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Dramatische Corona-Lage in Indien: Bönener hält Kontakt zu Kinderdorf

Kinderdorf Ashagram Indien
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Dank einer Spende Bönener Messdiener wurde ein Smart-TV für das Kinderdorf Ashagram angeschafft. Er soll unter anderem für Unterrichtszwecke genutzt werden.

Jeden Tag werden in Indien neue Rekordwerte bei den Corona-Neuinfektionen aufgestellt. Auch in Bönen wird die Situation mit Sorge beobachtet. Martin Otto vom Verein „Hilfe für Chatterhat“ hält Kontakt zu den Verantwortlichen eines Kinderdorfes, das von dem Verein unterstützt wird.

Bönen – Knapp 18 Millionen Corona-Infizierte, mindestens 200 000 Tote, brennende Scheiterhaufen auf der einen Seite und gleichzeitig tausende, ohne Abstand und Maske das Kumbh-Mela-Fest feiernde Hindus auf der anderen – Bilder der zweiten Corona-Welle in Indien, die verstören. Auch den Bönener Martin Otto, der den Subkontinent aus eigener Anschauung kennt. Er ist ein Gesicht des Vereins „Hilfe für Chatterhat“, besuchte das unterstützte Kinderdorf Ashagram noch kurz vor dem Lockdown im Frühjahr 2020. „Die Gruppe nach uns hatte schon Schwierigkeiten zurückzukommen“, blickt er zurück.

„Erschreckend, diese Bilder zu sehen“, sagt er zur aktuellen Situation in Nordost-Indien. Am Donnerstag wurden 379 000 Neuinfektionen binnen eines Tages gemeldet – ein weltweiter Höchstwert. Es seien aber keineswegs nur die Hindus, die Corona-Schutzmaßnahmen missachteten. „Ich habe Bilder der Palmsonntagsprozession unserer Leute gesehen“, so Otto, „darauf sah es kaum anders aus“.

Kinderdorf ist abgeriegelt

Das Kinderdorf selbst sei momentan komplett abgeriegelt. „Im Lockdown im Frühjahr 2020 mussten auch die Kinder, wie alle anderen, auf Anordnung der Regierung in ihre Dörfer zurück“, weiß Otto. „Das war nicht gut.“ Schließlich hole man sie aus diesem ärmlichen Umfeld, damit sie die Schule besuchen, eine Chance bekommen. Deswegen entschied Father Felix, der Direktor des Projektbetreuers Caritas Indien, dass die Kinder vor Ort bleiben sollten. Der Geistliche stellte eigene Corona-Schutzregeln für das Kinderdorf auf, versprach zudem, Medikamente zu besorgen.

Man sei überrascht worden von den Auswirkungen der zweiten Welle, werde aber alles tun, um Betreuer und Kinder zu schützen, erfuhr Otto aus einer E-Mail von Father Felix. Das Tor zum Dorf sei 24 Stunden geschlossen. „Die Versorgung von außen, zum Beispiel mit Lebensmitteln, endet am Tor“, zitiert der Bönener.

Die Kinder können das Dorf derzeit nicht verlassen. Besucher dürfen nicht eintreten.

Mit Inhalator gegen das Virus

Die Situation ist dramatisch. Die zunächst weitergeführten Aktivitäten außerhalb der Einrichtung sind inzwischen komplett eingestellt. Einige Schutzmaßnahmen klingen vertraut. Das Büropersonal soll öffentliche Verkehrsmittel unbedingt meiden und, wenn möglich, im Homeoffice arbeiten. Die vorbeugenden Maßnahmen vor Ort beinhalten aber auch aus deutscher Sicht Merkwürdiges: So bekommt das Büropersonal einen Inhalator, weil heißer Dampf das Virus töten soll. Ferner setzt die Leitung des Kinderdorfes auf Vitamine zur Stärkung des Immunsystems. Und sie hofft, dass die Vorbeuge-Programme beachtet werden.

Father Felix setzt ansonsten auf Aufklärung und Eigenverantwortung, zudem auf den Austausch mit anderen Helfern von Kirchen- und Nichtregierungsorganisationen, um aufzuklären und die Situation in der Region im Auge zu behalten. „Wir stehen im E-Mail-Kontakt“, sagt Martin Otto, über 7000 Kilometer entfernt.

Messdiener sammelten für Smart-TV

Eine ganz spezielle Hilfe aus Europa hat Westbengalen inzwischen erreicht. „Unsere Messdiener haben gesammelt“, erklärt Otto. Es wurden zwei Smart-TV angeschafft, einer für das Haus Bönen in Ashagram, in dem die Schwestern Lern- und Therapieangebote leisten. Das andere Multimediagerät steht im Hostel in Mailanijoth, das auch Patenkinder des Vereins beherbergt. Normalerweise, denn das Hostel sei momentan geschlossen, weiß Otto. Die Fernseher dienen natürlich nicht nur dem Zeitvertreib, sondern vor allem dem Unterricht.

Mit Father Niraj, der vor zwei Jahren noch die Bönener Katholiken besuchte, steht Otto übrigens per Whatsapp in Verbindung. „Er ist jetzt an der Uni in Kalkutta und macht sich schon Sorgen“, erzählt der Bönener, „vor allem über das Verhalten seiner Kommilitonen, die sich nicht um Schutzmaßnahmen scheren und weiter rausgehen.“

Auf Gottes Hilfe setzt Father Felix selbstverständlich auch: Zweimal am Tag werde ein Priester um den Schutz des Hirten beten, insbesondere für das medizinische Personal im Kampf gegen die Pandemie. Und Martin Otto schließt mit einem Dank des Vereins an dessen Unterstützer. Sie hätten der Hilfe für Chatterhat auch in Corona-Zeiten die Treue gehalten.

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