Übergangslösung soll die Not lindern

Digitalisierung an Bönener Schulen kommt nur langsam voran

W-Lan-Party in der Humboldt-Realschule
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Die Technik in den Computerräumen der Humboldt-Realschule ist in die Jahre gekommen. Sie muss dringend erneuert werden, damit die Schule ihrem Lehrauftrag im Fach Informatik nachkommen kann.

Bönen – Mit der „Brückentechnologie“ aus dem VDSL- oder Kabelnetz sollen die fünf Bönener Schulen zu einem halbwegs zeitgemäßen Internetanschluss kommen, bis das Glasfaserprojekt über den gemeinsamen Breitbandbetrieb (BBB) mit Kamen und Bergkamen dort voraussichtlich im Jahr 2024 die erhofften Früchte trägt.

Weil die Bundesförderung für die Versorgung der „weiße Flecken“ genannten Bereiche mit geringer Leistung im World-Wide-Web eine günstige und gute Lösung verhieß, hat Bönen auf dieses Pferd gesetzt. Als später die schnellere Gigabit-Offensive an den Start – und mancherorts durchs Ziel – ging, konnte die Gemeinde den Zossen nicht mehr wechseln. Bönen hat also einen langen Ritt vor sich. Demnächst wird zunächst die Feinnetzplanung beauftragt, bis die Bagger kommen, vergeht so viel Zeit, dass es CDU-Fraktionschef Detlef Pilz „Schüttelfrost bereitet“, wie er kürzlich im Rat zu Protokoll gab.

Zuvor hatte Fachbereichsleiter Jörg-Andreas Otte etwas Linderung in Aussicht gestellt: Die Verwaltung prüfe den übergangsweisen Abschluss von Verträgen mit Anbietern der flotteren TV-Kabel-Technik und quasi getunten Telefondrahtanschlüssen (VDSL) bis zum Glasfaseranschluss.

Schulleiter zeichnen desolates Bild

Den Ansatz hatte Otte nach eigenen Worten schon auf dem Tisch und verkündet, als im Schulausschuss Ende Februar die Schulleiter ein desolates Bild von der rückständigen Infrastruktur in ihren Häusern zeichneten. Von der SPD ging im Nachgang der Antrag ein, sich um diese Alternativen zur Glasfaser zu kümmern. Nach dem Beitrag im Rat Ende März erreichte er nun auch die Redaktion.

Die Genossen hatten zudem beantragt, das auslaufende Betriebssystem Windows 7 flugs gegen die Zehnerversion an Schulrechnern auszutauschen, ehe der Support wegbricht. Der für die Gemeinde tätige IT-Fachmann riet davon ab, weil die alten Speicherkapazitäten dafür nicht reichten. Zudem wollen die beiden Grundschulen und die Realschule auf Apple-Technik umschwenken, nur das MCG und die Pestalozzi-Schule wollen bei Windows bleiben.

Im Zuge dieser Erörterung hat die Gemeinde die Schulen an einem Runden Tisch versammelt, wie Otte berichtet. Nur das Gespräch mit der Hauptschule stehe noch aus. Es zeichne sich aber ab, dass sich die Schulen untereinander einig seien, wer nach Bedürftigkeit in welcher Reihenfolge mit neuen Computern ausgestattet werden soll.

Realschule muss Lehrauftrag nachkommen

„Wir hatten ursprünglich das Marie-Curie-Gymnasium favorisiert. Von dort heißt es aber, man käme dank einer Unternehmensspende auf dem Linux-System zurecht“, berichtete Otte. Als dringend stelle sich der Bedarf an der Humboldt-Realschule heraus. Dort sollen die beiden Computerräume zuerst aufgerüstet werden. Anders kann die HRS ihrem Lehrauftrag, nach den Sommerferien ab Klasse fünf, in der Sechsten und ab Klasse sieben als Wahlfach Informatik anzubieten, gar nicht nachkommen. Auch an der Hauptschule zeichnete sich dringender Modernisierungsbedarf ab.

Zu Papier und zur Entscheidung bringen will die Verwaltung all dies im Medienentwicklungsplan, der gerade in der Entwurfsfassung an die Fraktionen ging und am 29. April im Schulausschuss verabschiedet werden soll. Durch den Rat und gültig wäre das Grundlagenpapier für die Digitalisierung über mehrere Jahre dann am 1. Juli und faktisch nach den Sommerferien wirksam.

Unterm Strich geht es um beträchtliche Summen. Erste Maßnahmen waren zuletzt mit 114 000 Euro beziffert. Die Perspektivplanung für die Investitionen der nächsten Jahre bedeutet ein Vielfaches davon. Es ist die Rede davon, die nötigsten Anschaffungen im Vorgriff auf den Beschluss im Juli auf den Weg zu bringen, damit es zügiger voran geht.

Nach den Osterferien tut sich schon etwas: Die 412 über das NRW-Programm „Digitale Sofortausstattung“ beschafften iPads und Notebooks für 172 000 Euro sollen den Schülern und Lehrern übergeben werden. Das soll in Pandemiezeiten den Distanzunterricht erleichtern und setzt bei Einsatz in der Schule voraus, dass der Netzzugang ausgebaut wird. Teils gibt es nicht mal Wlan.

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