung tatsächlich und rechtlich auch ermöglichen.“ 

Bei den Fotovoltaik-Dachanlagen in der Gemeinde sieht es in dem Landesbericht noch schlechter aus. Danach beträgt die Ausschöpfung des Potenzials lediglich 7,5 Prozent. Die Experten gehen davon aus, dass sich von den Dächern der Bönener eine Leistung von 100 Megawatt Peak (MWp) mithilfe der Sonne erzeugen ließen. Zurzeit schaffen die vorhandenen Anlagen im Ort sieben MWp. 

„Die Gemeinde hat die Möglichkeiten bereits früh erkannt und auf den meisten eigenen Gebäuden Anlagen installiert“, sagt Robert Eisler. „Wir haben uns am Projekt Solarmetropole Ruhr beteiligt und stellen ein komplettes Solardachkataster und ein Förderprogramm des RVR (Regionalverband Ruhr) zur Verfügung.“ Die kommunalen Gemeinschaftsstadtwerke (GSW) böten ebenfalls Produkte an, um das Potenzial weiter zu heben. Jedoch habe die massive Kürzung der Einspeisevergütung die Bereitschaft zur Umsetzung von Projekten zeitweise gedrosselt, vermutet Eisler. Allerdings ließen neue Techniken – bessere Solarmodule und Speichermöglichkeiten – und die Möglichkeit des Eigenverbrauchs auf künftig mehr Nutzer hoffen. „Wir werden diese Form der Erzeugung regenerativer Energien mit Blick auf die Zielsetzung unseres Klimaschutz- und Anpassungskonzeptes weiter vorantreiben und sehen dabei auch noch deutliche Möglichkeiten gerade im gewerblichen Bereich.“ 

Mögliche Standorte prüfen

Ganz mau ist der Bereich Fotovoltaik-Flächenanlage: Es gibt keine in Bönen. Dabei gehen die Fachleute davon aus, dass sich vor Ort eine Leistung von 112,7 MWp installieren ließe. In Süddeutschland ist diese Art der Energieerzeugung entlang der Autobahnen stärker verbreitet als bei uns. „Die Störung des Landschaftsbildes verhindert aus meiner Sicht eine stärkere Umsetzung innerhalb der Siedlungsbereiche“, so der Fachbereichsleiter. Davon losgelöst gelte es auch dabei, mögliche Standorte zu prüfen und zur Diskussion zu stellen. „Gerade auf Gewerbe- und Industrieflächen wäre dies, soweit die Dachflächen nicht nutzbar sind, eine mögliche Alternative.“

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