Zu viel Grünzeug in der teuren Müllverbrennung

Kampagne für bessere Verwertung: 300 Bönener Haushalte stellen schon im Juli auf die Biotonne um

So geht es (teuer) aus, wenn Bürger die Mülltrennung ignorieren. 30 Prozent des Restmülls sind über den Daumen verwertbare Grünabfälle.
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So geht es (teuer) aus, wenn Bürger die Mülltrennung ignorieren. 30 Prozent des Restmülls sind über den Daumen verwertbare Grünabfälle.

Die Bönener Haushalte zeigen durchaus Neigung, sich von der Kompostierung von Grünzeugs und Bioabfall im eigenen Garten zu verabschieden und stattdessen die Biotonne zu nutzen.

Bönen – Die ersten 300 neuen Grünen Tonnen sollen in diesen Tagen ausgeliefert werden, weil die Bürger die geplante Umstellungsfrist zu März kommenden Jahres nicht abwarten wollen. Von den 2400 angeschriebenen Haushalten haben mehr als 600 eine Biotonne bestellt. Auch mit der Resonanz auf die Ende Mai versandten Schreiben ist Maximilian Drexler als Verantwortlicher im Bönener Rathaus wie auch Andreas Hellmich, Sprecher der Kreis-Abfallgesellschaft GWA, sehr zufrieden. Zur Zwischenbilanz Mitte Juni lag die Rücklaufquote bei 80 Prozent.

Knapp 800 Anträge auf Komposter

Nach wie vor gingen noch Anträge auf die mit der Aktion beworbene Biotonne, aber auch auf die Befreiung vom Anschluss- und Benutzungszwang ein. Nur mit diesem behördlichen Okay kann der verrottende Abfall auf dem eigenen Grundstück anstelle der Müllabfuhr entsorgt werden. Nicht ganz 800 Haushalte wollen an der gebührenfreien Alternative festhalten. Dafür sollen sie möglichst den Antrag unter Angabe der Kapazitäten/Nutzungen auf dem Grundstück neu stellen und sich vor allem von den GWA-Beratern am Telefon erklären lassen, wie eine ordnungsgemäße Kompostierung funktioniert.

„Das ist nicht so einfach, wie es sich anhört“, betont Hellmich. Alles auf den Haufen zu werfen und sich selbst zu überlassen, habe mit Kompostierung und Humus-Produktion nichts zu tun. „Man braucht mehr als einen Komposter, muss sie umsetzen, den Humus untergraben.“ Das bedeute viel Arbeit.

30 Prozent Grünabfall im Restmüll

Oder es führt zu dem, was mit dieser Aktion verhindert werden soll: Wenn die Müllwagen die Tonne für Hausmüll leeren, seien in der Fracht etwa 30 Prozent Grünabfälle enthalten, die dort nicht hineingehören. „Das ist verbranntes Geld“, sagt Hellmich mit Blick darauf, dass die Entsorgung in der Verbrennungsanlage pro Tonne etwa 100 Euro teurer sei als die Bio-Aufbereitung. Bei 2600 Tonnen Restmüll jährlich geht es in Bönen grob um 78 000 Euro zulasten aller. Auch ein Grund, warum auch kontrolliert wird, ob die Angaben zur Kompostierung stimmen.

Wichtige ökologische Effekte

Ökologisch sei das erst recht ein Unding. „Es geht auch um wichtige Rohstoffe wie etwa Phosphor, den wir so im Kreislauf halten können.“ Erst recht im Klimawandel müssten die hiesigen Böden verbessert und wasserhaltiger gemacht werden. Dafür biete sich Humus aus der Bio-Abfallanlage an.

Als Instanz für die Abfallberatung im Kreis hat die GWA die Anschreiben der Haushalte im Auftrag der Gemeinde und das weitere Prozedere übernommen. Die Beratungsgespräche seien „sehr ruhig und sachlich verlaufen. „Das haben wir auch schon anders erlebt“, berichtet der GWA-Sprecher.

Bei der BgB regt sich Widerspruch

Das letzte Wort dürfte darüber gleichwohl nicht gesprochen sein. Bei der BgB regt sich Unmut, ihr Ratsherr Christian Lauer hat angekündigt, in der Ratssitzung am 1. Juli Punkte anzusprechen, die ihm nicht behagen: Mit dem Abbau frei zugänglicher Papiercontainer, dem Auslassen enger Stichstraßen bei der Abfuhr und nun der forcierten Nutzung der Grünen Tonne sei „immer zulasten der Bürger entschieden worden“. Zugleich seien Müllgebühren wie Entsorgungsleistungen aber teurer als in der Nachbarschaft.

Hellmich begründet die Nachfrage nach der Tonne indes so: „Die Leute haben gemerkt, dass es gar nicht viel kostet. Die 60-Liter-Tonne gibt es für 44,88 Euro, das macht 1,73 Euro pro Abfuhr, 4,74 Euro im Monat statt der Plackerei im Garten.“

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