Einzelzimmerquote nicht erreicht: Belegungsstopp für Awo Seniorenzentrum

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Ralf Degenhardt-Ruhoff, Leiter des Awo Seniorenzentrums in Bönen, kündigte Baumaßnahmen an, um die Vorgaben der Einzelzimmerverordnung umzusetzen. 

Bönen Ab 1. August müssen Pflegeeinrichtungen in NRW 80 Prozent Einzelzimmer vorweisen. Anteilig sind nur noch 20 Prozent Doppelzimmer zugelassen. In Bönen erfüllt die bis dato einzige Einrichtung dieser Art, das Awo-Seniorenzentrum an der Eichholzstraße, diese Kriterien bisher noch nicht.

 „Insgesamt bietet die Einrichtung 96 Plätze“, so Norbert Diekmännken, Leiter des Fachbereichs Arbeit und Soziales beim Kreis Unna. Zwölf Plätze werden von der Heimaufsicht des Kreises jetzt mit einem Belegungsstopp belegt, damit sie nicht neu vergeben werden und künftig in Einzelzimmer umgewandelt werden können. 

„Die Planungen zu dieser 80/20-Regelung sind bereits seit 15 Jahren in der Pipeline, die Umsetzung wurde aber immer wieder verschoben“, so Diekmännken weiter. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann will die Umsetzung jetzt aber durchziehen. Sein Argument: „Pflegebedürftige ältere Menschen haben wie alle anderen auch selbstverständlich einen Anspruch auf Privatsphäre.“ 

Awo plant Umbau des Seniorenzentrums

Ein Umbau der Einrichtung sei bereits in Planung, so Ralf Degenhardt-Ruhoff, Leiter des Awo-Seniorenzentrums Bönen: „Wir stehen auf der Dringlichkeitsliste der geplanten Awo-Bauvorhaben ganz oben.“ 

Geplant sei der Abriss der ehemaligen Altenwohnungen und ein Anbau an dieser Stelle, um schließlich insgesamt wieder 96 Plätze anbieten zu können. Da dies in Absprache mit Architekten und dem Kreis erfolgen muss, dauern die Planungen an. Mit einem Baustart rechnet Degenhardt-Ruhoff nicht mehr in diesem Jahr. „Wir wollen ja auch, dass die Umsetzung vernünftig wird, und die Leute sich anschließend wohl fühlen.“ 

Zunächst müssen die zwölf fehlenden Plätze, die für die Umsetzung der neuen Verordnung nötig sind, verfügbar sein. Denn selbstverständlich werde niemand aus seinem Zimmer rausgeschmissen. Deshalb sei auch nicht exakt planbar, wann die Umbauarbeiten beginnen können. 

Insgesamt fallen nach Auskunft von Diekmännken im Kreis 60 Plätze in Pflegeeinrichtungen weg, zwölf davon in Bönen. Wenn das neue Pflegeheim an der Bahnhofstraße in Altenbögge fertig wird, kommen weitere 80 Plätze hinzu, so Diekmännken. Aber bekanntlich verzögert sich der Fertigstellungstermin mittlerweile seit Jahren immer wieder. 

Nach Bezug des Altenheims auf dem ehemaligen Goetheschulgelände würde die Gemeinde über insgesamt 176 Heimplätze verfügen. Der berechnete Bedarf liegt mit 200 noch darüber. Denn Berechnungen zum demografischen Wandel zeigen, dass der Bedarf stetig ansteigen wird. „Eine Alternative können auch die über 30 Pflege-Wohngemeinschaften im Kreis sein, von denen es auch fünf in Bönen gibt“, so Diekmännken. Sie bieten allerdings zusammen nur 34 Plätze an. 

Insgesamt haben nach Auskunft des NRW-Gesundheitsministeriums 506 von 2162 vollstationären Einrichtungen im Land die gesetzliche Einzelzimmerquote nicht erfüllt. Das ist fast jedes vierte Heim. 399 vollstationäre Pflegeheime dürfen ab 1. August 5559 frei werdende Plätze nicht neu belegen. 

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