Nach knapp 22 Jahren

Dieter Albert (FDP) verlässt im Juli den Rat der Gemeinde Bönen

Dieter Albert
+
Dieter Albert hat sich viele Jahre politisch engagiert – in Bönen und im Kreis Unna.

Er hätte gerne noch ein bisschen weitergemacht. Das ist Dieter Albert anzumerken, wenn er über seine ehrenamtliche, politische Arbeit spricht. Doch mit 84 Jahren und Hinblick auf die Gesundheit beendet er jetzt die Mitarbeit im Bönener Gemeinderat und legt sein Mandat in junge Hände.

Bönen – Eike Hüning heißt sein Nachfolger, der mit 23 Jahren jüngstes Mitglied im Kommunalparlament wird. Dieter Albert war hingegen zum Schluss „Alterspräsident“ und nahm in dieser Position auch im November Stephan Rotering den Amtseid für die zweite Legislaturperiode ab. Dass dieser die Gemeinde seit 2015 als parteiloser Bürgermeister führt, ist für Albert eine der positiven Entwicklungen, die er im Laufe seiner politischen Laufbahn begleitet und mit auf den Weg gebracht hat. „Wir haben damals über 30 Bewerbungen bekommen“, schildert er die Reaktion auf die Ausschreibung des Bündnisses aus CDU, Grünen, BgB und FDP, die gemeinsam einen Kandidaten gegen den SPD-Bewerber Robert Eisler aufstellten.

Er selbst sei sofort von Rotering überzeugt gewesen. „Ich habe vom ersten Tag an gesagt: ‘Den müssen wir nehmen’.“ Und Rotering sei seiner Einschätzung gerecht geworden. „Er macht einen guten Job“, lobt Albert und hebt dabei unter anderem die Fortschritte im Projekt „Bahnunterführung“, die Entschuldung der Gemeinde und den relativ glimpflichen Ausgang im Streit um den Dexia-Kredit hervor.

Knapp 22 Jahre vertrat der Bäckermeister selbst nach eigener Auffassung die Interessen der Wähler im Gemeinderat und Kreistag, erst für die Bürgergemeinschaft (BG) Bönen beziehungsweise für die Freien Wähler, ab 2017 dann für die Freie Demokratische Partei. „Ich war schon immer FDP-Anhänger“, sagt der gebürtige Sauerländer. Er stammt aus Warstein. Sein Schwiegervater war dort Mitglied des Stadtrates für die Liberalen. „Er hat mir angeraten, ebenfalls in den Rat zu gehen“, erzählt Albert. Doch zunächst stand für den gelernten Bäcker und Konditor der Beruf im Vordergrund. Er legte seine Meisterprüfung ab, ging anschließend nach Minden und Erwitte. Nach diesen „Wanderjahren“ ließ er sich schließlich 1970 mit seiner Familie in Bönen nieder.

1993 das erste Mitglied der BgB

Nach und nach baute Albert sein Geschäft auf und aus und fühlte sich schnell daheim in Bönen. Gerne wollte er sich auch politisch für seine neue Heimat engagieren. Doch die Partei seiner Wahl, die FDP, gab es zu diesem Zeitpunkt eigentlich nur noch auf dem Papier in Bönen, wie Albert sagt. Die Gemeinde war über Jahrzehnte stark sozialdemokratisch geprägt. Er aber teilte nun mal nicht alle Ideen der SPD vor Ort. „Ich habe es anfangs ganz schön schwer gehabt, weil ich nicht in der SPD war“, erzählt Albert. Unter anderem habe ihm ein Genosse erzählt, ihm sei nahe gelegt worden, seine Brötchen nicht bei ihm, sondern bei einem SPD-treuen Mitbewerber zu kaufen.

Immer wieder kam Albert ins Gespräch mit Gleichgesinnten, die sich ebenfalls mehr Opposition vor Ort wünschten. „Und daraus resultierte, dass wir die Bürgergemeinschaft Bönen gegründet haben.“ Albert war 1993 offiziell das erste Mitglied des politisch aktiven Vereins und wurde schließlich Fraktionsvorsitzender. 1999 kam er in den Gemeinderat. Sein Engagement weitete der Wahl-Bönener 2004 über die Gemeindegrenzen hinaus aus und wurde Mitglied des Kreistages. Bis heute ist er als Sachkundiger Bürger in verschiedenen Fachausschüssen des Kreises vertreten.

Querelen innerhalb der BgB führen zum Bruch

Im November 2015 verließ der Bönener allerdings die Fraktion der Freien Wähler im Kreistag. Es hatte Querelen mit einem anderen Mitglied gegeben, Albert warf das Handtuch. Im Rat der Gemeinde blieb er aber zunächst Fraktionsvorsitzender der BgB. Anfang 2017 vollzog er dann aber doch den Wechsel, trat aus der Bürgergemeinschaft aus und der FDP bei. „Die Ideen ähneln sich, und ich habe ja immer schon mit der FDP sympathisiert.“ Albert ist sogar Mitglied der Bundespartei. „Und ich werde dem Verein weiter treu bleiben“, verspricht er für die Zeit nach dem aktiven politischen Leben.

Bei den Sitzungen im Bönener Rathaus trifft er natürlich weiterhin auf seine ehemaligen Weggefährten von der Bürgergemeinschaft. „Wir sind in Kontakt geblieben, die Wogen haben sich geglättet“, so Albert. In der politischen Arbeit sei das ohnehin das Wichtigste: „Man muss untereinander kommunizieren und auf einen Nenner kommen.“

Sein Engagement hat er nie bereut. „Es macht bis jetzt Spaß “, gibt der 84-Jährige an. Dabei hat ihm das Ehrenamt Einiges abverlangt. Als selbstständiger Bäckermeister hatte er schließlich lange und anstrengende Arbeitszeiten. Aber selbst wenn er vor dem Morgengrauen aufstehen musste, ließ er am Abend keine Sitzung aus. „Ich habe das immer gerne gemacht, stellt Albert fest. Lange hat er sich fast jeden Montagabend mit seiner Fraktion getroffen und selbstverständlich vor jeder Ausschuss- und Ratssitzung. Dazu kamen Kreistermine und innerparteiliche Treffen.

Entwicklung des Industriegebietes gehört zu den Höhepunkten

Der Bönener fühlt sich für diesen Einsatz belohnt. „Einer der Höhpunkte während meiner Ratstätigkeit war für mich die Entwicklung des Industriegebietes“, sagt er. Zwar hätte er sich dort mehr produzierendes Gewerbe gewünscht, insbesondere auch Betriebe, die an die Gemeinde Steuern zahlen. Immerhin würde aber eine Menge Menschen dort arbeiten. Als Tiefpunkt während seiner Ratszeit sieht der 84-Jährige indes den finanziellen Absturz Bönens. Ab 2006 wuchs der Schuldenberg der bis dahin gut situierten Kommune. Erst durch die freiwillige Teilnahme am Stärkungspakt Stadtfinanzen ab 2012 mit den damit verbundenen Sparmaßnahmen und Zuwendungen verbesserte sich die Situation. Nun hofft der langjährige Ratsherr, dass die Corona-Pandemie und ihre Folgen das Errichtete nicht wieder zerstört. „Ganz absehen lässt sich das jetzt noch nicht.“

Richtig geärgert hat er sich darüber hinaus, als der Wochenmarkt vom Altenbögger Marktplatz in die Fußgängerzone verlegt wurde. „Da war ich richtig in Rage“, räumt der Handwerksmeister ein. Er ist heute noch davon überzeugt: „Das hat dem Ortsteil sehr großen Schaden zugefügt.“ In den vergangenen Jahren hätten dort etliche Geschäfte aufgegeben, inzwischen gebe es an der westlichen Bahnhofstraße kaum Angebote. Dagegen etwas zu unternehmen, sei auch die Aufgabe des Rates.

Als Zuschauer oder Sachkundiger Bürger zurückkehren

Dem will Albert übrigens nicht komplett den Rücken kehren, nachdem er am 1. Juli in der letzten Ratssitzung vor der Sommerpause offiziell verabschiedet wird. „Ich werde sicher die eine oder andere Sitzung als Zuschauer besuchen und gehe auch gerne als Sachkundiger Bürger in einen Ausschuss, wenn die Fraktion das will.“ Im Kreis bleibt er vorerst in dieser Position in sechs Fachausschüssen vertreten.

„Es war klar, dass wir die Kommunalwahl im vergangenen Jahr noch einmal zusammen bestreiten. Aber ich habe gesagt, dass danach ein Jüngerer in den Startlöchern stehen muss“, erklärt Albert, warum er nur rund ein halbes Jahr nach seiner erneuten Vereidigung im Rat seinen Abschied nimmt. Mit dem 23-jährigen Eike Hüning sei ein passender Nachfolger gefunden worden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare