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Die Hälfte der Bönener Wasserproben zeigt eine alarmierende Bakterienbelastung

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Von: Kira Presch

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 Harald Gülzow  mit Wasserproben im Laborwagen
Die Hälfte der Bönener Brunnenwasserproben, die Harald Gülzow vom VSR-Gewässerschutz untersucht hat, zeigen auffällige Ergebnisse. © Anja Roth

Die Ergebnisse der Wasserproben aus Bönener Brunnen, die im September zur Untersuchung ins Labor gegeben wurden, liegen inzwischen vor: Auffällig ist, dass die Hälfte aller Proben bakteriell belastet ist.

Bönen – Auch in diesem Jahr hatten Bönener Gartenbesitzer wieder die Gelegenheit, Proben ihres Brunnenwassers am Gewässerschutz-Stand des Vereins zum Schutz des Rheins (VSR) am Gemeindeteich abzugeben. Diplom-Physiker Harald Gülzow hatte dort im September mit seinem mobilen Labor Station gemacht. 21 Proben waren eingereicht worden, jetzt liegen die Ergebnisse vor: Die Nitratwerte seien weitgehend in Ordnung, sagt der Experte. Auffälligkeiten wurden aktuell aber bei der bakteriologischen Untersuchung festgestellt. Zehn von 21 Proben wiesen eine höhere Belastung auf – das sei ein sehr auffälliges Ergebnis.

Der eigene Brunnen im Garten ist eine günstige und bequeme Wasserquelle. Viele Bönener nutzen die Möglichkeit, Grundwasser zu nutzen und haben eine Bohrstelle, um den Rasen und die Pflanzen in regenarmen Zeiten zu wässern. Auch Planschbecken und Pools werden damit befüllt. Entscheidend ist aber auch hier die Wasserqualität. Ob ihr Brunnenwasser mit Schadstoffen belastet ist, wollten 21 Bönener wissen und brachten ihre Wasserprobe zu Harald Gülzow, der mit seinem mobilen Labor im September Halt in der Gemeindemitte gemacht hatte.

Nitratgehalt im grünen Bereich

Die Untersuchungen auf den Nitrat-, Säure- und Salzgehalt konnte der Fachmann direkt vor Ort durchführen. „Das Ergebnis war wie erwartet weitgehend in Ordnung“, fasst Gülzow zusammen. „Bönen ist nicht sehr landwirtschaftlich geprägt, deshalb sind die Nitratwerte hier im grünen Bereich.“

Mehr Sorge bereitet dem Experten das Ergebnis der bakteriologischen Untersuchung der Wasserproben, die ins Labor eingeschickt wurden. „Die Proben geben uns Aufschluss über die Zusammensetzung des grundwassernahen Brunnenwassers“, so Gülzow. „In diesem Jahr stellten wir eine höhere Belastung mit coliformen Bakterien fest als in früheren Jahren.“ Betroffen seien mit zehn von 21 Proben knapp 50 Prozent – bisher seien vielleicht mal bei zwei Proben höhere Belastungen festgestellt worden. Einen geografischen Zusammenhang – dass die betroffenen Bohrlöcher in einem Gebiet liegen – gebe es übrigens nicht. „Das ist ein Problem des einzelnen Brunnen.“

Den signifikanten Anstieg führt Gülzow auf die ungewöhnlich starken Regenfälle in diesem Jahr zurück. „Dadurch ist der Boden im oberen Bereich sehr gut gesättigt und das führt zu einer schlechteren Reinigungsleistung“, erläutert Gülzow. Wo normalerweise das Wasser ausreichend gefiltert und von Bakterien gereinigt wird auf dem Weg durch die Bodenschichten bis zum Grundwasser, haben die Wassermassen die gründliche Filterung verhindert.

„Da muss jetzt genau geschaut werden, ob der Brunnen in Ordnung und vor allem dicht ist. Der Verdacht liegt nahe, dass das Bohrloch nicht mehr ausreichend abgedichtet ist, so dass das belastete Oberflächenwasser direkt in den Brunnen gelangt ohne die Reinigung auf dem Weg durch die Bodenschichten. Damit können auch Krankheitserreger zum Beispiel aus Tierkot ins Brunnenwasser gelangen.

Brunnen muss möglicherweise saniert werden

„Das ist ein Indiz, dass in diesem Fall der Brunnen möglicherweise saniert werden muss“, so Gülzow. „Viele Brunnenbesitzer denken, ihr Bohrloch sei wartungsfrei und kann über Jahrzehnte genutzt werden. Aber auch hier muss regelmäßig die Abdeckung kontrolliert und notfalls saniert werden. Wer sich das handwerklich nicht zutraut, der sollte einen Brunnenbauer beauftragen.“

Zum Bewässern im Garten könne das belastete Wasser zwar weiterhin genutzt werden, so Gülzow. Für das Wässern von Obst und Gemüse oder die Nutzung für Planschbecken, sei es nicht geeignet. Zwei der zehn belasteten Brunnen hätten zudem weitaus höhere Werte aufgewiesen, hier sei Vorsicht geboten.

Versiegelte Flächen verantwortlich für Absinken des Grundwasserspiegels

Ganz wichtig in diesem Zusammenhang ist Harald Gülzow der Hinweis, „jeder Bürger sollte sich darum kümmern, dass das Grundwasser aufgefüllt wird – das heißt, dass das Regenwasser im Boden auch versickern kann. Angesichts zunehmend versiegelter Flächen in den Gärten wird das immer mehr zum Problem. Das Regenwasser wird in die Kanalisation abgeleitet und in trockenen Sommern – die mehr und mehr die Regel sind – stellen wir fest, dass der Grundwasserspiegel immer weiter sinkt, so dass Brunnen trocken fallen.“

Wer auch weiterhin Brunnenwasser nutzen möchte, müsse auch etwas dafür tun, dass der Grundwasserspiegel – bei uns durchschnittlich in zehn Meter Tiefe – in Zukunft nicht noch weiter absinkt. „Das kann zum Beispiel durch das Entsiegeln von Gartenflächen – etwa gepflasterten Wegen und Plätzen – geschehen, oder dass Regenwasser von Dachflächen nicht über Dachrinnen in die Kanalisation geleitet wird, sondern in den Boden. “

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