Tablets, PCs und Co fehlen

Nicht alle Bönener Schüler können am digitalen Unterricht teilnehmen

Der Zwölfjährige Gymnasiast Julius löst am Computer in seinem Zuhause seine Schulaufgaben, die ihm seine Lehrer für jeden Tag über den Schulserver geschickt haben.
+
Längst nicht alle Bönener Schüler sind so digital so gut ausgestattet. Sie warten nun auf die vom Land geförderten mobilen Endgeräte.

Bönen – Das Lernen auf Distanz stellt Schüler, Lehrer und Eltern gleichermaßen vor Herausforderungen. Doch während sich die einen über überlastete Server oder instabile Internetverbindungen beim digitalen Unterricht beschweren, haben viele Schüler der Pestalozzi-Hauptschule ganz andere Probleme: Sie können gar nicht daran teilnehmen, weil sie weder einen PC noch einen Laptop oder ein Tablet haben. Ihre Möglichkeit, digital mit ihren Lehrern oder Mitschülern in Kontakt zu treten, beschränkt sich bestenfalls auf das Smartphone. Und selbst darauf haben nicht alle Mädchen und Jungen Zugriff.

Etwa 20 bis 25 Prozent der circa 250 Bönener Hauptschüler haben keine Endgeräte – weder mobil noch statisch auf dem Schreibtisch. Und viele haben zudem keine dauerhafte Internetverbindung. Davon geht Johannes Kämmerling momentan aus. Der Lehrer ist an der Pestalozzischule zuständig für die EDV-Ausstattung und kennt daher die Situation vieler seiner Schützlinge. „Wir versuchen, uns zu behelfen, damit sie nicht noch weiter abgehängt werden“, sagt er. „Aber es ist schwierig.“

Kämmerling selbst hat es in dieser Woche tatsächlich geschafft, die zehnte Klasse, die er als Klassenlehrer betreut, fast komplett in eine Videokonferenz zu bekommen. Das ist aber eher die Ausnahme. Von regelmäßigen virtuellen Treffen, von Präsentationen via Internet, Tutorials auf Youtube, elektronischen Tafeln oder anderen, kreativen digitalen Unterrichtsideen können er und seine Kollegen nur träumen. „Wir machen das Beste aus der Situation“, verspricht Kämmerling jedoch.

Die Pädagogen an der Hauptschule seien alle sehr engagiert, setzen sich für das Lernen in der Krise ganz besonders ein. Gemeinsam haben sie sich Konzepte überlegt, um die Schüler nun so gut es geht durch den erneuten Lockdown mit den Schulschließungen zu bringen. „Wir sind auf jeden Fall besser aufgestellt als noch beim ersten Lockdown im Frühling“, stellt Johannes Kämmerling fest.

Unterrichtsmaterial gibt es an der Eingangstür

Der Unterrichtsstoff wird dabei hauptsächlich in Papierform vermittelt. „Ein Mal pro Woche kommen die Schüler einzeln zur Schule und holen sich das ausgedruckte Unterrichtsmaterial für die einzelnen Fächer ab. Eine Woche später müssen sie es dann bearbeitet zurückgeben“, erklärt der Hauptschullehrer. Die Termine für die Übergabe werden vorher bekannt gegeben, die einzelnen Klassen müssen zu verschiedenen Zeiten zu unterschiedlichen Eingängen am Gebäude kommen. So soll es zu möglichst wenigen Begegnungen kommen. Kontakt mit den Jugendlichen halten Kämmerling und seine Kollegen so gut es geht per Telefon.

Der Pädagoge hofft, dass sich die Situation bald entspannt. Eine große Hilfe wären dabei die bestellten mobilen Endgeräte für die Lehrer und Schüler, auf die die Gemeinde als Schulträger sowie die fünf Bönener Schulen dringend warten. Bei der Bedarfsermittlung für das Sofortausstattungsprogramm des Landes hatte Kämmerling im Sommer rund 100 Notebooks und Tablets für seine Schüler „bestellt“. „Ich weiß aber natürlich, dass die anderen Schulen ebenfalls Bedarf haben und der Gemeinde nur ein bestimmtes Budget zur Verfügung steht“, sagt er. Er hofft, zumindest die größte Not an seiner Schule lindern zu können.

Gemeinde hat rund 300 Geräte für die fünf Bönener Schulen bestellt

Tatsächlich rechnet die Gemeindeverwaltung mit knapp 300 Tablets und Co für die fünf Schulen in der Gemeinde. Dort werden zurzeit insgesamt 1878 Schüler unterrichtet. Wer ein Leihgerät bekommt, hängt von der jeweiligen Situation und dem Bedarf der Schüler ab und soll sich nicht ausschließlich nach dem Einkommen der Familien richten. Die Entscheidung liegt bei den Schulleitungen und Lehrern, die die Familien und Hintergründe kennen. Zudem sollen sich die Schulen untereinander aushelfen.

Bestellt wurden die Geräte laut Fachbereichsleiter Jörg-Andreas Otte von der Gemeindeverwaltung bereits im Oktober über einen, von der Gemeinde beauftragten Dienstleister. Wann sie in Bönen eintreffen, ist aber noch offen. „Wir haben bisher keinen Termin“, gibt Otte an. Derzeit sei die Nachfrage nach den Endgeräten enorm: Alle Schulträger im Land haben geordert. Zudem statten sich im Augenblick viele Menschen mit neuem Equipment aus, um von zu Hause aus arbeiten zu können.

Johannes Kämmerling von der Pestalozzischule hofft jedenfalls, dass die Lieferung zügig eintrifft. Seinen Schülern würde das den Alltag in der Krise erheblich erleichtern.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare