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Landwirte erklären, warum Rapsöl zurzeit Mangelware ist

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Von: Sabine Pinger

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Rapsfeld in Bönen
Obwohl es in und rund um die Gemeinde derzeit prächtig blüht, wird Rapsöl wohl vorerst weiterhin knapp bleiben. © Robert Szkudlarek

Üppig wiegen sich die leuchtenden Blüten im warmen Frühlingswind. Rund um Bönen weist derzeit goldgelber Raps auf zahlreichen Feldern darauf hin, dass der Sommer naht. Doch obwohl die Nutzpflanze in dieser Region und überhaupt in Deutschland so häufig zu sehen ist, ist ihr Öl momentan Mangelware. Die Supermarktregale sind leer, Gastronomen klappern die Großmärkte ab, um überhaupt noch an das aus Raps gewonnene Speiseöl zu kommen. Viele Verbraucher fragen sich, wie das zusammen passt.

„Die Ukraine ist ein bedeutender Exporteur für die beiden Ölfrüchte Raps und Sonnenblumen“, erklärt der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ruhr-Lippe Hans-Heinrich Wortmann. Der Krieg und damit die ausbleibenden Lieferungen würden nun die Rapsversorgung weltweit erheblich beeinträchtigen, die ohnehin schon von einer knappen Verfügbarkeit gekennzeichnet sei.

Doch nicht nur der Krieg ist für den Mangel verantwortlich, gibt der Bönener Landwirt Christian Möllmann an. „Der Rapspreis war in den vergangenen Jahren relativ bescheiden“, sagt er. Für einen Doppelzentner Raps bekamen die hiesigen Produzenten selten 40 Euro, oft lag der Preis aber deutlich darunter. Dabei sei der Rapsanbau sehr arbeitsintensiv, vor allem Schädlinge und Insekten würden den Bauern arg zu schaffen machen. Für viele hat sich der Aufwand kaum noch gelohnt. „Der eine oder andere hat da die Anbauflächen zurückgefahren“, weiß Möllmann von seinen Kollegen.

Preis deutlich gestiegen

Hans-Heinrich Wortmann bestätigt das. „Politische Auflagen, wie beispielsweise das Verbot von Beizmitteln oder die novellierte Düngeverordnung, haben den Landwirten zunehmend die Möglichkeiten genommen, den Raps gesund zu erhalten und ihn pflanzengerecht zu ernähren“, kritisiert der für den Kreis Unna zuständige Verbandsvorsitzende.

In den vergangenen zwei Jahren ist der Abnahmepreis indes wieder spürbar gestiegen. Das hat dazu geführt, dass seit 2021 die blühenden Flächen wieder leicht ausgebaut wurden, haben die beiden Fachleute beobachtet. „Und jetzt wäre es natürlich gut, wenn man Raps hätte“, stellt Christian Möllmann fest. Die Preise dafür galoppieren nach oben, 75 bis 80 Euro je Doppelzentner wären durchaus zu haben, schätzt der Diplom-Agraringenieur.

Landwirt Christian Möllmann aus Bönen
Christian Möllmann weiß wie arbeitsintensiv der Rapsanbau ist. Weil er sich in den vergangenen Jahren kaum gerechnet hat, hätten viele Bauern ihn zurückgefahren. Jetzt ist das anders © © Andreas Rother

Ganz so leicht ist es allerdings nicht, einfach mehr von der gelben Frucht auf die Äcker zu stellen. „Raps ist mit sich selbst unverträglich“, erläutert Möllmann. Das bedeutet, die Landwirte können auf einem Feld nicht an zwei aufeinanderfolgenden Jahren Raps aussähen. Selbst nach drei Jahren wäre das Ergebnis eher schwach, so der Bönener. Wurzelkrankheiten oder Kohlhernie, ein spezieller Pilzbefall, würde dem Kreuzblütler zusetzten. „Besser ist, Raps nur alle vier Jahre auszubringen oder sogar noch länger zu warten.“

Kurzfristig reagieren könnten die Landwirte also nicht auf die knappe Versorgungslage, fasst Hans-Heinrich Wortmann zusammen. Zwar würden die Bauern bereits überlegen, wie sie nach der Ernte im Sommer mit der neuen Aussaat auf die Situation reagieren könnten, doch bevor der Raps dann als Öl im Geschäft steht, ist es Spätsommer 2023.

Raps wird hingegen nicht nur zu Speiseöl verarbeitet. „Es gibt noch genügend andere Verwendungsmöglichkeiten“, führt Christian Möllmann aus. Raps wird beispielsweise zu Biodiesel verarbeitet und zu Margarine, ist in Schmierstoffen Hydraulikölen, Lacken und Farben, Kerzen, Arzneimitteln, Emulgatoren, Kunststoffen, Weichmachern, Tensiden, Seifen und mehr enthalten. Die Ukraine hat bisher den größten Teil der Nachfrage in der EU gedeckt, jetzt fehlt der Raps aus dem kriegsgebeutelten Land. Und das erklärt die heftige Preisentwicklung. „Es wird schon eine gestiegene Nachfrage aus verschiedenen Bereichen der Industrie dahinter stecken“, glaubt Möllmann.

Nachfrage extrem hoch

Für ihn und seine Kollegen ist das nicht schlecht. „Wir können mit einer gewissen Vorfreude auf einen guten Ernteertrag hoffen, zumal wir in diesem Jahr überhaupt keine Probleme mit Insekten haben“, berichtet der zweite Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Bönen. Eins stehe jedoch fest: „Allein können wir deutschen Landwirte es nicht stemmen.“ Dafür sei die Nachfrage nach der vielseitigen Pflanze schlicht zu hoch.

Noch schlechter sieht es übrigens mit Sonnenblumen aus. Das Öl, das aus dem prächtigen Korbblütler gewonnen wird, fehlt gerade genauso in den Geschäften und Küchen. „Sonnenblumen gibt es hier nur ganz selten“, erzählt Christian Möllmann. Wenn, dann werden sie meistens als Bienenfutter in schmalen, kaum ergiebigen Streifen an Feldrändern gepflanzt. Da würden schon eher Sojabohnen angebaut. Die seien aber gleichfalls eher noch Exoten in Nordrhein-Westfalen.

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