Ein Drittel lässt den Motor bei geschlossener Schranke laufen

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Die Schranke ist unten, das Auto steht, der Motor läuft: ein gewohntes Bild in Bönen.

Bönen – Wer als Autofahrer vor einer Schranke an einem Bahnübergang wartet, muss den Motor ausstellen. In der Bönener Mitte ist zwar täglich Warten angesagt, aber jeder Dritte hält sich nicht an die Regel.

In Paragraph 30 „Umweltschutz, Sonn- und Feiertagsverbot” der Straßenverkehrsordnung heißt es: „Bei der Benutzung von Fahrzeugen sind unnötiger Lärm und vermeidbare Abgasbelästigungen verboten. Es ist insbesondere verboten, Fahrzeugmotoren unnötig laufen zu lassen“. 

Die WA-Mitarbeiterinnen Pauline Sickmann und Henrike Bennemann haben sich an einem Vormittag zwischen 10.30 und 11.30 Uhr eine Stunde vor den Bahnübergang am Bahnhof gestellt und gezählt: Wie viele Bönener halten sich daran und schalten den Motor aus? Das Ergebnis ist nicht gut: Über ein Drittel der Fahrzeuge, die auf der Fußgängerzonenseite kontrolliert wurden, warten mit laufendem Motor. 

Warum ist das so? Die Antworten auf diese Frage fallen ganz unterschiedlich aus. Eine ältere Dame hat Angst, dass ihr bereits etwas klappriger Wagen dann nicht wieder anspringt. „Das ist mir schon einmal passiert, deshalb bin ich da jetzt nervös“, erklärt sie. 

Drei Männer, die zusammen in einem VW Sharan sitzen, sind von der Frage überrascht: Dass man den Motor ausstellen muss, wussten sie nicht. Sie bedanken sich für den Hinweis und drehen den Zündschlüssel tatsächlich um. 

„Bitte“ heißt es auf dem Schild vor der Schranke. Das unnötige Motorlaufenlassen ist aber verboten.

Nicht alle befragten Verkehrsteilnehmer zeigen sich so kooperativ: Ein Mann will auf die Fragen der beiden WA-Mitarbeiterinnen nicht antworten. Eine Frau in silbernem Sportwagen erklärt, dass sie den Motor vor Bahnübergängen immer laufen lässt. „Das dauert meistens ja nicht so lange, da lohnt sich das nicht“, findet sie. Fürs Tippen auf dem Handy ist die Zeit aber da. 

Ab 20 Sekunden Wartezeit lohnt sich das Abschalten

Mit dieser Einstellung riskiert sie allerdings ein Bußgeld. Für den unnötig laufenden Motor beträgt das laut ADAC 10 Euro. Nicht nur wegen des Bußgeldes lohnt sich das Laufenlassen nicht: Sobald die Leerlaufzeit voraussichtlich länger als 20 Sekunden dauert, lohne sich das Abschalten, heißt es beim Automobilclub. 

Die zusätzliche Belastung für Anlasser und Batterie sei gerade bei warmem Motor vernachlässigbar gering. Und das Warmlaufen des Motors im Stand sei nicht empfehlenswert. Denn dann steigen der Spritverbrauch, die Umweltbelastung und das Risiko eines Motorschadens erheblich, so der ADAC. 

Während die Autos gezählt werden, wird auch die Zeit, in der die Schranke unten ist, gestoppt. Die Schließzeiten der Schranke unterscheiden sich: So ist sie einmal gerade zwei Minuten unten, ein anderes Mal mehr als fünf. Insgesamt ist die Schranke während der einen Stunde 19 Minuten lang geschlossen. Nicht umsonst heißt sie auch „Glück-auf“-Schranke – wenn man sofort passieren kann, hat man Glück. 

Durchschnittlich 20 Minuten pro Stunde ist die Schranke unten

Wie oft die Schranke geschlossen ist, lässt sich nach Angaben der Deutschen Bahn nicht pauschal sagen. „Die Zugzahlen unterliegen Schwankungen“, erklärt eine Sprecherin auf Anfrage unserer Zeitung. Ihren Angaben zufolge passieren an Wochentagen ungefähr 30 Züge des Fernverkehrs, 70 Nahverkehrszüge und 70 Güterzüge Bönen. 

Die Schrankenschließzeit schwanke je nach Geschwindigkeit des Zuges und ob er im Bahnhof hält zwischen zwei bis vier Minuten. „Bei Überlagerung von Zügen kann sich die Schließzeit je Fall verlängern, die Häufigkeit von Schließvorgängen sinkt dann entsprechend.“

 Im Schnitt heißt das: Sieben Züge fahren stündlich durch Bönen. Das entspricht einer durchschnittlichen Schließzeit von 20 Minuten. Am besagten Vormittag haben wir fünf Nahverkehrszüge und zwei Güterzüge gezählt.

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