Blick über den Zaun in Peddinghausen

Flauschiges Vergnügen für Familien: Alpaka-Picknick auf dem Hof Parlog

Außergewöhnliche Begegnungen bietet eine Alpaka-Wanderung.
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Außergewöhnliche Begegnungen bietet eine Alpaka-Wanderung.

Ihre Wolle wärmt Füße - und der bloße Anblick Herzen: Ein Besuch im Alpaka-Gehege auf dem Hof Parlog:

Bönen/Hamm – Alpakas liegen im Trend. Die flauschigen Tiere aus Südamerika sind für immer mehr Hofbesitzer in Deutschland zu einem lohnenden Geschäftszweig geworden. Erlebnisaktionen mit den Vierbeinern sind beliebt. Angeboten werden sie zum Beispiel auf dem Hof von Carola Parlog, der direkt hinter der Bönener Gemeindegrenze im Dreieck zwischen Flierich, Hamm und Werl liegt.

„Alpakas sind Fluchttiere“, erfahren Familie Kisling und Gastkind Paul, bevor sie die Huftiere kennenlernen dürfen. „Wenn ihr sie streicheln wollt, am besten von der Seite“, erklärt Carola Parlog. Sie hat an diesem Morgen zum Alpaka-Picknick auf ihren Hof geladen.

Die Schneidezähne flößen Respekt ein

Zunächst interessieren sich Lea (2), Amira (8) und Paul weniger für die Infos über die Andentiere, dass sie etwa Kälte zwar gut vertragen, Wind aber überhaupt nicht mögen. Deswegen der kuschelige Stall mit Extraportion Heu für die bessere Verdauung. Die Kinder haben Kaninchen in der ehemaligen Tenne entdeckt, ihnen bekannte Haustiere. „Ich hab auch zwei Zwergkaninchen“, meint Paul, während Lea plötzlich zurückzuckt. Das Schnüffeln an den fordernden Fingern flößt ihr angesichts der beeindruckenden Schneidezähne der Nager Respekt ein.

Parlog erklärt derweil, dass die Alpakas einmal im Jahr geschoren werden. „Nicht von mir, das gefällt ihnen nämlich nicht. Da finde ich es besser, sie bekommen einen schlechten Eindruck vom Scherer, der ist ja nach einem Tag wieder weg.“

Nützliches aus der Wolle

Sie zeigt auch gleich gefilzte Einlagen für den warmen Fuß und Seife. Produkte, die aus den drei Kilo Wolle pro Tier hergestellt werden können. Auch das ist offensichtlich nicht so spannend für Amira, Lea und Paul. Sie wollen Tiere sehen. Und sie entdecken tatsächlich ein Augenpaar, das durch die Ritzen der Stalltür lugt. „Da sind sie ja.“ Die Hausherrin fragt noch, woher die Tiere denn ursprünglich stammen, auch hier bleibt die Antwort aus. Es ist schließlich Sonntag, also keine Schule. Heute heißt es: Hintergrundwissen für die Großen, Anfassen und streicheln für die Kleinen.

Geburtstag mit flauschigen Gästen

Seit fünf Jahren lebt die Familie Parlog in Pedinghausen, „In der Hasenvöhde“, seit drei Jahren leben die Dortmunder mit Alpakas. Unter anderem, denn Tochter Laura Arnolds züchtet Hunde. Die Biologin betreibt zudem eine Haustierpension. Carola Parlog ist OP-Schwester, beschäftigt sich nebenbei mit den Alpakas. Wanderungen mit den Tieren bietet sie nicht mehr an. „Mit dem Nachwuchs wollte ich nicht, jetzt haben die Tiere keine Lust mehr drauf. Außerdem haben ja auch kleine Kinder gar nicht die Ausdauer für längere Strecken“, sieht sie ihr Klientel bei Familien. Die Alpaka-Picknicks seien am besten geeignet für Kinder ab zehn Jahren. „Kindergeburtstage sind möglich für bis zu acht Kinder, sonst wird es zu stressig für die Tiere.“

Es ist aber gar nicht so einfach, die Hand ans Fell zu kriegen. Die Tiere sind zwar neugierig und kommen sofort zum Schnüffeln. Sobald die Hand ins flauschige Fell greifen will, sind sie weg. Lea wird zudem angestupst, rettet sich auf Papas Arm. Geduld bringt hingegen die ältere Schwester auf. Sie schafft es, Ariana und Mutter Argentina zu streicheln. Das seien die Mutigsten der achtköpfigen Alpaka-Herde, erklärt Parlog, Argentina die Chefin der „Mädels“.

Mit den „Männern“ ist es so eine Sache

„Männer“ wollten immer nur das Eine, fährt sie fort. Ihre zwei Hengste, einen alten und einen jungen, hat sie abgegeben. „Schweren Herzens, weil es schöne Tiere waren.“ Aber sie würden eben auch die schwangeren Stuten bedrängen. „Sie bringen Unruhe in die Herde.“ Im Mai nach der Schur steht erneut die Paarung an. Der „Leihhengst“ soll fünf der Stuten begatten. Mit eineinhalb seien weibliche Alpakas bereit dazu. Wenn der neue Nachwuchs da ist, wird sich Parlog wieder trennen müssen. Die Herde soll nicht zu groß werden. „Man sagt, so zwei Tiere auf 1000 Quadratmeter. Wir haben hier 5000.“

Herde ersetzt den Rasenmäher

Wegen der Rasenpflege sei sie auch auf die Alpakas gekommen. „Meine Tochter brauchte die Pferdeställe für ihre Hundezucht, die Pferde mussten weg. Und wir mussten uns zwischen Aufsitzmäher für den Ehemann, Ziegen oder eben Alpakas entscheiden“, erklärt die 58-Jährige zur Situation vor drei Jahren. „So, jetzt hol ich aber erst mal Kaffee und einen kleinen Snack.“

Picknick mit flauschigen Alpakas

Picknick mit Alpakas
Picknick mit Alpakas
Picknick mit Alpakas
Picknick mit Alpakas
Picknick mit flauschigen Alpakas

Picknick eben, zunächst nur für die Zweibeiner. Trauben, Gurken, Brot, Ei und Möhren sind nichts für die Alpakas. „Sie sind Diabetiker“, sagt die Fachfrau. „Die bekommen aber gleich ein Müsli, damit könnt ihr sie füttern.“ Das Zusatzfutter besteht aus Gräsern und ein bisschen Getreide, versorgt die Tiere unter anderem mit Selen, das dem westfälischen Gras fehlt. „Ihr müsst es den Tieren in der flachen Hand hinhalten“, bekommen die Kinder die Erklärung zur Futtertüte. Nicht alle Paarhufer kennen diese Regel. Lima, Adriana und Cheesy fressen gerne direkt aus der Tüte.

Getrocknete Hinterlassenschaft als Dünger

Ein verhaltenes „Höö, Höö“ ist zu hören. „So unterhalten sie sich“, sagt Parlog. Die Verdauung fordert derweil ihren Tribut. „Sie haben einen festen Toilettenplatz, aktuell leider mitten auf dem Hof.“ Dort hinten, wo das Gras grüner ist und höher wächst, waren auch mal welche. Die Köddel sind stickstoffreich, ein beliebter Dünger, nicht nur in den Anden. Parlog sammelt den Kot und verkauft ihn getrocknet.

Einsatz in der Altenpflege denkbar

Ihr Wissen über die Tiere hat die OP-Krankenschwester aus dem „Evangelium der Alpakabesitzer“, dem Kameliden-Kompendium von Marty McGee Bennett sowie dem „Learning by doing“. Einen Kursus hätte sie gemeinsam mit ihrer Tochter Laura Arnolds auf der Farm Abolengo in Lüdinghausen gemacht. Parlog denkt daran, die sanften Tiere im Altenheim einzusetzen. „Wir hatten hier mal eine Gruppe Demenzkranker auf dem Hof, bei den Hunden. Ein Erlebnis für die alten Menschen“, meint Parlog.

Sie würde es aber nur machen, wenn die Tiere dadurch nicht gestresst würden. „Sonst macht es ja keinen Sinn. Ich muss sie ins Auto kriegen.“ Die Tiere dann im Auto zu transportieren, wäre kein Problem. Wenn Alpakas nicht weglaufen könnten, würden sie sich flach hinlegen, keinen Mucks von sich geben.

Es heißt, Abschied zu nehmen. Parlog muss das nächste Picknick vorbereiten. Lea ist müde, Amira und Paul widmen sich beim Gehen noch mal den Kaninchen. Einige Alpakas haben ebenfalls das Interesse verloren, begeben sich auf die Wiese. Eins nutzt den Wassertrog zum Baden. „Im Sommer haben sie tatsächlich einen Pool“, sagt Parlog.

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