ADFC-Onlinetest:

Radfahrer geben der Gemeinde Bönen schlechte Noten

Die Teilnehmer des Fahrradklimatests beurteilten die Breite der Radwege in Bönen mit der Schulnote 4,9.
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Der Bönener ADFC-Vorsitzende Udo Dramm kritisiert unter anderem die zu geringe Breite der Radwege in Bönen. Im Test gab es für die Breite der Radwege eine 4,9.

Bönen – An einem sonnigen Tag dem Seseke-Radweg von Bönen nach Lünen entlang zu radeln, fühlt sich ein bisschen an wie Urlaub. Auch der Alleen-Radweg, der auf einer alten Bahntrasse von Unna nach Welver durch die Gemeinde führt, ist bei Radfahrern äußerst beliebt. Und obwohl Bönen über diese reizvollen und gut ausgebauten Verbindungen verfügt, stellt der Allgemeine Fahrradclub Deutschland (ADFC) der Gemeinde jetzt kein gutes Zeugnis aus. Im Gegenteil: Beim Fahrradklimatest 2020 des Klubs schneidet Bönen gerade mal mit einer 4,3 ab, nach Schulnoten ein mageres Ausreichend.

Vor allem Konflikte mit Fußgängern und Kraftfahrzeugen sowie das Fahren im Mischverkehr stoßen bei den 52 Teilnehmern der Online-Umfrage übel auf. Für Letzteres gibt es sogar ein glattes Mangelhaft, eine Fünf.

Das Ergebnis der aktuellen Erhebung wundert Udo Dramm nicht. „Das ist normal für Bönen“, sagt der Vorsitzende der ADFC-Ortsgruppe. „Hier wird alles für Autofahrer gemacht und nichts für Radfahrer.“ Dramm nennt ein Beispiel: „Es gibt keine Stellplätze für Fahrräder am Rathaus.“ Darauf habe er schon mehrfach hingewiesen – bereits sogar vor Baubeginn des Verwaltungssitzes. Geschehen sei bisher nichts.

Noch kritischer sieht das ADFC-Mitglied die bisherigen Pläne für den Ausbau der östlichen Bahnhofstraße. „Die Planung läuft darauf hinaus, den Radweg auf die Straße zu bringen, wie es schon im unterhalb der Bahnschranke der Fall ist“, bemängelt Dramm. Dort sei die Situation jedoch weniger prekär, weil das Verkehrsaufkommen in diesem Bereich geringer sei.

Radwege sind zu schmal

Dafür seien der Radweg etwa in Höhe der Seniorentagesstätte nicht breit genug, ein Punkt, der im Test für Bönen – Breite der Radwege – generell mit 4,9 bewertet wurde. „Die Radwege innerorts sind zu schmal“, begründet Dramm dieses Urteil.

Überhaupt sei das Radfahren im Ortskern der Knackpunkt. „Ziel ist es ja, mehr Menschen auf das Fahrrad zu bekommen. Wenn man das will, dann muss man mehr für den Radverkehr innerorts tun“, ist der Bönener überzeugt. „Viele Leute sagen, dass es ihnen zu gefährlich ist, im Ort Rad zu fahren. Dabei gäbe genügend Möglichkeiten, im Ortskern vernünftige Radwege zu schaffen. Aber dafür hat die Gemeindeverwaltung kein Verständnis.“

Die Mitarbeiter im Rathaus müssten seiner Ansicht nach zudem viel mehr für das Radfahren werben. „Seitens der Gemeinde wird da zu wenig gemacht“, so Dramm. Die Quittung: eine Testnote von 4,7 für den Punkt „Werbung für das Radfahren.“.

Etwas Positives findet der Ortsverbandsvorsitzende dann aber doch in seiner Heimatgemeinde. Zum einen sei die Radstation der Awo-Tochter DasDies am Bahnhof ein echter Pluspunkt. „Dort hat jeder die Möglichkeit sein Fahrrad vernünftig abzuschließen. Das minimiert die Diebstähle“, lobt Dramm. Und auch, dass dort Zweiräder repariert und ausgeliehen werden können, sei sehr gut. Bei der Online-Befragung geben die Beteiligten für „Öffentliche Fahrräder“ indes nur eine 4,7, für „Fahrraddiebstahl“ eine Vier.

Gemeinde unterstützt Aktion an den Schulen

Gut findet Dramm des Weiteren, dass die Gemeinde die Aktion „Sehen und gesehen werden – Nur Armleuchter fahren ohne Licht“ der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise (AGFS) in NRW unterstützt. Alle zwei Jahre kommen dazu Fachleute in die Schulen und bringen den Fünft- und Sechstklässlern nahe, wie wichtig Beleuchtung und reflektierenden Materialien am Fahrrad und am Fahrer sind. Daneben werden verkehrssicherheitsrelevante Aspekte behandelt. Der AGFS spendiert den Bönener Schulen jeweils einen Aktionstag. „Da wir aber drei weiterführende Schulen haben, bezahlt die Gemeinde zwei weitere Tage“, freut sich Udo Dramm. Für dieses Engagement gibt im Fahrradklimatest allerdings keine Abfrage und somit keine Punkte.

Die besten Note hat Bönen für die „Erreichbarkeit Zentrum“, nämlich ein Befriedigend (3), für zügiges Radfahren (3,2) und für „Radfahren „Alt und Jung“ (3,4) erhalten.

Von den 52 Teilnehmern, die die Fragebögen ausgefüllt haben, bewerten 21 Prozent trotz allem den Punkt „Bei uns macht Radfahren Spaß“ mit einer Zwei, ebenso 21 Prozent aber auch mit einer Fünf. 13 Prozent vergeben dafür sogar ein Ungenügend.

Die Sechs gaben 35 Prozent der Teilnehmer darüber hinaus für die „Werbung für Radfahren“ im Ort. Die schlechtesten Werte in der Umfrage kassierte die Abfrage „Bei uns kann man auf der Fahrbahn gemeinsam mit den Autos zügig und sicher radfahren“. 42 Prozent – rund 22 der Teilnehmer –machten ihr Kreuz bei der Sechs.

Ergebnis nicht zufriedenstellend

„Das ist ausbaufähig“, kommentiert Fachbereichsleiter Robert Eisler von der Gemeindeverwaltung die Ergebnisse. „Natürlich ist das Ergebnis nicht zufriedenstellend und mit einem Wert von 4,3 noch deutlich ausbaufähig, auch wenn der Bundesschnitt auch nur bei 3,9 liegt.“ Da es keine Vergleichswerte aus Vorjahren gebe, ließe sich leider auch keine Entwicklung in einzelnen Bereichen ablesen. „Nichtsdestotrotz wird sich die Gemeinde mit den Detailergebnissen auseinandersetzen. Der Beschluss ein Radwegekonzept/Mobilitätskonzept für die Gemeinde Bönen aufzustellen, kann hierbei sicher helfen um Schwachstellen zu analysieren und Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln“, sagt der Fachbereichsleiter.

Da sich ein Schwerpunkt der schlechten Noten im Bereich „Mischnutzung mit Kfz“, „Breite der Radwege“ und „Führung an Baustellen“ darstellt, gehe Eisler davon aus, dass die zentrale Verkehrsader Bahnhofstraße stark in die Beurteilung eingeflossen ist, wie Udo Dramm bestätigt. „Die dort getroffenen Maßnahmen und die künftigen Planungen werden Verbesserungen bringen“, ist sich Eisler sicher. Er hätte sich gewünscht, dass das gute Freizeitradwegenetz, Aktivitäten wie das Stadtradeln oder die Radkultour mit dem Kreis Unna sowie die neue Stellplatzsatzung, bei der Fahrradabstellplätzen gefordert werden, eine größere Rolle bei der Bewertung gespielt hätten.

Eisler weiß, wo Optimierungsbedarf besteht, etwa im Industriegebiet. „Der Radverkehr wurde damals bei der Planung nicht richtig berücksichtigt“, sagt er. „Das geht deutlich besser“, hofft er, für diesen Bereich demnächst eine bessere Lösung zu haben. Die könnte zum Beispiel mit dem geplanten Radweg an der Rudolf-Diesel-Straße dafür sorgen, dass mehr Beschäftigte ihre Unternehmen mit dem Fahrrad ansteuern, und das Industriegebiet besser an die Bahnhöfe und die Ortsmitte angebunden ist.

Industriegebiet soll besser angebunden werden

Der ADFC-Landesvorsitzende Thomas Semmelmann sieht ebenfalls Potzenzial für Bönen. Der Bergkamener hat im vergangenen Jahr für das Bürgermeisteramt in der Gemeinde kandidiert und ist während seines Wahlkampfes hunderte Kilometer kreuz und quer durch den Ort geradelt. „Die touristischen Radwege sind sehr schön. Wenn sich diese in die Alltagswege mit einbauen lassen, ist das sehr gut“, merkt er zu der Erhebung an. Semmelmann sieht allein in der Tatsache, dass Bönen erstmals überhaupt in der Auswertung mit dabei ist, eine positive Entwicklung. „Daran sieht man, dass sich die Bönener mit dem Thema Fahrrad beschäftigen.“

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