Die WFG in der Corona-Krise

Finanzielle Hilfen und Krisenhotline: Unternehmen trifft Corona-Pandemie schon vor dem Lockdown hart

Betreiber von Fitnessstudios gehören klar zu den Verlierern der Corona-Krise. Seit Anfang November sind die Geräte verwaist. Die Unternehmer sind auf Hilfen angewiesen.
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Betreiber von Fitnessstudios gehören klar zu den Verlierern der Corona-Krise. Seit Anfang November sind die Geräte verwaist. Die Unternehmer sind auf Hilfen angewiesen.

Es sind harte Zeichen für Unternehmer und Solo-Selbstständige. Seit Anfang November ist Deutschland aufgrund der gestiegenen Coronazahlen wieder in vielen Bereichen heruntergefahren, und da die Neuinfektionen nicht weniger werden, hat die Landesregierung am Freitag einen harten Lockdown angekündigt. Die WFG in Unna hilft den betroffenen Unternehmen und spricht über deren Nöte.

Kreis Unna – Gleichzeitig gibt es Probleme bei der Auszahlung der von der Bundesregierung zugesagten schnellen Unterstützung durch die Novemberhilfen, die längst in den Dezember verlängert worden sind. „Es ist immer noch brutal, wie die Krise zugeschlagen hat“, sagte Sabine Radig aus dem Team Unternehmensservice der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) Kreis Unna, noch bevor die verschärften Maßnahmen angekündigt waren.

Erst am 26. November konnten die Hilfen auf dem zugehörigen Portal beantragt werden. Bis die Auszahlungen getätigt werden, kann es laut Radig Januar werden. Zuletzt habe es Softwareprobleme beim Land gegeben, Radig spricht davon, dass es mit dem regulären Verfahren Weihnachten losgehen könne. Wegen der Feiertage, Silvester und Neujahr wird dann aber wohl erst einmal nicht viel passieren.

Abschlagszahlungen helfen zumindest etwas

„Seit letzter Woche fließen immerhin die Abschlagszahlungen“, sagt Radig. Die sollen den Einnahmeausfall relativ unbürokratisch überbrücken und betrugen zunächst maximal 10 000 Euro. Okay für kleinere Betriebe, für andere, je nachdem wie groß sie sind, „ist das erst einmal nichts“, weiß Radig. Eine Erhöhung auf bis zu 50 000 Euro wurde gerade beschlossen.

Radigs Kollege Professor Dr. Karl-Georg Steffens von der Hammer Wirtschaftsförderung hatte jüngst Alarm geschlagen: „Wenn die Hilfen nicht bald kommen, dann ist es für manche schlichtweg zu spät. Ich sehe eine große Konkurswelle auf uns zurollen.“ Ganz so schlimm wird das Bild in Unna nicht gemalt. Die Stimmung unter den Unternehmern sei bedrückt, von Panik wollte Radig aber nicht sprechen. Dennoch weiß auch sie: „Es wird dünn langsam.“

Flaschenhals bei Steuerberatern

Die Auszahlung der Gelder dauert nicht nur, sie sind auch kompliziert zu beantragen. Die Regierung hätte Schlüsse aus der Coronahilfen im Frühjahr gezogen, als es auch zu Betrügereien gekommen sei, so Radig. Schwierigkeiten bereitet zudem die Dynamik in der Förderung und deren Regelung. Ständig werde an den Prozessen geschraubt: „Die Informationsflut macht es schwierig. Und das sind teilweise krasse Sachen, die um 180 Grad gedreht werden.“ Das bringe ihrer Meinung nach auch die Steuerberater an deren Grenzen, über die die Beantragung hauptsächlich läuft. „Was heute galt, ist morgen falsch.“ Radig sieht, dass hier bei den Coronahilfen ein Flaschenhals entsteht, der Prozesse verzögern könnte. Am Donnerstag wollte die WFG daher mit den Steuerberatern über die Lage sprechen.

An der Krisenhotline auch mal zuhören

Ernst ist die Lage in der Wirtschaft momentan auf jeden Fall. Das merkt die Wirtschaftsförderung an ihrer Krisenhotline, die sie zu Beginn der Pandemie eingerichtet hat. Die war zwischenzeitlich weniger genutzt worden, nun ist es wieder mehr geworden. Die Themen sind vielfältig. „In letzter Zeit ging es viel um Quarantäne, wie geht man damit um?“, sagt Radig. Auch zu Schnelltests wurden Fragen gestellt. Manche Unternehmer hätten die gekauft und stünden nun vor dem Problem, wer sie durchführen kann. Fachliche Auskünfte zu den November- und Dezemberhilfen sind selbstredend ebenfalls begehrt: Wir wird was verrechnet, was ist steuerlich und bei der Kurzarbeit zu beachten? „Viele Detailfragen. Die Fördermittelberatung läuft wie verrückt“, sagt Radig, die zu dem Team an der Krisenhotline zählt. Am meisten betroffen seien die Gastronomie, Messebauer, die Reisebüros und die Kulturszene.

Manchmal gehe es am Telefon allerdings auch einfach nur darum, zuzuhören. „Das greift auch persönlich an. Selbstständige sind kämpferisch unterwegs. Aber es zieht sich jetzt schon so lange hin. Die Impfungen zeigen vielleicht Wirkung, aber das wird noch lange dauern. Und es deutet sich an, dass vieles nicht mehr so sein wird wie vor Corona. Es wird eine neue Normalität geben, aber wie die aussieht, ist unklar“, fasst Radig die Sorgen vieler Menschen zusammen. Eines mache Unternehmern und Soloselbstständigen zu schaffen: „Man sieht kein Licht am Ende des Tunnels.“

In Workshops Perspektiven aufzeigen

Die Stimmung beschreibt Radig als zwiegespalten. Zum einen herrsche ein Verständnis vor, dass Maßnahmen gegen das Virus getroffen werden müssten, auf der anderen Seite sei der Blick ins Portemonnaie. Die WFG will dabei helfen Perspektiven aufzuzeigen.

Gerade in dieser Hinsicht sollen nächstes Jahr Workshops angeboten werden, wie sich Geschäftsleute neu aufstellen können. Testballons dazu seien gut angenommen worden. Schade findet Radig, dass bei der derzeit notwendigen Online-Umsetzung der Seminare einiges verloren gehe. Das Netzwerken fehle, Gelegenheiten zum Austausch, die sich in einem Raum ganz zufällig ergeben.

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