2021: Was geht? Was geht nicht?

„Die Sehnsucht zu reisen ist riesig“: In Bönen wird wieder Urlaub gebucht

Die Sonnenschirme werden bereits aufgespannt – aber ist eine Flugreise, zum Beispiel nach Mallorca, derzeit sorgenfrei buchbar?
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Die Sonnenschirme werden bereits aufgespannt – aber ist eine Flugreise, zum Beispiel nach Mallorca, derzeit sorgenfrei buchbar?

Endlich mal wieder Urlaub machen, einmal etwas anderes sehen als die eigenen vier Wände – danach sehnen sich viele Menschen nach einem Jahr voller Reise- und Kontakteinschränkungen. Ob es in diesem Jahr was wird, nach den vielen Stornierungen 2020? Wir fragen die Bönener Reiseexpertin Angelika Preuß vom DER-Reisebüro, was 2021 geht und worauf Kunden bei der Buchung achten sollten.

„Wir erleben sehr schwierige Zeiten, denn wir hatten so gut wie keine Einnahmen. Das Reisebüro wird ja erst bei der Abreise bezahlt, erhält seinen Anteil, wenn der Kunde die Reise tatsächlich antritt. Der Reisepreis geht an den Veranstalter“, berichtet Angelika Preuß. „Gebuchte Reisen mussten im vergangenen Jahr in vielen Fällen storniert werden, weil die Pandemie und die Reisebeschränkungen das erforderten. Das war zum Teil mit viel Aufwand ohne Verdienst verbunden.“ Im November 2020 wurde deshalb die Servicepauschale für Reisebüros eingeführt. „Der Kunde zahlt einmalig 15 Euro für Reisen bis 500 Euro und 30 Euro für Reisen, die mehr als 500 Euro kosten“, erläutert Angelika Preuß. Ihre Kunden hätten für diese Aufwandsentschädigung durchweg Verständnis gezeigt.

jetzt wieder vormittags geöffnet

Seit Dezember war das Reisebüro geschlossen und nur noch telefonisch oder per Mail erreichbar. „Seit vergangenem Montag dürfen wir wieder öffnen für persönliche Beratungen, das ist ein sehr gutes Gefühl“, sagt die Reiseexpertin, die seit 1991 für das Tourismusunternehmen tätig ist. „Aktuell sind wir zwar noch in Kurzarbeit, und können Termine nur zwischen 10 und 12 Uhr machen, die restliche Zeit sind wir bis 16 Uhr aber weiter telefonisch erreichbar.“

Angelika Preuß ist froh, dass sie ihre Kunden jetzt auch wieder im Reisebüro beraten darf.

Vieles lasse sich aber auch am Telefon regeln, denn die Reisebranche sei ja sehr gut digitalisiert. „Wir können nach der Beratung zum Beispiel eine Mail mit den Links der Hotels senden, und der Kunde kann sich das in Ruhe im Internet anschauen und sich dann entscheiden.“ Kataloge seien in diesem Jahr ohnehin nur in geringer Zahl aufgelegt worden.

Viele wollen einfach mal weg

Wollen die Menschen überhaupt wieder reisen in nächster Zeit? „Der Wunsch zu reisen ist riesig“, sagt Preuß. „Das höre ich in vielen Gesprächen. Wir warten jetzt auf eine geordnete Öffnungsstrategie. Am 22. März soll entschieden werden, ob Hotels in Deutschland wieder für Tourismus geöffnet werden dürfen. Das wäre ein erster Schritt. Wir sehen das in Großbritannien, wo die Impfungen Ende Juni durch sein sollen, da wird gebucht wie verrückt.“

Schon wieder viele Ziele zur Auswahl

Was geht 2021 denn überhaupt? „Es gibt viele Ziele, die jetzt schon wieder möglich sind“, sagt Angelika Preuß, „Alles hängt aber letztlich davon ab, wie schnell geimpft wird, um eine Herdenimmunität herzustellen. Wenn Sie geimpft sind, können Sie demnächst viel einfacher reisen.“ Eine tagesaktuelle Liste, die täglich länger wird, zeigt der Expertin, in welchen Ländern welche Regeln für die Einreise gelten. In der Regel sei die Eintrittskarte eine Impfbescheinigung, die bei der Buchung vorgelegt wird. Einige Destinationen akzeptierten auch die Genesung nach einer Coronaerkrankung als Indiz für die Immunisierung. „Madeira zum Beispiel gehört zu diesen Zielen, aber auch Zypern oder die Türkei“, so die Reiseexpertin. Bis Mai/Juni werden Reisen nach ihrer Einschätzung aber überwiegend erst mal mit dem eigenen Pkw in Deutschland stattfinden, eventuell auch in den Nachbarländern. Flugreisen in größerem Umfang sieht sie erst zu den Sommerferien.

Das gilt für die Urlaubsinsel Mallorca

Reisen auf die beliebte Urlaubsinsel Mallorca werden über Ostern einfacher. Das meldet der Deutsche Reiseverband (DRV). Die spanischen Inseln der Balearen – und damit auch Mallorca – werden seit Sonntag nicht mehr vom Robert-Koch-Institut als Risikogebiet eingestuft. Die Reisewarnung vom Auswärtigen Amt ist aufgehoben, bei der Rückkehr nach Deutschland ist keine Quarantäne erforderlich. Auf Mallorca liege der Inzidenzwert seit Wochen unter 50 und derzeit bei 21. Auch die portugiesische Inselgruppe der Azoren ist seit dem Wochenende kein Risikogebiet mehr. Reiseveranstalter, Zielgebiete, Fluggesellschaften und Hotels hätten umfangreiche Hygiene- und Sicherheitskonzepte entwickelt, um das Risiko einer Ansteckung mit Corona während der Reise zu minimieren. Wer verreist, sollte sich deshalb unbedingt an die weiterhin geltenden Sicherheits- und Hygienemaßnahmen halten, so der dringende Appell des DRV.

Auch Fernreisen seien dann durchaus wieder möglich. „Ich würde zurzeit niemanden nach Brasilien schicken, dagegen werde Namibia in Afrika jetzt schon wieder bereist. Ebenso die Dominikanische Republik in der Karibik. Ägypten sei ab Frühsommer voraussichtlich mit Impfung zu bereisen. In Asien sei die Lage in einzelnen Ländern noch sehr unterschiedlich. „Thailand ist ein beliebtes Ziel, aber kein Sommerziel wegen der Regenzeit“, sagt Preuß. „Aber es ist buchbar für den Winter. Dagegen haben USA und Kanada ihre Sperren verlängert. Ich rechne erst im Frühjahr 2022 damit, dass Tourismus hier wieder möglich sein wird. Aber auch diese Termine sind bereits buchbar.“

Kreuzfahrten: Reisende bleiben zunächst an Bord

Kreuzfahrten in den Osterferien sind gerade abgesagt worden. Im Frühling und Frühsommer werden aber zum Beispiel von vielen Reedereien sogenannte Blaue Reisen im Mittelmeer angeboten. Voraussetzung, um an Bord gehen zu können, sei ein PCR-Test oder eine Impfbescheinigung. Die Reiserouten führen entlang der Küsten, das Schiff läuft aber keinen Hafen an, die Gäste bleiben die ganze Zeit an Bord und setzen keinen Fuß an Land. Wer nicht nur das Schiff und seine Angebote erleben möchte, sondern auch Land und Leute, der sollte bis zum Herbst warten, rät Angelika Preuß. Dann werde es wieder ein breiteres Kreuzfahrtangebot geben.

In diesem Jahr wohl keine Dumpingpreise

Werden die Preise fallen, um Kunden anzulocken? Die Preise werden auf dem Niveau von 2019 sein, schätzt die Reiseexpertin – Preisschlachten und Mega-Schnäppchen sieht sie dagegen nicht. „Das ist auch nachvollziehbar. Die Branche musste im vergangenen Jahr Rieseneinbußen verkraften, Fluggesellschaften und Hotels können in der Situation keine Dumpingpreise aufrufen.“

Die Tipps der Expertin: Auf Nummer sicher gehen

„Mit ihren Buchungen sollten alle, die eine Reise planen, auf Nummer sicher gehen“, sagt Angelika Preuß. „Ich kann nach den Erfahrungen des vergangenen Jahres nur empfehlen, im Reisebüro zu buchen. Dann gilt die Buchung meist als Pauschalreise.“ Wenn sie nicht stattfinden kann, kümmern sich die Mitarbeiter des Reisebüros um die Stornierung und darum, dass der Kunde sein Geld zurückbekommt. „Wir haben gesehen, wie schnell sich die Lage in diesem Corona-Jahr geändert hat.“ Wer Flüge und Hotels individuell im Internet bucht, der sei oft auf die Kulanz des Anbieters angewiesen, sonst sei das Geld weg. „Wir haben es geschafft, dass alle unsere Kunden ihr Geld zurückerstattet bekamen oder eine Gutschrift erhielten.“

Wer im Herbst oder Winter reisen möchte, der sollte schon jetzt buchen, rät Angelika Preuß. Sie geht von einer hohen Nachfrage aus, wenn viele Menschen geimpft sind und das Reisen in größerem Umfang wieder möglich sein wird. Auf Last-Minute-Angebote sollten Reisewillige besser nicht warten. Die wird es nach ihrer Einschätzung in diesem Jahr nur vereinzelt geben.

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