Empörung über „Schilderwald“: Gemeinde stellt Verbotstafeln auf Altenbögger Friedhof auf

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Bönen - Weil der Grabschmuck auf Urnengräbern auf dem Friedhof in Altenbögge immer wieder ausufert und die Pflegearbeiten der Gärtner behindert, hat die Gemeinde jetzt Konsequenzen gezogen und Schilder aufgestellt. Das löst bei einigen Bönenern Empörung aus.

Sechs Hinweistafeln sollen jetzt die Besucher des Altenbögger Friedhofs daran erinnern, was erlaubt ist und was nicht. Das empört einige Angehörige, die der Gemeinde Respektlosigkeit vorwerfen, und die Aktion übertrieben finden. 

Günter Brakelmann geht jeden Tag zum Grab auf dem Altenbögger Friedhof. Das ist jedoch ein Urnengrab unter einem Baum, das nicht gepflegt werden muss. Dennoch möchte er mit einer Pflanzschale und einer Kerze seiner Trauer Ausdruck verleihen. Aber wohin damit? „Auf der Grabplatte ist das möglich“, sagt Carsten Wilke, zuständiger Sachbearbeiter in der Verwaltung. Das findet Günter Brakelmann wiederum unglücklich. „Dann kann man den Namen ja nicht mehr lesen.“ 

Diese Schilder auf dem Altenbögger Friedhof sind Stein des Anstoßes.

Die neuen Schilder, die die Verwaltung jetzt aufstellen ließ, damit sich die Nutzer an die Friedhofssatzung halten, findet er empörend. Er habe ja keinen großen Schmuck, der jemanden stört, sagt er. Aber er räumt auch ein, dass es manche übertreiben mit großen Schalen und Kränzen. „Da kann ich schon verstehen, dass die Gemeinde Schilder aufstellt.“ 

Gar kein Verständnis für die Schilderaktion hat dagegen Angelika David. Sie beschwert sich über den „Schilderwald“, der sei „schlimmer als auf der Bahnhofstraße“. „Auch wenn von der Gemeinde bei dem Kauf von dem Grab eine Mitteilung beigelegt wurde, finde ich das geschmacklos. Unsere Sachen stehen schon zweieinhalb Jahre da und wir haben noch nie eine schriftliche Aufforderung bekommen, die Sachen wegzuräumen.“ 

Das hielt die Gemeinde bisher auch nicht für nötig, weil die Satzung eigentlich bekannt sein müsste. „Deshalb werden immer öfter Urnengräber gewählt“, sagt Carsten Wilke, „weil sie pflegefrei sind. Wenn ich mich dafür entscheide, muss ich aber auch akzeptieren, dass hier kein Platz für Grabschmuck ist, oder eben nur an zentraler Stelle.“ 

Manchmal sind die Grabstellen so überladen, dass nebenan keine Beisetzung stattfinden kann. Eigentlich sollte nur auf der Grabplatte Grabschmuck stehen.

Wenn das Grab belegt ist, dann wollten viele Angehörige die Grabstelle aber doch wieder persönlich gestalten, so seine Erfahrung. „Vielleicht fühlen sich einige auch unter Druck, dass ein schmuckloses Grab aussieht, als ob sie sich nicht angemessen darum kümmern würden.“ Dabei sage das ja nichts über die Trauer eines Menschen aus.

„Man trauert, und viele brauchen das, um sich zu verabschieden“, so Angelika David. Die Angehörigen könnten nicht wirklich akzeptieren, dass die Verstorbenen sich so eine Grabstelle ausgesucht haben. „Da werden Schilder aufgestellt. Aber dass viele Leute einem mit dem Fahrrad in die Hacken fahren und die Hundebesitzer den Friedhof als Hundeklo benutzen, das interessiert keinen von der Gemeinde. Dafür steht nur am Eingang des Friedhofs ein Schild, das beachtet aber niemand.“ 

Das Problem sei, dass die Gärtner jedes Mal die Schalen, Blumenvasen, Kerzen und Figuren wegräumen müssen, um ihre Arbeiten zu erledigen, erläutert Wilke. Und das koste Zeit. Anschließend alles wieder zurück an Ort und Stelle zu räumen sei nicht möglich. „Wir haben uns das eine Zeit lang angeguckt und gehofft, dass sich das gibt. Aber es wird nicht besser.“ Deshalb sollen die Schilder jetzt diejenigen, die die Friedhofssatzung nicht präsent haben, daran erinnern, was erlaubt ist und was nicht.

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