Einschulung: Das sagen Bönener Schulleiterinnen

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Nicht immer sind Kinde bereit für den Schulalltag.

Bönen - Über das Einschulungsalter von Kindern wird aktuell in ganz NRW diskutiert. Sogar eine Petition wurde gestartet. Wir haben zwei Grundschulleiterinnen in Bönen nach ihren Erfahrungen befragt. 

Mindestens sechs Jahre alt waren Kinder früher, wenn sie eingeschult wurden. Die „Winterkinder“ durften sogar noch länger im Kindergarten oder zu Hause bleiben. Wer nach dem 30. Juni geboren wurde, kam erst mit sieben Jahren in die Schule. Seit 2008 werden die i-Dötze aber immer jünger. 

Inzwischen werden sie schulpflichtig, wenn sie bis zum 30. September des im Sommer beginnenden Schuljahres ihren sechsten Geburtstag feiern. Viel zu früh, findet Sylvia Montanino aus Essen. Sie hat eine Online-Petition gegen den späten Stichtag auf den Weg gebracht, und inzwischen haben schon mehr als 30 000 Menschen für die Änderung des Stichtags von Ende September zurück auf Ende Juni gestimmt.

Annegret Berg kann das gut verstehen. Sie ist Schulleiterin der Bönener Goetheschule und beobachtet die Entwicklung der Kinder sehr genau. „Kinder, die ganz kurz vor dem Stichtag geboren wurden, haben dann oft noch nicht die Schulreife. Viele haben Probleme, sich zu konzentrieren und sind noch sehr verspielt. Sie haben es schwer“, sagt sie. 

Kaum eine Chance Schulpflicht aufzuschieben

Verallgemeinern ließe sich das natürlich nicht, schließlich gäbe es auch Kinder, die sehr jung eingeschult wurden und keine Probleme damit hatten. „Wir arbeiten dabei sehr gut mit den Bönener Kindertageseinrichtungen zusammen. 

Es gibt die Schuleingangsdiagnostik mit dem Ü1, dem Übergangsprotokoll für die Grundschulen. Darin schreiben die Erzieher auf, was die Kinder schon können und wo sie noch Förderbedarf haben. Sie weisen auch auf Schwierigkeiten hin. Das ist für uns sehr hilfreich“, so die Pädagogin. 

Sie selbst lernt bei der Schuleingangsdiagnostik viele Mädchen und Jungen kennen, und sieht, wie es um deren Schulreife bestellt ist. „Wir setzen uns anschließend mit den Eltern, oft gemeinsam mit den Erziehern, zusammen und besprechen, wie das Kind bis zur Einschulung noch gefördert werden kann. “ 

Stellen Berg, ihre Kollegen oder auch die Erzieher in den Kitas fest, dass ein Kind eigentlich noch nicht für den Schulbesuch geeignet ist, es aber nach der Stichtagregelung schulpflichtig ist, gibt es kaum eine Chance, die Einschulung um ein Jahr aufzuschieben. „Eine Rückstellung ist nur aus erheblichen gesundheitlichen Gründen möglich. Und die müssen von Fachärzten attestiert werden“, erklärt Annegret Berg.

Still sitzen geht häufig noch nicht

Den Lehrern bliebt in solchen Fällen nur, besonders auf die Kleinen einzugehen. „Wir legen im ersten Schuljahr zum Beispiel viele Bewegungspausen ein. Eine Dreiviertelstunde still sitzen können die Kinder in diesem Alter noch nicht.“ 

Antje Anbring-Keiter von der Hellwegschule sieht die Probleme nicht beim Stichtag. Ihrer Meinung nach ist es wichtiger, mehr auf jedes Kind individuell einzugehen. „Man kann das nicht an einem Termin festmachen, egal ob Juni oder September. Jedes Kind ist anders.“ An ihrer Schule gäbe es viele Schüler, die auf Antrag der Eltern sogar vorzeitig eingeschult wurden. 

Den Lehrern steht in der Eingangsphase eine sozialpädagogische Fachkraft zur Seite. „Aber wir haben immer eine große Bandbreite an Kindern, die individuell gefördert werden müssen“, stellt die Schulleiterin fest. „Dass wir manchmal an unsere Grenzen stoßen und nicht immer allen Kindern gerecht werden können, liegt daran, dass wir nicht die personelle Ausstattung dafür haben.“ 

Den Stichtag zu verschieben, würde ihrer Ansicht nach wenig ändern. „Es sei denn, er wird noch weiter nach hinten geschoben. Das wäre sicher problematisch.

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