Wegen Corona: Musikkarussell bittet um finanzielle Unterstützung

+
Gesangsunterricht in Zeiten von Corona: Im Musikkarussell mussten Spuckwände aufgestellt werden, damit gesungen werden darf. Die finanzielle Mehrbelastung aufgrund der Krise ist hoch.

Dem Musikkarussell macht die Coronakrise und die dagegen getroffenen Maßnahmen zu schaffen. Bis Jahresende könnte ein niedriger fünfstelliger Betrag durch Mehrkosten und Einnahmeausfälle fehlen. Der Verein bittet die Gemeinde nun um Hilfe.

Bönen - Ein Mehraufwand, um das Hygienekonzept zu erfüllen, auf der anderen Seite wegbrechende Einnahmen durch den Lockdown und die Einschränkungen aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung: Das Coronavirus hat in vielen Branchen für finanzielle Einbußen und Probleme gesorgt. Doch nicht nur Unternehmen sind betroffen, sondern auch Vereine. So hat das Bönener Musikkarussell sich nun mit einer Bitte an die Politik und die Gemeindeverwaltung gewandt, weil in diesem Jahr nach eigener Hochrechnung eine Mehrbelastung von 12 500 Euro auf den „Verein zur Förderung der musikalischen Ausbildung“ zukommt.

Die Summe setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Zum einen sind die Ausgaben gestiegen, weil Desinfektionsmittel und Spender angeschafft sowie Spuckwände beim Unterricht aufgestellt werden mussten. Außerdem sei eine zweite Reinigungskraft nötig geworden, erläutert Meike Presch, die Vereinsvorsitzende, und spricht von einem „erhöhten Aufwand“. Presch rechnet mit Mehrkosten von 3 600 Euro.

Untersagter Gruppenunterricht schlägt ins Kontor

Zum anderen darf das Musikkarussell auch nach den bislang vorgenommen Lockerungen nicht den gewohnten Unterrichtsumfang anbieten, den in Bönen mehr als 300 Schüler wahrnehmen. Zumindest vorerst sind Gruppen mit mehr als sechs Teilnehmern laut der bis zum 11. August gültigen Coronaschutzverordnung des Landes NRW untersagt. Außerdem ist „in atmungsaktiven Fächern“ wie Gesang und Blasinstrumente ein großer Abstand erforderlich sowie nur Einzelunterricht zulässig. Das Musikkarussell in Bönen muss derzeit auch auf die Angebote zur musikalischen Früherziehung und für Ballett verzichten. „Die Gruppen sollen sich schließlich nicht mischen“, erklärt Presch und kommt auf einen Einnahmeverlust von 8 900 Euro für die Zeit von März bis Dezember. „Der Gruppenunterricht macht große Teile aus“, sagt die Vorsitzende. Änderungen der Verordnung würden dabei die Summe selbstredend ebenfalls verändern. „Wir sind noch nicht sicher, ob es bei der Summe bleibt“, meint Presch.

Zuschuss der Gemeinde könnte erhöht werden

Auf etwaige gute Jahre kann das Musikkarussell zum Ausgleich nicht zurückgreifen. Denn: „Als Verein dürfen wir keine Rücklagen erwirtschaften“, sagt Presch. Die 12 500 Euro seien deshalb eine erhebliche Belastung. Die Parteien hben sich der Sache bereits angenommen. So bittet die SPD den Bürgermeister zu prüfen, ob das Musikkarussell als kulturelle Einrichtung in Bönen von einem Rettungsschirm für Kulturschaffende profitieren könne oder die Kosten aus dem kommunalen Haushalt übernommen werden könnten, heißt es in einem Schreiben.
Auch die Grünen sind bereits in der ersten Juliwoche aktiv geworden. "Ich habe darauf hingewiesen, dass die landesweiten Förderrichtlinien für Coronaunterstützung verändert und erweitert worden sind und es sinnvoll ist, auch als Musikschule zu überprüfen, ob hier aus dem Landesförderprogram Zuschüsse zu generieren sind", teilte Friedhelm Lange, Sprecher der Grünen, mit.

Die Gemeinde unterstützt den Verein übrigens derzeit bereits jährlich mit 60 000 Euro. „Zurzeit wird eine Erhöhung dieses Betrages besprochen“, berichtet Fachbereichsmitarbeiterin Nadine Wilmes.

Fachbereichsleiter hat einen guten Hinweis

Presch und ihre Kollegen waren zunächst davon ausgegangen, dass es für ihren Verein keine Zuschussangebote von Bund und Land gibt. Doch schon in dieser Hinsicht könnte sich das Schreiben an die Gemeinde gelohnt haben, denn Jörg-Andreas Otte, Leiter des Fachbereichs Familie, Sport, Kultur, Schule, gab prompt den Hinweis auf das Förderprogramm „Corona-Soforthilfe des Bundes“, wo auch Organisationen und Vereine, die dauerhaft wirtschaftlich am Markt tätig sind, antragsberechtigt sind.

Die Möglichkeit möchte das Musikkarussell gerne wahrnehmen und arbeitet seitdem an einem Antrag. „Das ist alles nicht so einfach und erfordert viel Recherche. Wir machen das alles ehrenamtlich“, gibt die Vorsitzende zu bedenken. Weiterhin hat Otte dem Verein nach der Urlaubszeit ein Gespräch angeboten, um die wirtschaftliche Situation zu erörtern und den finanziellen Bedarf festzustellen, wie Wilmes mitteilt. So soll eine Lösung gefunden werden. Das sei schon in der Vergangenheit geschehen, so Wilmes.

„Ich glaube, dass Vielen am Musikkarussell gelegen ist“, ist Presch trotz der schwierigen Lage optimistisch. Auch Spender und Sponsoren könnten helfen, die entstandene Mehrbelastung zu verringern: „Wir werden nicht zumachen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare