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DLRG-Ortsgruppe Bönen benötigt Unterstützung für vielfältige Aufgaben

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Von: Carola Schiller

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Regelmäßig trainieren die Rettungsschwimmer der DLRG für die Rettung von Menschen in Not.
Marius Kortmann, Michaela Braun, Sandra Grotefendt und Kay Pieper (von links) von der DLRG Bönen hoffen, dass sich noch mehr Bönener für die DLRG begeistern lassen. © Schiller

Seit 83 Jahren gibt es die DLRG-Ortsgruppe Bönen. Ihre ausgebildeten Trainer und Rettungsschwimmer kümmern sich unter anderem um die Schwimmausbildung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. So umfassend wie möglich soll die Ausbildung sein, denn solide Schwimmkenntnisse retten Leben. Doch jetzt wird’s eng bei der DLRG, denn die qualifizierten Kräfte werden weniger.

Bönen - Guter Schwimmunterricht für die Kinder durch die DLRG ist auch für viele Bönener Familien selbstverständlich. Wenn es nach DLRG-Sprecherin Sandra Grotefendt ginge, sollten alle Kinder dranbleiben. Mindestens bis zum Bronze-Schwimmabzeichen. „Mit dem Seepferdchen sind die Kinder vielleicht eine Bahn geschwommen. Das reicht nicht“, warnt sie davor, die ersten Erfahrungen im Wasser zu überschätzen. Sie freut sich deshalb sehr über Eltern, die ihre Kinder gleich zum nächsten Kursus anmelden.

Bestenfalls haben die Kinder am Schwimmtraining und der Gemeinschaft so viel Spaß, dass sie dabeibleiben und das Team ab dem 16. Lebensjahr bei ihren Einsätzen unterstützen.

Doch auch schon jetzt werden neue angehende Rettungsschwimmer dringend gebraucht, denn die Corona-Krise hat die DLRG Mitglieder gekostet, darunter ausgebildete Rettungsschwimmer. „Ich kann verstehen, wenn es den ausgebildeten Schwimmern zu viel wird“, sagt Sandra Grotefendt. Der ehrenamtliche Einsatz bei der Ausbildung junger Schwimmer, die Unterstützung beim Katastrophenschutz und in der Urlaubszeit als dringend benötigte Helfer an den Urlaubsstränden, all das ist zeitintensiv.

Viele Aussteiger in der Corona-Pandemie

„Die Corona-Auszeit hat vielen Ehrenamtlern gezeigt, dass man die Freizeit auch anders verbringen kann als mit Hilfsdiensten“, stellt Grotefendt fest. „Man sieht es auf den Facebookseiten der DLRG-Gruppen“, ergänzt Michaela Braun, ebenfalls Rettungsschwimmerin bei der DLRG Bönen. Es fehlen überall Rettungsschwimmer, Bootsführer und Sanitäter. An den Küsten konnten die Lücken in der Urlaubssaison schon vorher nicht aus den eigenen Reihen gefüllt werden. Dazu braucht es ausgebildete Schwimmer aus den Binnenländern, wie NRW. Doch die Ehrenamtler werden immer weniger.

Inzwischen prüfen die Entscheidungsträger des Verbands, ob die Ausbildung zum Retter verkürzt werden kann, doch damit können sich die Bönener Rettungsschwimmer überhaupt nicht anfreunden. „Die Entscheidung ist auch noch nicht gefallen“, schildert Sandra Grotefendt.

Wer amtlich als Rettungsschwimmer eingesetzt werden kann, muss sich viele Fähigkeiten erarbeiten. Bei den Prüfungen müssen die Anwärter auch in voller Montur ins Wasser und einen Menschen in Not über 50 Meter abschleppen, selbst wenn der sich dagegen wehrt, weil er in Panik geraten ist. „Wir haben spezielle Kleidung aus Leinen für solche Übungen, die saugt sich besonders voll“, macht Michaela Braun deutlich, dass das Training viel Kraft erfordert. In einem solchen Fall gilt es, möglichst schnell die Person in Not zu erreichen, die sich dann unweigerlich an den Helfer klammert.

Mit einem Befreiungsgriff dreht der Rettungsschwimmer die Person um, fasst sie mit sicherem Griff und zieht sie ans Ufer. Das erfordert gute Nerven, Kraft, Koordination und routinierte Bewegungsabläufe.

183 Mitglieder zählt die DLRG Bönen zurzeit. 71 sind über 18 Jahre alt. Viele von ihnen sorgen mit ihrem freiwilligen Engagement dafür, dass der Verein seine Leistungen überhaupt erbringen kann. Leistungen, die Leben retten können. Willkommen sind beim DLRG alle Altersklassen. Eine Mitgliedschaft ist erst ab dem Seepferdchen erforderlich.

Mit dem Seepferdchen fängt es an

Kinder absolvieren im Anschluss die drei Schwimmabzeichen in Bronze, Silber und Gold. Nach dem dritten und frühestens mit zehn Jahren geht es weiter mit dem Junior-Retter. Die jungen Schwimmer lernen, woran sie Notsituationen erkennen und was dann zu tun ist. Dazu gehören neben den Befreiungsgriffen zum Eigenschutz auch Transportgriffe in Theorie und Praxis.

In der späteren Rettungsschwimmer-Ausbildung folgen dann die aufbauenden Abzeichen. Deren Niveau bleibt lebenslang gleich. „Die altersangepasste Abstufung wie beim Sportabzeichen gibt es hier nicht“, warnt Sandra Grotefeldt, die den Umstand aber auch erklären kann. „Wenn jemand 50 Meter an Land geschleppt werden muss, ist das anstrengend.“ Damit sind die Abzeichen auch ein Leistungsnachweis, der den Schwimmern deutlich macht, ob sie den Anforderungen gewachsen sind.

Beim regelmäßigen Schwimmtraining wird an der Technik und der Kondition gefeilt. „Deshalb haben wir auch Triathleten, die bei uns mitschwimmen“, so Grotefendt über die Mitglieder. Die Ausbildung bei der DLRG bringt auch Vorteile. Dazu gehört eine Vielzahl von Zusatzqualifikationen, die im Beruf oder in der Freizeit helfen. Ganz besonders für Sanitäter, Menschen in sozialen Berufen und Polizisten.

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