Reiche werden in Bönen reicher, doch auch Geringverdiener legen zu

Bönen – 34 128 Euro zu versteuerndes Einkommen haben die Bönener nach der Lohn- und Einkommensstatistik von IT NRW erwirtschaftet, das berichtete der WA bereits vor ein paar Tagen. Doch wie ist das Einkommen unter den Steuerpflichtigen genau verteilt? Auch hier lohnt sich ein genauerer Blick auf die Zahlen des Statistischen Landesamtes. Die zeigen, dass der Verdienst gestiegen ist und es mehr Spitzeneinkommen gibt.

Die Daten gehen auf das Jahr 2016 zurück. Denn gegen eine Steuererklärung könne Widerspruch eingelegt oder geklagt werden, erklärt eine Sprecherin der Behörde, warum dies die aktuellsten Zahlen seien: „Erst wenn alle Prozesse geschlossen sind, werden die Daten veröffentlicht.“

Der Durchschnitt

8151 Bönener waren 2016 steuerpflichtig gemeldet, das sind 202 mehr als noch im Jahr davor und exakt 400 mehr als noch 2012. Die Einwohner der Gemeinde verdienen auch mehr Geld als früher, denn 2012 waren es durchschnittlich nur 29 952 Euro, 2015 immerhin schon 33 096 Euro. Das ist ein Anstieg um 3,1 Prozent zum Vorjahr und 13,9 Prozent zu fünf Jahre zuvor. Die gemittelte Inflationsrate lag in diesem Zeitraum bei 1,08 Prozent pro Jahr. Die Einnahmen steigen also.

Allerdings liegt Bönen damit weiterhin im unteren Bereich von Nordrhein-Westfalen. Platz 371 von 396 Kommunen in NRW springt für die Gemeinde gerade einmal heraus. Dementsprechend hinkt Bönen mit seinen 34 128 Euro pro Steuerpflichtigen dem Landesschnitt um einiges hinterher. Der liegt nämlich bei 39 688 Euro.
Am wenigsten Einkommen haben die Menschen in Duisburg mit 30 521 Euro. Am anderen Ende der Skala findet sich Meerbusch mit weitem Vorsprung auf den zweiten Platz mit 65 978 Euro. Dort im Rhein-Kreis Neuss, unter anderem Wohnsitz von Franjo und Verona Pooth, leben laut einer anderen Erhebung des Statistischen Landesamtes auch die meisten Einkommensmillionäre in NRW mit 16,9 auf 10 000 Einwohner.

Einkommensmillionäre

Ob es in Bönen Millionäre gibt, ist dagegen unklar. Seit einigen Jahren wird keine Zahl mehr in der betreffenden Zeile ausgewiesen. Das liegt daran, dass es entweder in der Kategorie 500 000 bis eine Million Euro oder in der über eine Million Euro nur ein oder zwei Steuerpflichtige gibt. Um für eine Anonymisierung zu sorgen, würden die Daten nicht veröffentlicht, erklärte ein Pressesprecher der Behörde auf Nachfrage.

Aus den Gesamtzahlen lässt sich aber errechnen, dass insgesamt sieben Steuerpflichtige mehr als 500 000 Euro versteuern müssen. Der WA hatte vor ein paar Tagen berichtet, dass es in der Gemeinde keine Einkommensmillionäre mehr gebe, das war also etwas vorschnell.

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Das reichste Septett hatte zusammen 7,4 Millionen Euro an zu versteuerndem Einkommen und zahlte 2,9 Millionen Euro an Lohn- und Einkommensteuer. Das macht einen durchschnittlichen Steuersatz von 39,69 Prozent.

Einkommensverteilung

Gestiegen ist in Bönen die Zahl der hohen Einkommen. Die 191 Steuerpflichtigen mit einem Verdienst von mehr als 125 000 Euro machen nun 2,34 Prozent aus (2012: 1,56). Diese Gruppe verbuchte 2016 14,5 Prozent der Einkünfte und zahlte stolze 28,5 Prozent der Lohn- und Einkommenssteuern. Der Anstieg zu 2012 ist enorm, denn damals lag ihr Anteil am Einkommen nur bei 10,5 Prozent und der an den Steuern bei 21,5 Prozent. (2015: 1,99; 13,0; 25,1).

Ebenfalls zugenommen hat der Anteil der Menschen, die 50 000 bis 125 000 Euro verdient haben: von 16,7 Prozent auf 17,8. Ihr Anteil am Einkommen stieg auf 37,6 Prozent im Vergleich zu 36,1 in 2012, gesunken ist dagegen ihre Quote bei den Steuern von 44,9 (2012) auf 42,8 Prozent, was vermutlich auf den Anstieg in der Kategorie darüber begründet liegt. Ihr zu versteuerndes Einkommen erhöhte sich in der Zeit durchschnittlich nur wenig um rund 300 Euro.

Nahezu die Hälfte der steuerpflichtigen Bönener muss weniger als 25 000 Euro im Jahr versteuern, exakt 48,6 Prozent, beziehungsweise 3964 Haushalte. Die Größe dieser Gruppe ist allerdings kleiner geworden, lag 2012 nämlich noch bei 53,5 Prozent. 2016 erwirtschafteten diese Menschen 14,1 Prozent des Gesamteinkommens und zahlten 4,5 Prozent der Steuern. Die IT-NRW-Statistik führt auch 887 Steuerpflichtige ohne Einkommen auf.

Zahlenbasis

Insgesamt erzielten die 8151 steuerpflichtigen Bönener 278 177 Millionen Euro und zahlten 41850 Millionen Euro Steuern. Als ein Steuerpflichtiger gelten in dieser Statistik auch zusammen veranlagte Ehegatten. Der durchschnittliche Steuersatz lag bei 15 Prozent.

Bei den Einkünften handelt es sich um das gesamte zu versteuernde Einkommen wie Löhne und Mieteinnahmen. Kapitalerträge wie etwa aus Zinsen fließen nur zum Teil in die Werte ein: Seit 2009 muss auf Kapitalerträge, die über dem Sparerpauschbetrag liegen, Abgeltungssteuer gezahlt werden. Die Bank führt die Abgeltungssteuer in Höhe von 25 Prozent der Erträge direkt an das Finanzamt ab. Dann tauchen sie nicht mehr in der Statistik auf. Ausnahmen gibt es allerdings: zum Beispiel dann, wenn die Steuerpflichtigen eine Günstigerrechnung beantragen. Es gibt weitere Ausnahmefälle, die IT NRW nicht benennt.

In der persönlichen Steuererklärung werden nur noch dann Absetzbare Ausgaben wie etwa Kosten für Kinderbetreuung, Arbeitszimmer und Handwerker sind bereits abgezogen.

Hinweis: In einer früheren Fassung des Artikels hieß es irrtümlich, alle steuerpflichtigen Zinseinkünfte würden in der Statistik erfasst. Tatsächlich ist das nur in Ausnahmefällen so (siehe oben). Das haben wir korrigiert.

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