Nachts ist der „Laden“ dicht:

Bönener Taxiunternehmen macht nicht nur die Ausgangssperre zu schaffen

Tagsüber kutschieren die Taxis in Bönen noch den ein oder anderen Fahrgast durch die Gegend. Fahrten in der Nacht finden dagegen so gut wie gar nicht mehr statt.
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Tagsüber kutschieren die Taxis in Bönen noch den ein oder anderen Fahrgast durch die Gegend. Fahrten in der Nacht finden dagegen so gut wie gar nicht mehr statt.

Es war ohnehin schon schwer für die Taxiunternehmer und ihre Fahrer in den vergangen Monaten. Seit mehr als einem Jahr ist ihr Geschäft extrem belastet, die Fahrgastzahlen sind im Keller. Die Ausgangssperre, die aufgrund der hohen Inzidenzwerte seit dem 19. April im Kreis Unna gilt, verschärft die Situation nun noch weiter.

„Das wirkt sich auf jeden Fall aus“, sagt Klaus Michael Kovacs, Inhaber des gleichnamigen Taxi- und Busbetriebes in Bönen. Normalerweise seien er und seine Kollegen per Gesetz zur Beförderung verpflichtet, und zwar rund um die Uhr. Aufgrund der Ausgangssperre sind sie nun von dieser Pflicht entbunden. Das bedeutet allerdings: „Wir machen um 22 Uhr den Laden dicht“, so Kovacs. Gerade an den Wochenenden führe das zu erheblichen Einbußen. „Die Jugendlichen gehen ja erst um 22 Uhr aus“, kennt der Bönener die Gewohnheiten seiner jungen Fahrgäste. Damit ist jetzt Schluss, Feten und andere gesellige Zusammenkünfte sind schon lange verboten.

Zwar gebe es weiterhin einige berechtigte Gründe, warum Menschen nach der Sperrstunde ein Taxi benötigen, die seien jedoch eher rar. „Wenn jemand zum Bahnhof gebracht werden muss, dann übernehmen wir das selbstverständlich – nach Vorbestellung. Wenn wir aber heraushören, dass es zum Beispiel zu einer Familienfeier gehen soll, dann lehnen wir diese Fahrten ab“, betont Kovacs.

„Es ist alles weniger geworden“, klagt der Unternehmer aber weiter. Auch tagsüber mache sich die Pandemie nach wie vor deutlich bemerkbar. Hatte sich Klaus Michael Kovacs Anfang des Jahres noch erhofft, dass Fahrten zum Impfzentrum in Unna-Königsborn das Geschäft wieder etwas beleben könnten, hat sich dieser Wunsch nicht erfüllt. „Klar, wir fahren drei, vier Mal im Monat zum Impfzentrum. Das ist aber nicht das, was wir erreichen wollten.“ Gemeinsam mit seinen Kollegen hatte Kovacs nämlich eine Sonderregelung für diese Fahrten beim Kreis beantragt. Dann hätte er eine Pauschale von den Impflingen kassiert, die günstiger gewesen wäre, als der reguläre Fahrpreis von Bönen nach Königsborn. Doch das sei leider nicht zum Tragen gekommen, so der Unternehmer.

Das Hauptgeschäft sind zurzeit die Krankenfahrten

Das Hauptgeschäft blieben daher zurzeit die Krankenfahrten. Am Abend sei dann „tote Hose“. Erst, wenn der Sieben-Tage-Inzidenzwert im Kreis verlässlich wieder unter die 100er Marke rutscht, dürfen die Taxis nach 22 Uhr wieder Passagiere ohne triftigen Grund befördern. Am Donnerstag lag dieser noch bei 160,3.

Sein Kollege Jörg Milk von Drücke-Milk Taxi stellt hingegen keinen allzu großen Unterschied zu der Zeit vor der Ausgangssperre fest. „Unter der Woche relativiert sich das, weil die Leute ja nirgendwo hinkönnen“, sagt der Betriebsinhaber. „Es können keine Feiern stattfinden, die Restaurants haben seit November geschlossen.“ Und schließlich galten schon vor dem 19. April Kontaktbeschränkungen, die Menschen können sich seit Monaten nur in ganz kleinen Kreisen treffen.

„Das Nachtgeschäft ist aufgrund der Regelungen eh tot“, stellt Jörg Milk fest. Die Ausgangssperre wirke sich daher nicht so gravierend auf den Taxibetrieb aus. „Ob die Leute um 0 Uhr zu Hause sein müssen oder um 22 Uhr macht dabei keinen großen Unterschied“, so der Bönener. „Von wenig auf noch weniger: Die Ausgangssperre ist nur der kleine Punkt auf dem I.“

Für ihn und seine Mitarbeiter hat der Distanzunterricht an den Schulen hingegen eine größere Bedeutung für den Betrieb. „Das Tagesgeschäft ist eingeschränkt, weil wir auch Schüler fahren“, berichtet er. Milk hofft, dass der Unterricht in den Schulen in der kommenden Woche wieder anläuft, wenn der Inzidenzwert das hergibt. „Unser Tagesgeschäft ändert sich von Woche zu Woche, je nachdem, welche Regelungen gerade gelten“, berichtet er.

Von ihm und seinen Mitarbeitern wird eine hohe Flexibilität erwartet. Und umso mehr wundert er sich über die Priorisierung bei den Corona-Impfungen. „Warum sind Taxifahrer erst in der Gruppe drei?“, fragt der Arbeitgeber. „Wir haben die ganze Zeit sehr engen Kontakt mit kranken Menschen“, weist er auf die vielen Krankenfahrten hin, die er und seine Kollegen auch während der gesamten Corona-Pandemie geleistet haben. „Wir dürfen nichts ablehnen.“

In der Priorisierungsliste hinten

Ob unter den Fahrgästen auch Corona-Infizierte waren oder sind, ließe sich schlecht feststellen. Oft wüssten die Betroffenen zunächst ja selbst nichts von ihrer Ansteckung. Immer ausreichend Abstand zu halten sei den Fahrern dabei nicht möglich. „Wir fahren überwiegend ältere Fahrgäste. Die bekommen wir gar nicht hinten in den Wagen. Denen müssen wir auf den Beifahrersitz helfen“, erklärt Jörg Milk.

Der Abstand zum Fahrer beträgt dann kaum einen Meter. Und Körperkontakt, um den Fahrgästen beim Ein- und Aussteigen zu helfen, gehöre ebenfalls dazu. Dennoch sollen sich die Taxifahrer weiter gedulden, bis auch sie sich regulär für einen Impftermin anmelden können – im Gegensatz zum Beispiel zu den Lokführern, die in Kürze an der Reihe sind. Milk rechnet hingegen nicht vor Juni mit einem ersten Termin.

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