Retter im Ehrenamt

Bei der Bönener Feuerwehr steht Teamarbeit ganz oben

Oliver Hedwig ist seit zwölf Jahren bei der Bönener Feuerwehr
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Oliver Hedwig ist seit zwölf Jahren bei der Bönener Feuerwehr.

Super Arbeitsklima, Aufstiegschancen, flexible Arbeitszeiten und kostenlose Arbeitskleidung: Die Freiwillige Feuerwehr Bönen wirbt auf ihrer Internetseite um Nachwuchs und freut sich über jeden, der tatkräftig mit anfassen will. Zugegeben, ein Gehalt gibt es für den Job nicht, dafür aber Unbezahlbares wie Zusammenhalt und das gute Gefühl, Sinnvolles zu leisten. In dieser Serie erzählen Bönener, warum sie bei der Feuerwehr sind.

Mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen sitzt Oliver Hedwig auf der Bank vor den großen Garagen. Er genießt den sonnigen Moment an diesem Frühlingsabend. Es ist selten so ruhig am Gerätehaus der Feuerwehr in Nordbögge, wenn er dort ist. Meistens sind die Mitglieder dort schwer beschäftigt – und der 32-Jährige ist dann mitten unter ihnen. Seit knapp zwölf Jahren gehört Hedwig zu den ehrenamtlichen Lebensrettern in der Gemeinde. Die Entscheidung, zur Feuerwehr zu gegen, hat er nie bereut. „Ich würde es immer wieder machen“, sagt der Bönener. Und inzwischen ist aus diesem „Hobby“ sogar sein Beruf geworden.

Feuerwehrmann haupt- und ehrenamtlich: Seit fast fünf Wochen arbeitet Oliver Hedwig bei der Berufsfeuerwehr in Hamm. Sein freiwilliges Engagement deshalb aufzugeben und die Freizeit anderweitig zu verbringen, kommt für ihn nicht infrage. „Klar, kann es mal stressig werden, langweilig aber ganz bestimmt nicht.“ Ursprünglich hat er „Fachkraft für Lagerlogistik“ gelernt. Wirklich erfüllt hat ihn dieser Beruf jedoch nicht. „Ich wollte etwas machen, das für die Feuerwehr interessant ist“, beschreibt der Bönener. Also absolvierte er zusäztlich eine Ausbildung zum Fahrlehrer. Jetzt kann er alle Feuerwehrfahrzeuge fahren, vom kleinen Mannschafts- bis zum riesigen Drehleiterwagen. „Und ich kann bei der Ausbildung unterstützen.“

Der Weg zur Feuerwehr war für Oliver Hedwig keineswegs vorgezeichnet. Anders als bei vielen seiner Kameraden war niemand aus seiner Familie dort aktiv. Dennoch besuchte er damals einen Tag der offenen Tür der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde. „Ich hatte gerade Zeit und bin mit meinem Vater hingegangen“, erinnert er sich. Der kannte einige der Retter, und so kamen sie schnell ins Gespräch. „Ich fand’s interessant, habe viel gefragt“, erinnert sich Oliver Hedwig. Einer der Feuerwehrmänner lud den 20-Jährigen zum nächsten Dienstabend ein. „Da guckst du dir das mal an.“ Das tat der junge Bönener – und ist dabei geblieben.

Einsätze zu jeder Tag- und Nachtzeit

„Dabei war der erste Dienstabend nicht besonders faszinierend. Aber man muss den Dingen ja eine zweite Chance geben und vielleicht auch eine dritte“, sagt er. Je öfter der junge Mann zum Gerätehaus kam, umso spannender und interessanter fand er es. „Besonders gefallen hat mir von Anfang an der Zusammenhalt bei der Feuerwehr. Ich weiß immer, dass ich mich auf jemanden verlassen kann.“

Hedwig absolvierte die Grundausbildung, dann viele weitere Lehrgänge und Fortbildungen. Wirklich mitgezählt hat er diese nicht. „Das frisst auf jeden Fall einige Wochenenden und viel Zeit. Aber je mehr man macht, umso spannender wird es. Und man kann immer mehr mitreden.“

Zu den vielen Ausbildungs- und Übungsstunden kommen die Einsätze – darum geht es schließlich. Und die können zu jeder Tages- und Nachtzeit an 365 Tagen im Jahr – Sonn- und Feiertage nicht ausgenommen – seine Unterstützung fordern. Besonders anstrengend sind die Einsätze, die den Feuerwehrmann nachts um 2 Uhr aus dem Bett holen. „Um 6 Uhr muss ich trotzdem zur Arbeit fahren“, schildert er und macht gleich deutlich: „Feuerwehr muss man wollen.“ Schließlich kommen die Feuerwehrkräfte in der Regel dann, wenn Gefahr droht oder Menschen ihre Hilfe benötigen. Sturmschäden, Brände, Hochwasser und schwere Unfälle: Hedwig konnte schon in vielen Situationen helfen.

Gut auf schwierige Situationen vorbereitet

Und natürlich musste er dazu lernen, einiges auszuhalten. Zum Beispiel, dass auch ein Feuerwehrmann nicht immer und jeden retten kann. Manchmal ist es schlicht zu spät. „Ein älterer Kollege sagt immer: ‘Ihr habt das nicht verursacht. Ihr seid hier zur Schadensbegrenzung.’ Das hört sich vielleicht furchtbar an, hilft aber“, hat der Vater einer kleinen Tochter festgestellt.

Wenn das Erlebte ihn oder seine Kollegen zu sehr belasten, wie etwa ein furchtbarer Unfall mit Todesopfern, dann können sich die Retter Hilfe holen, etwa von der „Psychosozialen Unterstützung“ (PSU) der Feuerwehren. „Es gibt da viele Möglichkeiten“, so Hedwig. Sein erster Einsatz war seinerzeit sofort ein besonders schwieriger: Eine Frau hatte sich vor einen fahrenden Zug geworfen, um sich das Leben zu nehmen. „So etwas tut mir sehr leid für den Betroffenen und noch mehr für die Angehörigen“, sagt Hedwig. „Das lebt weiter in mir, aber ich kann es in eine Schublade legen. Es belastet mich nicht.“ Geholfen habe ihm, dass er von den Verantwortlichen bei der Bönener Wehr sehr gut auf solche Situation vorbereitet wurde.

Zusammenarbeit funktioniert

Lieber sind ihm selbstverständlich die Einsätze, bei denen er und seine Kammeraden wirklich etwas bewegen können. Er denkt zum Beispiel an den Großbrand im Eisenwarengeschäft Bartmann an der Bahnhofstraße vor vier Jahren. Die Retter mussten in dieser Januarnacht nicht nur gegen das Flammenmeer ankämpfen, sondern zudem gegen das Eis, in das sich das Löschwasser rund um die Unglücksstelle verwandelte. „Wir haben da ganz eng mit den Mitarbeitern vom Bauhof zusammengearbeitet“, erzählt der Unterbrandmeister.

Dieses Hand-in-Hand-Wirken ist ein Punkt, der ihn an der Feuerwehrtätigkeit fasziniert: Wie bei einem Zahnrad griffen alle Maßnahmen ineinander, jeder trage seinen Teil dazu bei. Dass das sogar funktioniert, wenn Hunderte daran beteiligt sind, zeigt für Oliver Hedwig außerdem die Feuerkatastrophe auf der GWA-Wertstoffaufbereitungsanlage im Sommer 2018. „Da haben wir wirklich gekämpft“, schildert er den kräftezehrenden, tagelangen Einsatz an der Industriestraße. „Und da hat man den Zusammenhalt besonders gespürt.“

Aussuchen, wo er jeweils gebraucht wird, kann sich Hedwig im Ernstfall nicht. Gerade bei der Freiwilligen Feuerwehr muss stets geschaut werden, wer überhaupt dem Alarm gefolgt ist und wer welche Aufgaben vor Ort übernehmen kann. „Ein Feuerwehrmann ist ein Allrounder“, sagt der Unterbrandmeister. Ihm persönlich ist die technische Hilfe am liebsten. Türen öffnen, Autos so aufzutrennen, dass die Retter bestmöglich an eingeklemmte Verletzte herankommen, damit kennt er sich aus. „Die technische Hilfe ist ein interessantes Feld“, sagt der 32-Jährige.

Dennoch muss Hedwig immer wieder buchstäblich ins Feuer, wenn das vonnöten ist. „Eine gewisse Grundfitness ist deshalb auf jeden Fall von Vorteil“, weiß er. Höhenangst sollte ein Feuerwehrmitglied übrigens auch nicht haben. Die bedeutendste Eigenschaft und Voraussetzung für den Dienst ist aber Teamfähigkeit. „Das ist das Wichtigste“, sagt er.

Verstärkung gesucht

Die Freiwillige Feuerwehr Bönen sucht Verstärkung. Angesprochen fühlen können sich teamfähige, motivierte und flexible Frauen und Männer ab 18 Jahren für die Einsatzabteilung sowie Mädchen und Jungen ab zehn Jahren für die Jugendfeuerwehr. Interessierte können sich auf der Internetseite www.feuerwehr-boenen.de oder bei der Bönener Gemeindeverwaltung bei Anja Rüschenbaum, Telefonnummer 93 32 42, informieren. Die Feuerwehr startet jetzt wieder mit dem Aus- und Fortbildungsbetrieb. Neueinsteiger sind jederzeit willkommen.

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