Die Tafel Bönen

Anpacken und Einpacken zwischen Nudeln, Äpfeln und Kohl

Helferin Laura Vogt füllt die Tüten bei der Tafel in Bönen
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Helferin Laura Vogt füllt die Tüten bei der Tafel in Bönen. Sie engagiert sich schon vor ihrem Umzug nach Bönen ehrenamtlich.

Seit der Wiedereröffnung der Bönener Tafel nach Ausbruch der Corona-Pandemie warten die Menschen jeden Dienstag ab 11 Uhr geduldig vor dem Eingang zur Awo-Tagesstätte, um Lebensmitteltüten abzuholen. Um sie im Herbst nicht im Regen stehen zu lassen, hat das Tafel-Team ein Konzept entwickelt. Die Mitarbeiter wollen auch dafür sorgen, dass das Angebot der Tafel noch bekannter wird.

Bönen – Kartoffeln, Paprika, Tomaten, Äpfel, Bananen und Weintrauben – von allem etwas soll in den braunen Papiertüten landen, die später an die Kunden der Bönener Tafel weitergegeben werden. „Und an dem anderen Tisch gibt es dann Milchprodukte, Reis, Nudeln und Brot“, werde ich als Neuling eingewiesen. Ich helfe heute mal mit, um zu sehen, wie es läuft bei der Bönener Tafel seit der Wiedereröffnung nach der Corona-Schließung.

Das Tafelteam besteht überwiegend aus Frauen und ist eine gute Mischung aus jungen und älteren Helfern. Sie trudeln nach und nach ein, rücken Tische, bereiten alles vor für die Ausgabe. Jemand hat schon Kaffee gekocht. Die Helfer lachen und scherzen, die Stimmung ist gut. „Das ist ein bisschen wie in einer Familie“, erklärt mir Fatma Okumus, die später die Taschen an die Kunden ausgeben wird.

Wenn der Lieferwagen kommt, muss es schnell gehen

Kurz nach zehn kommt der Lieferwagen von der Kreis-Zentrale der Tafel in Unna. Der ist vollgepackt mit Boxen voller Lebensmittel, die auf Rollwagen ins Haus transportiert werden müssen. Ruckzuck laufen Helfer zum Wagen, packen mit an, andere verteilen die Boxen auf die Tische. Jetzt muss alles schnell gehen, denn um 11 Uhr stehen die Kunden vor der Tür. Seit Ausbruch von Corona dürfen die Kunden den Awo-Treffpunkt nicht mehr betreten, wo sie früher ihre Lebensmittel selbst aussuchen konnten. Die Taschen werden von den Helfern gepackt. „Ein-Personen-Haushalte erhalten eine Tüte, Ehepaare oder Familien zwei Tüten“, erklärt mir Elke Werth. Großfamilien bekommen eine Box.

Atef Awada ist der „Empfangschef“ der Tafel. Er dolmetscht und sorgt für die Handdesinfektion.

Jeder scheint zu wissen, was zu tun ist – nur ich bin noch etwas orientierungslos. „Du kannst eine Tüte für eine Einzelperson packen“, sagt Laura Vogt. Die junge Frau ist bereits zum zweiten Mal dabei und weiß offensichtlich, was zu tun ist, kommt aber eigentlich aus Köln, wie ich erfahre. Wie bitte? Was macht sie dann in Bönen bei der Tafel? „Ich wollte raus aus der Großstadt und fand Unna sehr schön. Es war aber sehr schwierig, eine Wohnung zu finden.“

Dann kam Corona, und sie verlor ihren Job in der Gastronomie. Jetzt hat es immerhin mit der Wohnung geklappt. „Ab 1. November wohne ich in Bönen“, verkündet sie. „Ich hatte mich vorher erkundigt, wo ich in der Gemeinde ehrenamtlich mitarbeiten kann. So kam ich auf die Tafel.“ Dort arbeitet sie jetzt schon mit, und fühlt sich in dem bunt zusammengesetzten Kreis sichtlich wohl. Das Tafelteam freut’s, denn Helfer werden gebraucht, um die Arbeit auf möglichst viele Schultern zu verteilen. „Dann ist es auch mal möglich, einen Dienstag auszusetzen, wenn man etwas Wichtiges vorhat“, findet Elke Werth.

Ein bisschen von allem kommt in die Tasche

„Pack ein bisschen von allem in die Tasche“, sagt Laura Vogt, während wir gemeinsam um den langen Tisch gehen, Obst und Gemüse auswählen, das die Lebensmitteldiscounter für die Tafeln im Kreis Unna zur Verfügung stellen. Diesmal sind unter anderem Kartoffeln, Kohlrabi, Tomaten und Paprika, Weintrauben und Bananen im Angebot. Als besondere Zugabe gibt es Kokosnüsse und Ananas.

Das kommt in die Tüte: ein bisschen von allem.

Dann geht es zum nächsten Tisch mit Milch und Joghurt, Nudeln, Reis, Linsen sowie jeder Menge Burgerbrötchen. Die fertig gepackten Taschen werden in den Gang gestellt. Hier hat Fatma Okumus bereits Stellung bezogen hinter einem kleinen Tisch, der als Warenausgabe dient.

Punkt elf bittet Atef Awada die erste Kundin in das Foyer des Gebäudes. Der Libanese, der selbst Flüchtling ist und mit seiner Familie in Bönen lebt, möchte sich nützlich machen und helfen. Da er arabisch, englisch, französisch und mittlerweile auch ein paar Brocken Deutsch spricht, fungiert er als Übersetzer. In Beirut war er einst Hotelmanager, der Empfang von Menschen, das liegt ihm im Blut.

Die Tafel Bönen

Die Bönener Tafel öffnet jeden Dienstag zwischen 11 und 12.30 Uhr in der Awo Tagesstätte am Eichholzplatz 3. Bedürftige Rentner, Hartz-IV-Empfänger und Flüchtlinge erhalten hier Lebensmittel. Sie sollten ihre Berechtigung einmalig mit einem Sozialhilfe-nachweis, Rentenbescheid oder Wohnberechtigungsschein nachweisen, da die Kundenlisten nicht mehr aktuell sind. Da die Waren in Papiertüten ausgegeben werden, ist es hilfreich, reißfeste Taschen für den Transport mitzubringen. Helfer für das Tafel-Team können sich bei Helen Eßkuchen, Telefon 0173/3623707 oder Dirk Presch, Telefon 8640, melden.

Nach der obligatorischen Handdesinfektion werden die Kunden in eine Liste eingetragen und bezahlen ihren Obolus für die Lebensmittel. Die meisten sind bekannt und Stammkunden. Unter ihnen Flüchtlinge, Hartz-IV-Empfänger, Rentner mit kleinem Einkommen. Atef Awada begrüßt sie freundlich, fragt, wie es ihnen geht, und holt sie nacheinander in das Gebäude.

24 werden es heute am Ende sein. „Wir könnten noch mehr Bedürftige versorgen. Aber viele kommen vielleicht aus Scham nicht zu uns oder wissen vielleicht nicht, dass wir wieder geöffnet haben. Die versuchen wir jetzt zu erreichen“, sagt Helferin Helen Eßkuchen. Eine neue Aufgabe für Atef Awada. Er soll Plakate in verschiedenen Sprachen schreiben, die in Kürze an Orten wie den Second-Hand-Läden Cariert und Stöberei sowie in den Flüchtlingsunterkünften aufgehängt werden sollen, damit mehr Menschen der Zielgruppe von der Tafel erfahren.

Ein Pavillon gegen Regen und Zeitfenster gegen langes Warten

Und ein anderes Problem treibt das Tafelteam um: Das Wetter, das jetzt schlechter wird. „Wenn es regnet, können wir die Menschen nicht lange draußen im Regen stehen lassen“, erläutert Helen Eßkuchen. Deshalb haben die Verantwortlichen bereits Kontakt mit der Vorsitzenden der Tafel im Kreis, Ulrike Trümper, aufgenommen.

„Wir erhalten einen wasserdichten Faltpavillon, wo sich die Menschen unterstellen können“, freut sich Eßkuchen. Damit sich die Tafelkunden künftig bei schlechtem Wetter nicht alle gleichzeitig dort drängen, will das Tafelteam den Kunden ein festes Zeitfenster für den nächsten Besuch mitteilen. So müssen sie nicht lange warten und kommen direkt an die Reihe.

Während mittags im Foyer der letzte Kunde bedient wird, räumen die Helfer hinten im Awo-Treffpunkt schon alles zusammen. Elke Werth fegt schnell noch einmal durch. Schließlich will die Mannschaft alles ordentlich hinterlassen bei der Awo. Die Helfer verabschieden sich und freuen sich schon auf den nächsten Dienstag. Sie sind stolz auf ihre Arbeit und haben Spaß daran.

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