Ergebnisse nur im Klassen-Pool

Lutschen für mehr Sicherheit: Grundschulen machen den Lolli-Test

Frau mit Lolli-Test
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Seit die Schüler am Montag in den Präsenzunterricht zurückgekehrt sind, werden die sogenannten Lolli-Tests an der Goetheschule flächendeckend eingesetzt.

Der Lolli-Test ersetzt ab sofort den Selbsttest in den Grundschulen. In der Notbetreuung wurde der Test zum Lutschen schon getestet. Seit am Montag die Klassen eins bis vier zum Wechselunterricht wieder in die Goethe- und Hellwegschule zurückgekehrt sind, wenden alle Kinder den Lolli-Test an.

Bönen – Hört sich einfach an, ist aber ein Verfahren, das ziemlich aufwendig ist, denn jeder Test muss pünktlich im Labor ankommen. Dafür sorgen Kurierfahrer, die genaue Streckenvorgaben haben. Wenn positive Ergebnisse erkennbar sind, dann sind die Familien beim Nachtesten gefragt.

Mussten die Grundschüler, bevor sie erneut in den Distanzunterricht gingen, den Selbsttest mit einem Stäbchen in der Nase durchführen, erhalten sie jetzt den sogenannten Lolli-Test. Der sei einfach und kindgerecht, wirbt das Schulministerium NRW für das neue Testverfahren an Grundschulen und Förderschulen.

Die beiden Bönener Grundschulen arbeiten mit einem Labor in Leverkusen zusammen. Das liefert auch die Testsets an. „Wir haben sowohl die Pool-Sets als auch die Einzeltests für diese Woche bereits erhalten“, bestätigt Antje Anbring-Keiter.

Um 8 Uhr gibt es den Lolli, um 9 Uhr kommt der Kurier

Zu Unterrichtsbeginn um 8 Uhr geben die Lehrer in jeder Klasse beziehungsweise Lerngruppe an jedes Kind einen „Lolli“ aus, an dem sie 30 Sekunden lang lutschen müssen. Danach werden die Abstrichtupfer aller Kinder eingesammelt und in einem Sammelgefäß zusammengeführt als anonyme Sammelprobe – der sogenannte Pool.

Ein Kurierdienst holt morgens gegen neun Uhr die Tests ab. Auf seiner festen Route fährt er zunächst die Goetheschule und dann die Hellwegschule an. Danach sammelt er noch Proben im Dortmunder Süden und bringt dann alle Proben des Tages ins Labor nach Leverkusen. Noch am selben Tag werden die Tests im Labor nach der PCR-Methode ausgewertet.

Diese Methode soll laut Schulministerium ein sehr verlässliches Testergebnis sichern. Zudem könne eine mögliche Infektion bei einem Kind durch einen PCR-Test deutlich früher festgestellt werden als durch einen Schnelltest, heißt es in der Information des Ministeriums, sodass auch die Gefahr einer Ansteckung rechtzeitiger erkannt werde.

Täglich wechselnder Unterricht

„Wir behalten die geteilten Klassengruppen so bei wie vor Ostern, um das schneller in die Routine zu bringen“, so Anbring-Keiter. Geändert habe sich aber, dass der Wechselunterricht tageweise wechselt. Vorher waren jeweils zwei aufeinander folgende Tage für die Gruppen festgelegt worden. „Durch die wechselnden Tage können wir sicher stellen, dass die Kinder erst in die Schule kommen, wenn das Ergebnis vorliegt.“ Dennoch bleibt das Risiko, dass sich weitere Kinder im Verlauf des Schultages infizieren könnten, so lange kein Ergebnis vorliegt.

Durch die Feiertage komme es beim Wechselunterricht zu Verschiebungen, so Anbring-Keiter. „Wir haben einen Kalender gestaltet, damit die Eltern wissen, wann welches Kind Unterricht hat.“

Für die Eltern sei es nach wie vor eine schwierige Zeit, sich auf die Betreuungsnotstände einszustellen. Und für die Lehrer bedeutet das erneut, viele zusätzliche Aufgaben, die in den Schulen bewältigt werden müssen. „Aber wir sind sehr froh, dass die Kinder wieder in die Schule können.“

Der Lollo-Test ist einfach, aber erfordert viel Logistik

Fünf Notbetreuungsgruppen an der Hellweggrundschule haben den Test seit dem 10. Mai bereits getestet. Das habe gut geklappt. „Der Test ist sehr einfach durchzuführen“, bestätigt die Schulleiterin. „Was allerdings daran hängt, ist ein riesiger Logistikaufwand.

Die Proben müssen registriert sein, damit sie der richtigen Gruppe zugeordnet werden können. Das läuft bei diesem Labor alles über eine App, mit der die Testproben über einen Scan-Code registriert werden können.“ Für die Gruppen muss es Probennehmer geben, die die App verwalten. Das hat für die Notbetreuungsgruppen zunächst die Schulleiterin übernommen. Für die Klassen soll das ab sofort in den Händen der Klassenlehrer liegen.

In der Nacht zum 11. Mai habe die Hellwegschule das erste Testergebnis erhalten – das war glücklicherweise negativ. „Hätte es da ein positives Poolergebnis gegeben, dann hätte ich sehr früh morgens alle Familien anrufen müssen, um sie zur Nachtestung aufzufordern“, erläutert Antje Anbring-Keiter das Verfahren, das so auch an der Goetheschule gilt.

Die Goetheschule hat an alle Eltern ein Informationsschreiben geschickt, in dem genau erläutert wird, was zu tun ist, wenn ein Poolergebnis positiv ist, und wie die nötige App bedient wird.

Ist der Pool positiv, sind die Eltern mit Testen dran

Denn dann sind die Eltern gefragt. Sie haben von der Schule bereits einen Lolli-Einzeltest erhalten für den Fall der Fälle. Wenn die Schule die Nachricht erhält, eine Gruppe ist positiv, werden die Eltern frühmorgens benachrichtigt und müssen ihr Kind zu Hause testen und sich in der App registrieren. Bis 8.30 Uhr muss der Test-Lolli in der Schule sein, damit der Kurier den Test noch an diesem Tag mitnimmt ins Labor.

Das Ergebnis erhalten die Eltern dann über ihren Scan-Code, gleichzeitig geht es an das Gesundheitsamt. Ist das Ergebnis positiv, dann ist umgehend Quarantäne angesagt. Ob allerdings alle Eltern mit diesem Verfahren klarkommen, das wird sich noch zeigen.

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