Einbahnstraßen sollen Bönener Industriegebiet entlasten

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Um das Verkehrsaufkommen im Bönener Industriegebiet zu entzerren schlägt die CDU-Fraktion eine Änderung der Verkehrsführung vor, sodass Edison- (rechts) und Siemensstraße zu Einbahnstraßen umgewidmet würden.

Bönen - Durch den explosionsartig angestiegenen Lieferverkehr drohen dem Industriegebiet Am Mersch und dem Inlogpark zu Stoßzeiten auf den Zufahrtsstraßen der Verkehrsinfarkt, fürchtet die CDU-Fraktion. Sie hat deshalb den Antrag gestellt, die Verkehrsführung im Industriegebiet zu ändern und ein Einbahnstraßensystem auszuschildern, das für Abhilfe sorgen soll.

In der Ratssitzung einigten sich die Mitglieder jetzt einstimmig auf einen abgeänderten Beschlussvorschlag: Der Antrag soll in die Fortschreibung der Machbarkeitsstudie (für einen weiteren Anschluss an die A2) aus dem Jahr 2007 mit aufgenommen werden. 

Derzeit nehmen Edisonstraße und Siemensstraße den gesamten Verkehr in den beiden Gewerbegebieten auf und sind durch Weetfelder Straße und Otto-Hahn-Straße in Nord-Süd-Richtung miteinander verbunden. 

Von einer geänderten Verkehrsführung erhofft sich die CDU-Fraktion zum einen eine Aufteilung des Verkehrs zwischen den Anschlussstellen Bönen und Hamm/Rhynern, aber auch die Verbesserung für Radfahrer und Fußgänger sowie die allgemeine Parksituation vor Ort. Die mangelhafte Erschließung für Fußgänger und Fahrradfahrer im Bereich bis zur Poilstraße im Süden und dem Osterbönener Weg im Norden könnte durch die Ausweisung als Einbahnstraße verbessert werden. 

Ebenso bestehe die Möglichkeit, die Fahrbahnbreite und die zu schmalen Parkstreifen für den fließenden Verkehr anzupassen. „Vorteil der derzeitigen Verkehrsführung ist dagegen, dass nicht der gesamte Verkehr über die Straßen geleitet wird, sondern sich mit den jeweiligen Anfahrten zu den Betrieben im Gebiet aufteilt“, so Fachbereichsleiter Robert Eisler. 

Bei einer Einbahnstraßenregelung würde sich der gesamte Verkehr auf eine Straße verdichten und jedes Fahrzeug müsste das gesamte Gebiet durchfahren. „Für einige Unternehmen, die am Ende der Straßen ansässig sind, könnte das problematisch werden“, sagt Eisler. „Da müssten Gespräche mit den Anliegern geführt werden.“ 

Rechtlich habe die Gemeinde Bönen zwar die Möglichkeit, Straßen als Einbahnstraßen ausweisen zu lassen. „Hierzu müsste aber nachvollziehbar belegt werden, dass diese Maßnahme tatsächlich zu einer Verbesserung der Verkehrssituation führt.“ Die Gemeinde Bönen kann zwar Verkehrsbelastungen zählen, aber nicht eigenständig gutachterlich belegen, welche Auswirkungen derartige Eingriffe in den fließenden Verkehr haben. 

Aus diesem Grund sei es vorab zwingend notwendig, ein entsprechendes Verkehrsgutachten in Auftrag zu geben. Mittel für ein solches Gutachten, dessen Kosten die Verwaltung mit 25 000 bis 30000 Euro veranschlagt, sind im Haushalt 2019 nicht eingeplant. Sie müssten entweder für den Haushalt 2020 angemeldet oder im Haushalt 2019 außerplanmäßig bereitgestellt werden. 

Weitere Belastungen sind absehbar 

Das Gutachten müsste nicht nur das derzeitige Verkehrsaufkommen inklusive der Verkehre aus Hamm abbilden, sondern auch die künftig zu erwartenden Verkehre mit einbeziehen. Bereits absehbar sind weitere Verkehrbelastungen beispielsweise durch das neue DPD-Verteilzentrum, das derzeit im Hammer Industriepark gebaut wird und laut Planung im Herbst eröffnet wird. 

Zudem steht immer noch die Machbarkeitsstudie im Raum, die die Möglichkeiten eines weiteren Anschlusses an die A2 prüft. Zwischen Bönen und Rhynern sieht Eisler da allerdings wenig Chancen. „Durch die Bebauung fehlt der Platz. Denkbar wäre vielleicht ein Anschluss in Richtung Kamener Kreuz“, so Eisler. Hier könnten sich neue Erkenntnisse nach Auswertung aktueller Daten ergeben. 

Zuvor ein gesondertes Gutachten für eine Einbahnstraßenführung in Auftrag zu geben, mache deshalb keinen Sinn – schließlich hängen die Planungen unmittelbar zusammen. Um die Kosten für das Gutachten zu sparen, soll der Antrag in die Fortschreibung der Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2007 aufgenommen werden. Mit Ergebnissen rechnet Eisler frühestens zum Jahresende 2019.

Spitzenwert: 1697 Fahrzeugen pro Stunde

Zählungen haben folgende Zahlen ergeben: Der morgendliche Spitzenwert am Kreisverkehr an der Edisonstraße liegt bei 1697 Fahrzeugen pro Stunde, darunter 216 Lkw. Über den gesamten Tag bewegen sich auf der K 42 zwischen Pelkumer Straße und Rhynerner Straße/Ecke Bahnhofstraße in beide Richtungen insgesamt rund 12 000 Fahrzeuge, darunter etwa 1600 Lkw. Ein Gutachten muss prüfen, ob ein Einbahnstraßensystem diese Mengen abwickeln kann, ohne dass es zu zusätzlichen Rückstauproblemen – insbesondere im Kreisverkehr – kommt.

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