Um den geplanten Bürgersteig ist Streit entbrannt

Ausbau des Haferkamps sorgt für Diskussionen im Bönener Ausschuss

Die Straße Am Haferkamp in Nordbögge ist in einem schlechten Zustand. Sie soll saniert werden.
+
Die Straße Am Haferkamp ist in einem schlechten Zustand. Dass der Ausbau erforderlich ist, darin sind sich die Nachbarn einig. Doch nicht alle wollen einen Bürgersteig.

Es gibt Streit am und um die Straße am Haferkamp in Nordbögge. Die soll nach dem Willen der Gemeinde und des Rates ausgebaut und saniert werden. Damit sind alle Anwohner grundsätzlich einverstanden, wie schon im Mai bei einer Anliegerbeteiligung klar wurde. Schließlich ist die 1966 erbaute Straße in einem ziemlich schlechten Zustand. Über das Wie können sich die Nachbarn allerdings nicht einigen. Und das führte in der Sitzung des Ausschusses für Planen, Bauen und Umwelt (PBU) am Donnerstag für harsche Worte.

Bönen - „Zankapfel“ ist der geplante Bürgersteig. Der soll entlang der Straße auf einer Seite klassisch erhöht mit einer Breite von bis zu zwei Metern angelegt werden. Ein Hochbord soll den Geheweg von der Fahrbahn abgrenzen. Das bedeutet allerdings, dass die Anwohner und ihre Besucher ihre Autos dort nicht mehr beliebig am Straßenrand abstellen können. Stattdessen sollen Parkflächen markiert werden. Wie viele und an welchen Stellen soll unter Berücksichtigung der Zu- und Ausfahrten und im Austausch mit den Eigentümern, festgelegt werden, heißt es in der Beschlussvorlage für den Gemeinderat.

Die lag am Donnerstagabend den Mitgliedern des Fachausschusses in der Aula des Marie-Curie-Gymnasium ebenso vor, wie ein Bürgerbegehren vom 16. Mai und eine „frische“ Bürgeranregung als Tischvorlage. Nachdem den Grundstücksbesitzern im Mai zwei Ausbauvarianten vorgestellt wurden, meldete sich die erste „Fraktion“ zu Wort. Sie möchte der Gemeinde ein eigenes Konzept zur Gestaltung ihrer Straße vorlegen. „Einige unserer Anwohner leben seit 80 Jahren an dieser Straße mit der derzeitigen Verkehrsführung. Unsere Erfahrungen und Meinungen wurden bei dem ersten Entwurf noch nicht hinzugezogen“, bemängelten die Beteiligten in dem Bürgerbegehren. Das wollen sie nun nachholen, alle Anwohner befragen und im Herbst einen eigenen Entwurf vorstellen.

Schon in der PBU-Sitzung meldete sich aber Horst Bennemann zu Wort. Er wohnt direkt am Eingang der Straße, Hausnummer 1. „Zwei Meter Bürgersteig gibt die kleine Straße überhaupt nicht her.“ Geplant sei dieser auf einer Länge von 200 Metern, zusammengerechnet seien davon jedoch auf 90 Meter Einfahrten zu berücksichtigen. Diese Absenkungen seien insbesondere für ältere Menschen und Nutzer von Rollatoren gefährlich. „Die Sturzgefahr ist programmiert“, warnte Bennemann. Dafür ein Viertel der veranschlagten Kosten für den Straßenausbau halte er nicht für angemessen. „Wir verballern 100 000 Euro für nichts!“

Anwohner sorgen sich um ausreichend Parkplätze

Zudem würden die Bewohner alle Parkplätze verlieren. „Wir müssen an die jungen, neu Zugezogenen denken. Und an die Jugendlichen, die jetzt alle ein Auto fahren.“ Er und seine Mitstreiter lehnen den Bau des Gehweges daher ab. Akzeptabel sei hingegen eine farbliche Abgrenzung eines Fußgängerbereiches auf der Fahrbahn.

Das sehen Sven Weniger und die 103 Unterzeichner einer aktuellen Petition offenbar anders. „Der Gehweg ist das Wichtigste an der ganzen Straße“, machte der Nachbar von Horst Bennemann deutlich. „Wenn ich als Fußgänger, mit einem Rollator oder Kinderwagen darauf unterwegs bin, habe ich mit der Bordsteinkante und der Höhenabgrenzung zur Fahrbahn viel mehr Sicherheit“, sagte Weniger. Den Argumente seiner Nachbarn, die den Bau des Gehweges aufgrund von vermuteten Gefahrenpotenzial ablehnen, könne er überhaupt nicht nachvollziehen. Im Gegenteil: „Das ist doch Blödsinn!“

Gremium folgt Vorschlag der Verwaltung

Bürgermeister Stephan Rotering und Fachbereichsleiter Robert Eisler teilen offenbar die Meinung von Weniger und den Unterzeichnenden der Unterschriftenliste. „Eine mögliche Unfallgefährdung durch einen Bürgersteig sehe ich überhaupt nicht“, gab Rotering an. „Und ich glaube, ein Großteil der Anwohner befürwortet die von uns bevorzugte Planungsvariante.“ Er teile die Auffassung, dass die Sicherheit der Fußgänger hauptsächlich durch einen Gehweg gestaltet wird, ergänzte auch Eisler.

Dem stimmten die Gremiumsmitglieder zu. Sie folgten einstimmig dem Beschlussvorschlag der Gemeinde, der den Ausbau der Straße mit einem einseitigen Gehweg in einer Breite von 1,50 bis zwei Meter und auf der Fahrbahn markierten Parkflächen vorsieht. Der Gemeinderat soll nun die Verwaltung beauftragen, die notwendigen Schritte zur Ausschreibung, Vergabe und Umsetzung der Baumaßnahme voranzutreiben. Der Rat entscheidet am 7. Oktober darüber.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare