Altkleidercontainer in Bönen könnten demnächst verschwinden

Verbände beenden Zusammenarbeit mit GWA und den Kommunen im Kreis Unna

Die GWA unterhält mit der Kommune etliche Sammelbehälter in Bönen
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Noch stehen die grünen Sammelbehälter der GWA in Bönen. Sie könnten im kommenden Jahr aber verschwinden.

Bönen/Kreis Unna – Früher ließ sich mit der zu engen Hose oder der aus der Mode gekommenen Bluse Geld verdienen. Inzwischen ist der Absatz auf dem Altkleidermarkt jedoch nahezu zusammengebrochen, das Geschäft alles andere als lohnend. Das wirkt sich auch in Bönen aus. Ob die Menschen nämlich künftig weiterhin bequem ihre ausgediente Kleidung in einem der zahlreichen grünen Container in der Gemeinde entsorgen können, ist fraglich. Eine Entscheidung darüber soll am Jahresende getroffen werden.

Seit Anfang des Jahres besteht die Kooperation der karikativen Verbände mit der Gesellschaft für Wertstoff- und Abfallwirtschaft (GWA) und den kreisangehörigen Kommunen nicht mehr. Der Vertrag ist ausgelaufen, eine Verlängerung lohnt sich für die gemeinnützigen Organisationen nicht. „Mit den Preisen, die für Altkleider noch gezahlt werden, ist das für uns nicht mehr darstellbar“, erklärt etwa Julia Marie Schmidt, Sprecherin des DRK-Kreisverbandes Unna. „Nach wie vor finden wir es sinnvoll, Altkleider zu sammeln, und wir sind dankbar für die Spenden. Daher beschäftigen wir uns aktuell auch mit der Frage, wie wir diesen wertvollen Kreislauf in anderer Form weiter generieren können“, sagt Schmidt. Die Erlöse aus der Sammlung konnte das DRK in der Vergangenheit schließlich für den guten Zweck einsetzen.

Unterdessen sind die Einnahmen aber kräftig zurückgegangen, auch deshalb, weil viel Unbrauchbares in den Containern landet. „Vieles ist komplett durchnässt oder verschmutzt, weil die Kleidung einfach neben den Containern abgestellt wurde“, berichtet die DRK-Sprecherin.

Zusammengeschlossen hatten sich die Verbände, die GWA und die Kommunen 2012, um ein einheitliches Sammelsystem in den zehn Städten und Gemeinden des Kreises einzurichten. Bis dahin hatte jede Organisation selbst gesammelt. Dass sie ihre aussortierten Jacken, Pullover und Co. in verschiedenen, teils direkt nebeneinanderstehenden Containern von unterschiedlichen Organisationen werfen sollten, verwirrte allerdings viele Menschen. Insbesondere, als sich mehr und mehr „wilde“ gewerbliche Sammler dazugesellten, die den Wohlfahrtsverbänden die Einnahmen aus dem Kleiderverkauf streitig machten.

Einsatz rentiert sich nicht mehr

In den grünen Containern wurde hingegen gemeinsam für das DRK, die Awo, die Diakonie, die Caritas und den Paritätischen Wohlfahrtsverband gesammelt. Die Abfuhr übernahm die GWA für alle. Die Kommunen dachten hingegen an ihr Ortsbild und wollten das Durcheinander an verschiedenen Containern verhindern. Sie stellten daher die Plätze für die GWA-Behälter zur Verfügung und kümmern sich seitdem darum, dass diese sauber gehalten werden.

Doch jetzt rentiert sich der Einsatz der karikativen Verbände beim Sammeln, Sortieren und Verkaufen nicht mehr. Für gebrauchte Kleidung gibt es kaum noch Abnehmer. Oft sind mit den Sammlungen sogar mehr Kosten verbunden, als der Verkauf am Ende wieder reinbringt. Andreas Hellmich, Pressesprecher bei der GWA, sieht vor allem zwei Trends als Ursachen dafür. „Zum einen wird die Kleidung immer minderwertiger“, stellt er fest. Der Kunststoffanteil in den Textilien steige, das mache sie kaum noch recycelbar. Zugleich sinke die Qualität zulasten der Haltbarkeit. „Früher gab es eine Frühjahrs-/Sommer- und eine Herbst-/Winterkollektion. Heute bringen die Hersteller immer mehr Kollektionen pro Jahr auf den Markt. Die Kleidung wird maximal noch eine Saison getragen“, so Hellmich.

Dafür geben die Träger weniger Geld pro Kleidungsstück aus, decken sich lieber häufiger mit neuen Teilen ein, wie Statistiken (siehe Kasten) belegen. Experten beschreiben dieses Phänomen als „Fast Fashion“. Es führt dazu, dass die Berge mit aussortierter Garderobe deutlich schneller wachsen als früher. Der Markt ist übersättigt. Und das, was in den Containern landet, hat nur noch selten eine Qualität, die sich als „Secondhand-Ware“ gut an den Mann bringen lässt.

„Was das System trägt, ist die sogenannte 1A- oder Creme-Ware“, erklärt Hellmich. Dabei handelt es sich um hochwertige und gut erhalten Kleidung, für die sich ein Gewinn erzielen lässt. Für die billigen Altkleider fallen hingegen eher Kosten an, die durch den Verkauf der Creme-Ware gedeckt werden sollten. Das gelingt immer weniger.

Viele Kleidungsstücke lassen sich nicht mehr verwerten

„Die Creme-Ware wird heute viel über das Internet verkauft, bei Ebay oder Kleiderkreisel“, kennt Hellmich den zweiten Trend, der das Geschäft mit den gebrauchten Textilien belastet. „Nur etwa drei bis fünf Prozent der Altkleider lassen sich auf den Märkten in Deutschland verkaufen. Die Ware zweiter Qualität geht nach Osteuropa oder Übersee“, so der GWA-Sprecher. Dort werden die noch tragbaren Textilien für sehr wenig Geld verkauft.

Der Rest wird aufbereitet. Daraus werden zum Beispiel Putzlappen, Reißwolle oder Dämmmaterial hergestellt. Zumindest sind damit die Energie und die Ressourcen, die bei der Herstellung verbraucht wurden, nicht ganz verloren. Laut der Umweltschutzorganisation Greenpeace sind gleichwohl 50 bis 82 Prozent der gesammelten Kleidungsstücke nicht einmal mehr dazu zu gebrauchen. Sie werden verbrannt.

Zu viele Kleider im Schank

Einer Greenpeace-Studie aus dem Jahr 2015 zufolge besitzt jeder erwachsene Deutsche im Durchschnitt 95 Kleidungsstücke ohne Unterwäsche und Socken. Fast jedes fünfte Kleidungsstück (19 Prozent) wird demnach aber so gut wie nie getragen. Eine weitere Milliarde Kleider wird nach den Angaben der Befragten seltener als alle drei Monate angezogen. Zusammengerechnet ergibt das rund zwei Milliarden Kleidungsstücke, die nahezu ungenutzt in den Schränken liegen. Der Konsum nimmt dennoch stetig zu. Wie Greenpeace angibt, hat er sich seit dem Jahr 2000 verdoppelt, von 50 auf rund 100 Milliarden neu gekaufter Stücke. Um dafür Platz zu schaffen, landen in der Bundesrepublik jährlich mehr als eine Million Tonnen Textilien in Containern oder Sammlungen. Das berichtet der Dachverband Fairwertung, ein bundesweites Netzwerk von gemeinnützigen Organisationen, die Altkleider sammeln.

Verschärft hat sich die Situation durch die Corona-Pandemie. In der Krise sind einige internationale Märkte komplett geschlossen worden, Ketten unterbrochen. Die Altkleidersammler bleiben in der Folge auf ihren Lagerbeständen sitzen. Hinzu kommt, dass viele Menschen durch Kurzarbeit, wegfallende Aktivitäten und Reisen plötzlich mehr Zeit zur Verfügung haben. Diese nutzen sie, um Schränke und Kommoden zu durchforsten. Die aussortierte Kleidung wollen sie natürlich loswerden.

Für sie und alle anderen, die ihre Textilien nicht einfach in den Restmüll werfen möchten, wollen die Gemeinde und die GWA nun auch ohne die Wohlfahrtsverbände an dem bisherigen System mit den grünen Containern festhalten. Die GWA organisiert den Verkauf beziehungsweise die Entsorgung – wenigstens noch dieses Jahr.

Eine Alternative zum Container ist unter anderem der Kleiderladen Cariert der Caritas in Bönen.

„Die Kooperationen mit den Kommunen besteht vorerst noch“, sagt Andreas Hellmich. Die Beteiligten wollen die Entwicklung in den kommenden Monaten allerdings sorgsam beobachten und zum Jahresende entscheiden. Sollte es dann nicht mehr sinnvoll sein, an dieser Lösung festzuhalten, bliebe als Alternative der Wertstoffhof in Bönen als zentrale Sammelstelle für Altkleider. Die Gemeinde bleibt laut Kreislaufwirtschaftsgesetz nämlich in der Pflicht, die ordnungsgemäße Entsorgung der Textilien nachzuweisen.

Alternativen zum Container bieten in der Gemeinde aber auch die Caritas mit ihrem Cariert-Laden und die Awo-Tochter DasDies mit „Die Stöberei“ in der Fußgängerzone. Dort wird gebrauchte Kleidung zu niedrigen Preisen angeboten, beziehungsweise an Bedürftige abgegeben.

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