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Bönens Schulen bereiten sich auf das neue Schuljahr vor

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Von: Sabine Pinger

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Kinder mit Schulranzen - Die Schule beginnt wieder
Ab Mittwoch müssen sich auch die Bönener Schüler wieder auf den Weg machen. Die Schulen haben sich auf das neue Schuljahr vorbereitet. © Karl-Josef Hildenbrand

Nach einer Pause, in der sich Schüler und Lehrer vom Unterricht unter Corona-Bedingungen erholen konnten, beginnt nun das neue Schuljahr mit weiteren Herausforderungen. Die Pandemie ist schließlich nicht vorbei, dazu kommt der Krieg in der Ukraine und die Energiekrise. Darauf stellen sich die Schulleiter in Bönen ein.

Bönen - Das Handlungskonzept Corona, das das NRW-Schulministerium an alle Schulen verschickt hat, ist für das Marie-Curie-Gymnasium richtungsweisend. Wichtigster Punk: die Eigenverantwortung. Die Schüler sollen den Unterricht nur besuchen, wenn sie keine Symptome haben, im Unterricht freiwillig Masken tragen. „Wir haben viele Tests bekommen, mit denen wir am ersten Schultag ein freiwilliges Angebot machen. Außerdem bekommt jeder Schüler fünf Tests mit nach Hause, sodass er sich im Bedarfsfall testen kann“, zählt Bianca Giese auf. Wenn jemand mit typischen Anzeichen auffällt, könne er sich zudem in der Schule testen.

Die Gemeinde hat dem MCG darüber hinaus zugesagt, Masken für die Lehrkräfte zu finanzieren. Die kommissarische Schulleiterin geht davon aus, dass viele ihrer Kollegen den Schutz weiterhin im Unterricht tragen werden. „Vor den Ferien haben auch noch viele Schüler eine Maske getragen, aber wenn sie jetzt aus dem Urlaub kommen, könnte sich das anders darstellen. Im Sommer mag es aber ohnehin anders sein als im Herbst, wenn viele erkältet sind.“ Einfordern dürfe die Schule das Maskentragen aber nicht mehr.

Die bewährten Hygienemaßnahmen behält das Gymnasium bei. Dazu gehört auch das Lüften. Wie sich das angesichts des geforderten Energiesparens im Winter gestalten soll, ist für die Konrektorin ein spannendes Feld. „Es bleibt nur das sinnvolle Stoßlüften.“ Während einer kompletten Schulstunde die Fenster geöffnet und dabei die Heizung laufen zu lassen, funktioniere nicht mehr.

Soziale Defizite durch die Pandemie

Bei den Schüler habe die Pandemie Spuren hinterlassen, bemerkt die Pädagogin. „Ich würde nicht behaupten, dass alle den kompletten Lernstoff schon aufgeholt haben.“ Jedoch stünden mehrere Förderungen zur Verfügung, um den Schülern dabei zu helfen. Größere Sorgen macht sie sich um die sozialen Defizite, die durch das Distanzlernen bei vielen Kindern zu beobachten sind. „Deshalb bin ich froh über das Signal des Schulministeriums, dass es keine flächendeckenden Schulschließungen mehr geben soll.“ Sollte es in Einzelfällen trotzdem erforderlich sein, habe sich die Plattform I-Surf bewährt. „Wir können nicht alles mit Videokonferenzen und Hybridunterricht machen. Dafür ist die Bandbreite in Bönen nicht ausreichend“, spricht Giese ein großes Problem an.

Auch personell sei es derzeit knapp am MCG. Sie hofft, dass so wenig Kollegen wie möglich coronabedingt ausfallen. Die Lehrer müssen sich immerhin um 560 Schüler kümmern. 19 von ihnen sind gerade erst dazu gekommen. Sie sind aus der Ukraine geflohen. „Wir sind schon lange Go-in-Schule. Das heißt, die Schüler bekommen zusätzlichen Deutschunterricht, sind aber sonst in den Klassen integriert. Das Konzept sieht eigentlich vor, dass jeweils nur ein Go-in-Schüler in einer Klasse ist, damit er nur Kontakt zu deutschen Kindern hat und somit mit der deutschen Sprache in Berührung kommt. Mit 19 Ukrainern geht das nicht mehr. Wir versuchen aber, sie möglichst gleichmäßig auf die Klassen zu verteilen“, beschreibt die kommissarische Schulleiterin. Trotz aller Herausforderungen geht Bianca Giese optimistisch ins neue Schuljahr. „Wir sind ja schon ganz gut eingespielt.“

Auch Annegret Berg beginnt das neue Schuljahr mit viel Hoffnung, wie die Leiterin der Goetheschule sagt. „Ich hoffe, dass wir die Infektionsrate möglichst gering halten können. Dennoch haben wir Respekt vor möglichen neuen Virusvarianten, die im Herbst auf uns zukommen könnten. Wir gehen den Weg vorsichtig, versuchen aber, uns mehr zu öffnen.“ Das bedeute zum Beispiel, dass die Erstklässler in zwei Gruppen eingeschult werden, damit nicht zu viele Menschen zusammentreffen. Bereits am Mittwoch können die Eltern der Schulanfänger Coronatests abholen und ihre Kinder vor der Feier testen. „Die anderen Schüler bekommen fünf Tests für zu Hause ausgehändigt, und wer sich testen möchte, kann dies auch gleich tun.“

Dicke Jacken im Klassenzimmer

Dass noch viele Kinder im Unterricht Masken tragen, damit rechnet Berg nicht. „Bei den Kollegen wird es aber sicher einige geben.“ Alle bereits „eingeübten“ Maßnahmen wie Abstand halten, Hände waschen und Lüften sollen indes beibehalten werden. An der Goetheschule ist das aufgrund der Technik weniger problematisch, die Heizung wird nicht mit Gas betrieben. Kalt könnte es dennoch werden, wenn die Fenster zum Stoßlüften geöffnet werden müssen. Im vergangenen Winter hätten sich die Kinder mit dicken Jacken dafür gewappnet, gibt Berg an.

Unter den sieben Goetheschülern aus der Ukraine sind nun auch einige Erstklässler. „Wir werden sie ganz normal in den Klassen begrüßen und, wann immer es möglich ist, ihnen zusätzlichen Deutschunterricht geben“, erzählt die Pädagogin.

An der Hellwegschule sind 13 ukrainische Kinder. „Wir haben den Stundenplan so ausgerichtet, dass wir möglichst viele Förderstunden für sie miteinbeziehen können“, erklärt Antje Anbring-Keiter. Sie hat sowohl für die Unterstützung für die Flüchtlinge als auch für das Aufholen nach Corona Förderanträge gestellt. „Insbesondere in den sozialen Klassengefügen haben wir gemerkt, dass da etwas fehlt“, schildert die Schulleiterin. Selbst bei den angehenden Erstklässlern wären die Folgen der Pandemie zu spüren. „Sie hatten ja keine normale Kindergartenzeit.“ Daher soll nun vor allem an der Sozialkompetenz gearbeitet werden. „Dort, wo noch Lernlücken festzustellen sind, werden wir natürlich ebenfalls entsprechend fördern.“

Eltern über Handlungskonzept informiert

Die Empfehlungen aus dem neuen Handlungskonzept sollen an die Eltern weitergegeben, die üblichen Maßnahmen beibehalten werden. „Ich hoffe, dass die Eltern uns nur gesunde Kinder schicken, dadurch, dass sie sie zu Hause testen können“, wünscht sich die Schulleiterin. Sie rechnet mit einer neuen „Herbstwelle“. „Schwierig wird es, wenn dann viele Lehrer ausfallen. Personell haben wir nicht genügend Puffer.“ Distanzunterricht möchte sie dabei möglichst vermeiden.

Das ist auch das Ziel der Humboldt-Realschule. Deren kommissarischer Leiter Guido Bläsing begrüßt es jedenfalls, dass das Schulministerium am Präsenzunterricht festhalten möchte und flächendeckende Schulschließungen ausschließt. „Nur wenn sehr viele Kollegen ausfallen sollten, ist es, vielleicht besser, auf Distanzunterricht zu gehen, statt einen katastrophalen Vertretungsplan umsetzen zu müssen.“ Dass das Infektionsgeschehen im Herbst an Fahrt aufnimmt, davon ist er überzeugt. „Ich hoffe, dass wir mit der Entwicklung gut zurechtkommen“, wünscht sich Bläsing. Neue, an die Virusvarianten angepasste Impfstoffe würden dabei sicher helfen.

Die Realschule ist ebenfalls Go-in-Schule – eine Vorgabe im Kreis. Glücklich ist Bläsing damit nicht. „Wir haben 18 ukrainische Schüler und stoßen damit an unsere Grenzen.“ Aus anderen Schulen hat der Pädagoge den Eindruck gewonnen, dass ausländische Schüler sich schneller einleben, wenn sie zunächst in reinen Deutschlernklassen zusammengefasst werden. Der Daz-Unterricht – Deutsch als Zweitsprache – umfasse hingegen maximal 15 Stunden. Die übrigen Stunden verbringen die Schüler im Unterricht, dem sie aufgrund fehlender Sprachkenntnisse kaum folgen können. „Wenn wir in Bönen mit der Digitalisierung weiter wären, dann könnten sie sich mit ihren Tablets mit ihrer ukrainischen Schule vernetzen, wie das in anderen Städten möglich ist.“ So ist Bläsing zumindest dankbar, dass eine russische Lehrkraft den Unterricht unterstützt. „Und wir haben viele Schüler, die aus russischsprachigen Familien kommen. Die helfen uns sehr.“

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