Einzelhändler in Bönen sind besorgt

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Viele Geschäftsinhaber in der Gemeindemitte fürchten, dass sie ihre Läden bald schließen müssen.

Bönen – Der regelmäßige Blick aufs Smartphone, in die Zeitung oder auf den Bildschirm ist derzeit für die meisten Menschen obligatorisch. Die Flut von Nachrichten rund um die Corona-Pandemie verunsichert allerdings viele, zumal sich vor allem in den sozialen Medien Gerüchte fast doppelt so schnell verbreiten wie gesicherte Fakten. Das spüren jetzt auch die Bönener Einzelhändler, wie sich bei einem Gang durch die Fußgängerzone feststellen lässt.

Dabei sind nicht nur die Kunden verunsichert. „Ich habe heute Morgen zum dritten Mal beim Ordnungsamt angerufen, weil ich wissen wollte, ob ich mein Geschäft öffnen darf oder nicht“, berichtet etwa Jolante Stammen-Kniejski. Sie verkauft im in ihrem Laden „La Dolce Vita“ im Kaufhaus Gröblinghoff Mode, Schmuck und Geschenkartikel. Und zumindest am Montag durfte sie das auch noch. „Mir wurde gesagt, dass es für Bönen momentan keinen Anlass gibt, die Läden zu schließen“, so die Inhaberin. Ob das in den kommenden Tagen weiterhin gilt, ist aber fraglich. „Da kann sich stündlich etwas ändern. Ich rechne jeden Tag damit, dass ich zu machen muss.“  Schon jetzt merkt Jolante Stammen-Kniejski, dass weniger Kunden den Weg in ihr Geschäft finden. „Aber besser weniger verkaufen, als gar nichts“, stellt sie fest. 

Für Dirk Bücher ist die Sache hingegen klar: Als Gesundheitshandwerker bleibt sein Optik- und Akustikfachgeschäft auf jeden Fall geöffnet. „Wir haben ja auch Kunden bei der Feuerwehr, dessen Brillen verbogen sind. Wir müssen die Notversorgung aufrecht erhalten“, erklärt der Handwerksmeister. Wichtig sei es, alle Hygieneregeln einzuhalten. 

Hygienevorschriften werden einghalten

Büchers Kollege Frank Lindek sieht sich in der gleichen Verantwortung. „Ich habe dazu eine entsprechende E-Mail von der Innung bekommen“, erzählt der Inhaber von Brillen-Schäfer an der Bahnhofstraße. Gutes Sehen ist eben elementar, nicht nur für Ärzte, Apotheker oder Pflegepersonal. 

Frank Lindek und seine Mitarbeiter haben Vorkehrungen getroffen. „Wir halten uns natürlich an die Hygienevorschriften“, kann er seine Kunden beruhigen. Alle Untersuchungen, wie Augenprüfungen und Kontaktlinsenanpassungen fänden in einem ständig desinfizierten Bereich statt. Verwendete Geräte würden vor und nach den Untersuchungen desinfiziert und der beim Anpassen einer Brille notwendige Körperkontakt fände immer mit davor und danach desinfizierten Händen statt, hat Frank Lindek auf der Internetseite seines Geschäftes veröffentlicht. Dennoch bleiben die Kunden nach und nach aus. „Vergangene Woche hatten wir noch gut zu tun, aber seit Montag ist es deutlich ruhiger geworden“, hat er beobachtet. 

Kunden werden ängstlicher

Immer noch viele Arbeit hat Schneider Tekin Kul. Die Stangen mit Kleidung, die noch geändert werden soll, sind voll. „Aber die Kunden werden schon ein bisschen ängstlicher. Viele rufen uns an und fragen, ob wir überhaupt noch geöffnet haben“, schildert er. Verständnis hat der Bönener dafür. „Man ist ja selber unsicher, und es ist auf jeden Fall ein komisches Gefühl.“ 

Ob sich die Bönener in den kommenden Wochen weiterhin bei Ernstings family in der Gemeinde mit neuer Kleidung eindecken können, ist dagegen bislang unklar. „Wir folgen natürlich den behördlichen Anordnungen. Wenn das Land beschließt, dass Bekleidungsgeschäfte und Ähnliches schließen müssen, dann werden wir das auch tun“, gibt eine Sprecherin des Unternehmens an. Bis dahin blieben alle Filialen geöffnet. Auf der Internetseite des Textilhändlers war gestern bereits zu lesen, dass Online-Bestellungen nicht mehr in die einzelnen Geschäfte geliefert werden, sondern nur noch direkt nach Hause zu den Kunden. Bislang hat das Unternehmen den Käufern beide Möglichkeiten angeboten.

Einen Notfallplan haben Sabine und Wilfried Lentz von Buch und Kunst (BuK) ebenfalls entwickelt. Sie gehen davon aus, dass ihre fünf Geschäfte in Bönen, Hamm, Bockum-Hövel, Heessen und Beckum spätestens ab Mittwoch per Beschluss der Landesregierung geschlossen bleiben müssen. „Bislang ist unser Verband davon ausgegangen, dass Bücher zu den Waren des täglichen Bedarfes gehören. Aber das ist wohl nicht mehr so“, bedauert Wilfried Lentz. Dabei hat er in den vergangenen Tagen sogar einen leichten Umsatzzuwachs festgestellt. „Die Leute haben sich mit Lesestoff eingedeckt für die kommende Langeweile“, vermutet er. 

Buchhändler liefert nach Hause

Damit dieser den Kunden in den nächsten Tagen und vielleicht sogar Wochen nicht ausgeht, wollen die BuK-Inhaber ab heute ein Nottelefon einrichten. Montags bis samstags erreichen die Anrufer von 10 bis 12 Uhr einen Ansprechpartner in Bönen unter der Rufnummer 91 39 50, außerhalb dieser Zeiten in Hamm unter der Telefonnummer 0 23 81/92 66 77. Der berät sie dann umfassend zu Büchern und Bestellungen. Im Internet können die Lektüren sowieso 24 Stunden täglich bestellt werden. Die Mitarbeiter und Wilfried Lentz selbst werden die Bestellungen dann zu den Kunden nach Hause liefern, zweimal wöchentlich in Bönen. „Wir haben gerade eine Bestellung von der Hellwegschule bekommen. Die stattet jetzt einen ganzen Jahrgang mit einer Lektüre aus, damit die Schüler beschäftigt sind“, erzählt der Geschäftsinhaber. Mit einem Lieferengpass rechnet er nicht. „Wir werden nach wie vor täglich beliefert“, versichert Wilfried Lentz. 

Definitiv geöffnet bleiben weiterhin alle Lebensmittelgeschäfte in der Gemeinde, die Apotheken und ebenso die Rossmann-Filiale, wie der Internetseite des Drogeristen zu entnehmen ist. Dort machen sich jedoch wie in den Supermärkten und Discountern gleichfalls die Hamsterkäufe vieler Mitbewohner bemerkbar. Die Regale mit Desinfektionsmitteln und Seifen sind leer, in den Reihen mit Produkten für Babys und Kleinkinder klaffen Lücken.

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