Digitalisierung der Schulen

Für Ausstattung und Netzanbindung gibt es eine glatte Sechs

Tablets auf einem Tisch
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Passende Endgeräte fehlen an den meisten Bönener Schulen. Doch noch schwerwiegender ist das mangelhafte WLAN.

Bönen – Die Lage ist mehr als schlecht an den Bönener Schulen: völlig veraltete oder so gut wie keine Endgeräte und ein nicht vorhandenes Netz, dazu WLAN, das ständig zusammenbricht. Das ist die Situation, mit der die Lehrer klarkommen müssen.

Die Schulleiter berichteten im Schulausschuss am Donnerstagabend über die drängenden Probleme, die seit Einführung des Distanzunterrichts in der Coronapandemie existenziell geworden sind. Abhilfe ist vorerst nicht in Sicht, denn Geräte sind teilweise nicht lieferbar – und wenn, dann reicht das Netz nicht aus. Digitalisierung der Schulen, das war das Thema dieser vorgezogenen Schulausschusssitzung, die aufgrund der angespannten Situation anberaumt worden war.

Weiterführende Schulen

Was die Ausschussmitglieder zu hören bekamen, war alles andere als rosig. Der Mangel an Endgeräten und das Fehlen eines verlässlichen Netzes – das wurde schnell klar – betrifft alle Schulen gleichermaßen. Bianca Giese, kommissarische Leiterin des Marie-Curie-Gymnasiums, berichtete: „Wir nutzen ein zehn Jahre altes WLAN, damals gesponsert durch die Bönener Wirtschaft. Das ist nicht überall im Gebäude stabil.“ Zudem stünden einige PCs und Laptops älteren Datums zur Verfügung. „Lehrer nutzen wenn möglich eigene Geräte, Schüler teilweise auch. Wir warten seit einiger Zeit auf Tablets, damit wir von den Behelfslösungen wegkommen.“

Auch an der benachbarten Humboldt-Realschule ist die Lage nicht besser, im Gegenteil: Rektorin Petra Coerdt bemängelte, die Voraussetzung für digitales Arbeiten fehle, da die gesamte Gebäudeverkabelung nicht auf aktuellem Stand sei. „Wir haben keine gigabitfähige Netzwerkinfrastruktur, die Internetverbindung ist sehr langsam und nicht stabil. Zudem haben wir keine flächendeckende WLAN-Struktur im Gebäude.“

Die Konsequenzen: Die Lehrer müssen von zu Hause aus mit eigenen Geräten arbeiten. Jetzt bei Mischung aus Präsenz- und Distanzunterricht müssten die Lehrer in den Freistunden die Schüler im Distanzunterricht betreuen, das sei aber so gar nicht möglich. „Viele Schüler verfügen zu Hause nur über ein Handy, das schränkt die Arbeit stark ein. Videokonferenzen sind nur eingeschränkt möglich.“

Im kommenden Schuljahr müsse in den Jahrgängen fünf und sechs Informatik unterrichtet werden, ab Klasse sieben gibt es das Wahlfach Informatik als Hauptfach. „Wir brauchen funktionsfähige Geräte. Das geht nicht mit Windows 7. Es brennt wirklich“, so Coerdt.

Konrektor Ralf Würzhofer listete den Gerätebestand der Pestalozzihauptschule mit 20 Ipads auf, die aus einer Spende von Becker Stahl angeschafft wurden, und einem Computerraum mit zwölf Rechnern, die noch mit dem veralteten Betriebsprogramm Windows 7 laufen. „Wir haben kein WLAN, keine Beamer, keine Endgeräte für Lehrer und Schüler. Als Konsequenz verteilen wir Unterrichtsmaterial an die Schüler.“

Grundschulen

Annegret Berg, Leiterin der Goetheschule: „Wir arbeiten mit der Schulplattform IServ und haben ein Admin-Team gebildet, um alle einbinden zu können. Jeder Schüler hat ein Passwort, insgesamt kommen wir auf 383 Benutzer – davon sind 365 aktiv, 18 nicht. Wir erreichen also fast alle Kinder.“ Videokonferenzen seien für die Grundschüler sehr wichtig. Unterricht aus den Klassenräumen per Video sei aber nicht möglich, weil die Schule keine stabile und flächendeckende Netzwerkverbindung hat.“

Antje Anbring-Keiter, Leiterin der Hellwegschule, betonte, dass sie immerhin froh sei, dass sie IServ einrichten konnte. Alles, was daran hängt, um mit dem Tool zu arbeiten, fehle aber. „Die technische Ausstattung ist ein riesen Problem. Es gibt keine Geräte, mit denen wir Videokonferenzen machen könnten. Unser „Telekom-@-School“-Anschluss ist extrem langsam, wie haben gar kein WLAN. 50 Prozent der Kinder müssen ein Endgerät zu Hause mit mehreren Personen teilen.“

IT-Dienstleister

Anschließend stellte Marcus Dunker von Südwestfalen IT (SIT), die als kommunaler IT-Dienstleister seit 2009 die Gemeinde Bönen im Bereich Schulen berät, die Erarbeitung des Medienentwicklungsplans vor. Nach Abstimmung mit Schulen und Trägern leistet SIT Planung, Beschaffung, Geräteaufstellung, Wartung und regelmäßige Anpassung. „Das große Problem sind hier die fehlenden Netze“, bestätigte Dunker.

Ursprünglich hatte die SPD-Fraktion einen Antrag vorgelegt, um den Schulen eine Soforthilfe zu ermöglichen, in dem die mit dem veralteten Betriebssystem Windows 7 ausgestatteten Schul-PCs auf Windows 10 umgestellt werden. Davon riet Marcus Dunker jedoch ab. Die Festplatten seien dafür nicht ausgerichtet. Es müssten neue Endgeräte her. Die Ausschussvorsitzende Silvia Gosewinkel verwies den Antrag, weil noch Beratungsbedarf bestand, in den Haupt- und Finanzausschuss.

Ausschussmitglied Sebastian Boehnke (CDU) fasste zusammen: „Dass die Situation so krass ist, war mir nicht bekannt.“ Er fragte nach einem objektiven Sachstandsbericht über den konkreten Netzausbau und die WLAN-Abdeckung an den Schulen.

Verwaltung

Fachbereichsleiter Jörg-Andreas Otte räumte ein, dass an einigen Stellen nachgearbeitet werden müsse. „Die Erkenntnisse sind aber auch nicht neu, das zeigt auch der Medienentwicklungsplan. Wir sind dabei, die Netzwerkstruktur der Gebäude und was wir an Bandbreiten zur Verfügung stellen können, zu prüfen.“

Bereits 2019 habe eine Bestandsaufnahme an den Schulen stattgefunden, 2020 eine Bedarfsanalyse und Kostenermittlung, aber bis heute sei keine Umsetzung erfolgt, kritisierte Ralf Würzhofer. „Wie lange befinden wir uns hier noch im Mittelalter?“

Er habe gerade erst die dritte Version des Medienentwicklungsplans erhalten, so Otte. Den werde er in der kommenden Woche den Schulen bereitstellen. Ende April will er im nächsten Schulausschuss darlegen, wie es weitergeht.

Wann kommen endlich die bestellten Endgeräte? Das ist die Frage, die allen Schulen auf den Nägeln brennt. Viele Endgeräte seien zurzeit einfach nicht lieferbar, erläuterte Dunker. 13 000 Endgeräte seien über zentrale Beschaffung bestellt, 7000 bisher erst ausgeliefert. „Es ist eine desolate Situation.“ Selbst wenn die Geräte irgendwann geliefert werden, bleibt die Frage, die Antje Anbring-Keiter stellte: „Wie sollen wir die Ipads benutzen ohne WLAN?“

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