Digitales Lernen: Gemeinde prüft Bedarf an Tablets und Co.

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Jeder Schüler soll in Zukunft ein digitales Endgerät besitzen, um im Notfall auch von zu Hause aus dem Unterricht folgen zu können. Finanziell schwächer aufgestellte Familien sollen unterstützt werden. Die Gemeinde sitzt gerade an der Umsetzung der Förderrichtlinie des Landes.

Bönen – Der Lockdown zwang Lehrer und Schulen zum Lernen auf Distanz. Viele Schulen waren darauf nicht vorbereitet. Da die Corona-Pandemie noch nicht vorbei ist, muss angesichts der derzeitigen Ansteckungszahlen jederzeit wieder mit Quarantäne für einzelne Klassen oder ganze Schulen wie andernorts bereits geschehen, gerechnet werden. Deshalb soll nun jeder ein mobiles Endgerät erhalten. Die Gemeinde ermittelt derzeit den Bedarf.

Das NRW-Bildungsministerium hat deshalb in den vergangenen Wochen eine digitale Ausstattungsoffensive auf den Weg gebracht. Jedem Kind ein Tablet sozusagen. Jetzt liegt der Ball bei den Städten und Gemeinden. Die Umsetzung allerdings wird in Bönen wie auch anderswo aus organisatorischen Gründen noch etwas auf sich warten lassen.

178 Millionen Euro haben Bund, Land und zu einem kleinen Teil (zehn Prozent) auch die Kommunen als Schulträger zusammengelegt, um für die Ausstattung der Schüler und Schulen mit mobilen Endgeräten und professionellen Online-Lehrangeboten zu sorgen. Etwa 610 000 Euro kommen davon beim Kreis Unna an. Für die rund 200 000 Lehrkräfte in NRW stehen landesweit weitere 103 Millionen zur Verfügung.

Land legt Richtlinie mitten in den Ferien vor

Die Verwaltung hat mit der Umsetzung begonnen. „Wir haben die ersten Schritte gemacht, als die Schulen wieder besetzt waren“, sagt Jörg-Andreas Otte, Fachbereichsleiter für Familie, Sport, Schule, Kultur. Das sei in der letzten Ferienwoche der Fall gewesen. „Je früher, je besser“, weiß auch Otte, dass eine Ausstattung zum Schulstart wünschenswert gewesen wäre. Doch ohne offizielle Regelung vom Land habe die Verwaltung nicht tätig werden können. Die Förderrichtlinie des Landes kam Ende Juli, mitten in den Ferien.

Die Schulen sollen zeitnah abklären – eine genaue Frist soll noch abgesprochen werden –, welche Kinder und Jugendlichen einen Bedarf haben. Wobei hier erste Schwierigkeiten auftauchen. „Schülerinnen und Schüler haben Bedarf, wenn sie in ihrer häuslichen Situation nicht auf bestehende technische Geräte zurückgreifen können“, heißt es in der Förderrichtlinie vom 21. Juli. Wo zuvor in der Ankündigung aus dem Ministerium noch von „wirtschaftlichen und/oder sozialen Gründen“ die Rede war, fehlt nun eine Einordnung.

500 Euro pro Leihgerät

Unklar sei laut Otte auch, was passiert, wenn der gemeldete Bedarf an Endgeräten höher ist als die bereitgestellte Fördersumme. Schließlich muss die notwendige Software, um ein effektives digitales Lernen zu ermöglichen, auch aus den Fördermitteln angeschafft werden. Die Verfügbarkeit eines Tablets allein macht schließlich noch kein gutes Homeschooling.

Pro Endgerät sind einschließlich der Inbetriebnahme sowie des erforderlichen Zubehörs 500 Euro vorgesehen. Die Laptops und Tablets verbleiben im Besitz der Schulträger und werden den in Frage kommenden Schülern leihweise zur Verfügung gestellt. So soll auch im Falle einer Schul- oder Klassenschließung Unterricht ermöglicht werden. Dazu gehört auch, dass alle Lehrkräfte mobile Endgeräte für die Dauer ihres Dienstes erhalten. Beide Förderrichtlinien sind auf den 16. März, dem Tag des Lockdowns, zurückdatiert worden, so dass auch Anschaffungen, die von den Schulträgern bereits getätigt wurden, verrechnet werden können.

Schulstart hatte Priorität

„Möglichst bald“ soll die benötigte Ausstattung beschafft werden, heißt es vonseiten der Verwaltung. Von einem guten Austausch mit der Gemeinde sprachen immerhin schon die Schulleiterinnen der beiden Bönener Grundschulen, Annegret Berg und Antje Anbring-Keiter, kurz vor dem Ferienende. So wird beispielsweise nun auch dort wie an den weiterführenden Schulen die Kommunikationsplattform „iserv“ eingesetzt.

 „Wichtig war es erstmal, das Schuljahr ans Laufen zu bekommen“, erklärt Otte. Die Kollegien hätten schließlich mit den Umsetzungen für den angepassten Regelbetrieb in Coronazeiten einiges zu bewältigen gehabt.

Wer die Folgekosten zahlt ist noch unklar 

Der Fachbereichsleiter sieht auch noch einige unklare Dinge in der Förderrichtlinie. Letztlich ist es ja mit der einmaligen Anschaffung nicht getan. Was aber ist mit Wartung und einem Support sowie Ersatzgeräten? „Das können die Schulen nicht leisten“, sagt Otte mit Blick auf die Folgekosten, die geklärt werden.

Wann die Laptops oder Tablets letztlich in Schülerhänden landen, ist deshalb noch unklar. Zumal Otte auch noch zu Bedenken gibt, dass durch die NRW-Ausstattungsoffensive und anderer Bundesländer eine enorm hohe Nachfrage geschaffen wird, für die zeitnah ein Angebot bereitstehen muss.

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