Zweites Zuhause in der Feuerwache

Manfred Lueg gehört seit 57 Jahren zur Bönener Feuerwehr

Seit 57 Jahren ist Manfred Luge Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Bönen
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Schon als 16-Jähriger kam Manfred Lueg zur Bönener Feuerwehr. Inzwischen ist er Mitglied der Ehrenamteilung.

Ein super Arbeitsklima, Aufstiegschancen, flexible Arbeitszeiten und kostenlose Arbeitskleidung: Die Freiwillige Feuerwehr Bönen wirbt auf ihrer Internetseite um Verstärkung und freut sich über jeden, der mit einsteigen möchte. Zugegeben, ein Gehalt gibt es für den Job nicht, dafür aber Unbezahlbares wie Zusammenhalt und das gute Gefühl, Sinnvolles zu leisten. In dieser Serie erzählen einige Bönener, warum sie Mitglied bei der Feuerwehr sind.

Wer ein Haus hat, sollte in der Feuerwehr sein. Diese Regel galt früher im Dorf, und schon Manfred Luegs Großvater und Vater hielten sich daran. Als er selbst dann mit 16 Jahren seinen Treckerführerschein in der Hand hielt, war für seinen Opa klar, dass „der Junge“ nun ebenfalls reif genug für die Freiwillige Feuerwehr war. Schließlich konnte der nun mit dem Traktor den Spritzenanhänger ziehen. Und das war wichtig.

„Den Führerschein hat er. Nimmst du ihn auf?“, fragte Lueg Senior also den damaligen Löschgruppenführer und prompt steckte der Jugendliche in der Uniform. „Die 1 D-Mark Jahresbeitrag hat mein Opa gleich für zwei Jahre im Voraus für mich bezahlt, bis ich 18 Jahre alt war“, erinnert sich der heute 73-Jährige. Er trägt inzwischen den dunkelblauen Anzug der Alters- und Ehrenabteilung, die schützende Einsatzuniform, Helm und Co. hat Lueg vor 13 Jahren abgegeben – schweren Herzens, wie sich vermuten lässt.

Noch immer sehr interessiert

Noch immer ist der Lenningser sehr an allen Aktivitäten „seiner“ Feuerwehr interessiert. Das zeigt sich etwa, wenn bei seinem Schwiegersohn in der Wohnung über seiner eigenen der Melder geht. „Opa ruft dann sofort hoch und fragt, was passiert ist“, erzählt Enkel Jonas Jokiel. Auch wenn Lueg nicht mehr aktiv im Dienst ist, ist er eben Feuerwehrmann mit Leib und Seele. Ehrensache, dass er den Enkelsohn zum Jugendfeuerwehrabend nach Nordbögge bringt, wenn dessen Mutter den Fahrdienst mal nicht leisten kann. Und auch bei Übungen schaut er hin und wieder gerne zu. Wird dann eine helfende Hand gebraucht, ist Manfred Lueg der Erste, der seine reicht.

Eine so lange Ausbildung, wie sie die heutigen Feuerwehrleute durchlaufen, bevor sie mit ausrücken dürfen, gab es in seiner Jugend noch nicht, wie er erzählt. Er war vom ersten Tag an direkt bei jedem Einsatz dabei. „Das waren damals aber weniger als heute“, stellt der Rentner fest. Seinerzeit gab es viel weniger Pkw und aufgrund dessen weniger schwere Autounfalle.

Im Laufe der Jahre hat Manfred Lueg dennoch viel gesehen, erlebt und vor allem viel geleistet für die Menschen in seiner Gemeinde. Nicht alles war einfach, manches hat den gelernten Kraftfahrzeugmechaniker eine ganze Weile beschäftigt. Wenn er jedoch auf seine aktive Zeit zurückblickt, dann überwiegt das Positive. Gerne denkt er an die gute Gemeinschaft, das starke Zusammengehörigkeitsgefühl der Feuerwehrleute und an die erfolgreichen Einsätze, die so vielen Menschen geholfen, ihre Existenz oder gar das Leben gerettet haben.

Etliche Lehrgänge hat Manfred Lueg im Laufe der Jahre absolviert. Seiner Grundausbildung schloss er den Atemschutzgeräteträgerlehrgang in Münster an, spezialisierte sich weiter als Gerätewart. Er lernte zu funken, Erste Hilfe zu leisten und den Umgang mit Gefahrenstoffen.

Internationale Gruppe aufgebaut

Und dann waren da noch die Wettbewerbe: Der Lenningser hat bei der Bönener Wehr die „Internationale Gruppe“ aufgebaut. Die hat sich an Feuerwehr-Wettbewerben beteiligt und ist dafür sogar einige Male nach Österreich gefahren. „800 Kilometer hin, 800 Kilometer zurück. Der eigentliche Wettbewerb hat dabei nur eine Minute gedauert“, erzählt er und lacht auf seine typische, verschmitzte Weise. Spaß gemacht hat es ihm offensichtlich. Etliche Auszeichnungen im Feuerwehrgerätehaus an der Poilstraße erinnern zudem heute noch an die Erfolge von Lueg und seinen Mitstreitern.

Verstärkung gesucht

Die Freiwillige Feuerwehr Bönen sucht Verstärkung. Angesprochen fühlen können sich teamfähige und flexible Frauen und Männer ab 18 Jahren für die Einsatzabteilung sowie Mädchen und Jungen ab zehn Jahren für die Jugendfeuerwehr. Interessierte können sich auf der Internetseite www.feuerwehr-boenen.de oder bei der Gemeindeverwaltung bei Anja Rüschenbaum, Telefonnummer 93 32 42, informieren.

Dort in geselliger Runde zu sitzen, ein kühles Bier in der Hand und mit den Kameraden ein Pläuschchen halten, das schätzt der Senior nach wie vor. Für ihn gehört das Gesellige zum Ehrenamt dazu. Ohnehin mit reichlich Humor gesegnet, kann Manfred Lueg jede Menge Anekdoten aus dem Feuerwehrleben erzählen, zum Beispiel vom Hochwassereinsatz an der Seseke in Flierich. „Während wir dort Sandsäcke stapelten, berichtete ein Nachbar, dass meine Frau angerufen hätte. Wir hatten selbst Hochwasser im Keller und ich sollte schnell nach Hause kommen.“ Zunächst erfüllt Lueg aber seine Pflicht. Daheim kamen ihm dann schon die Einmachgläser entgegengeschwommen. Zum Glück packte ein Feuerwehrkollege mit an, und gemeinsam „entwässerten“ sie das Untergeschoss. Auf die Feuerwehrleute sei eben Verlass, sagt der 73-Jährige.

Richtig viel Freude hat ihm stets der Umgang mit den Fahrzeugen gemacht. „Als wir das erste große Einsatzfahrzeug bekamen, war ich der Einzige in der Truppe mit Führerschein Klasse zwei. Deshalb durfte ich den Wagen abholen und durchs Dorf fahren“, schildert er nicht ohne Stolz. Selbstverständlich war Manfred Lueg immer sofort zur Stelle, wenn es an den Fahrzeugen etwas zu reparieren oder umzubauen gab.

Möglichst schnell helfen

Überhaupt hat er sehr viel Lebenszeit im alten Spritzenhaus an der Fröndenberger Straße verbracht. „Die Halle war mein Haus“, wirft er einen leicht wehmütigen Blick auf die mittlerweile viel zu kleine Feuerwache in Lenningsen. Geräte und Fahrzeuge sind längst in die ehemalige katholische Sankt-Michael-Kapelle auf der gegenüberliegenden Straßenseite umgezogen.

Nur 500 Meter weiter wohnt Manfred Lueg mit seiner Familie. „Im Einsatzfall brauchte ich nur drei Minuten, um am Auto zu sein“, berichtet er. Oft war er einer der ersten, die sich auf den Weg machten, wenn die Sirenen schrillten. Ob zuhause gerade 35 Gäste den Geburtstag der Frau feierten, war in solchen Momenten egal. Dann zählte nur noch der Gedanke, möglichst schnell am Einsatzort zu sein, um zu helfen und Schlimmeres zu verhindern.

„Und wenn es gut geklappt hat, dann war ich auch ein bisschen stolz“, sagt Manfred Lueg bescheiden. Missen möchte er keine Minute von der vielen Zeit, die er in sein Ehrenamt investiert hat. „Die Kameradschaft, die Freundlichkeit – das zählt für mich am meisten.“

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