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Der Tag gegen Gewalt an Frauen soll den Blick schärfen und Mut machen

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Von: Sabine Pinger

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Aktion zum internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen in Bönen
Die Gleichstellungsbeauftragte Kerstin Luttrop (rechts) und ihre Kollegin Aileen Danelski von der Gemeindeverwaltung verteilen Obsttaschen mit einer eindringlichen Botschaft an die Besucher des Rathauses. © Pinger Sabine

Wie viel Leid Frauen in Bönen ertragen müssen, lässt sich nur schwer sagen. In Deutschland ist schließlich statistisch gesehen jede vierte Frau mindestens einmal in ihrem Leben von häuslicher Gewalt betroffen – egal, aus welcher sozialen Schicht oder Altersgruppe sie kommt. Zumindest in 24 Fällen haben sich bisher in diesem Jahr Betroffene aus der Gemeinde Hilfe geholt. Sie haben die Gewalt gegen sie zur Anzeige gebracht.

Bönen - Zwei Mal war die Bedrohung dabei so groß, dass der aggressive Partner von der Polizei aus der Wohnung verwiesen wurde. Diese Zahlen gibt die Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde, Kerstin Luttrop, zum internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen (Orange Day) an diesem 25. November bekannt. Und sie könnten ein Hinweis sein, dass es auch in der Gemeinde zunehmend mehr Opfer von häuslicher Gewalt gibt.

Vor fünf Jahren wandten sich acht Bönenerinnen an die Polizei beziehungsweise andere Institutionen, um Übergriffe gegen sie anzuzeigen und sich in Sicherheit zu bringen. Im folgenden Jahr waren es mehr als doppelt so viele, nämlich 17. Vergangenes Jahr beziffert die Polizei der Zahl der Opfer aus Bönen dann sogar mit 25. Was sich jedoch wirklich hinter den Haus- und Wohnungstüren im Ort abspielt, darüber lässt sich nur spekulieren. Das Thema häusliche Gewalt ist immer noch ein Tabu, die Dunkelziffer hoch.

Der Gedenk- und Aktionstag zur Bekämpfung von Diskriminierung und Gewalt jeder Form gegenüber Frauen und Mädchen soll deshalb den Finger in die Wunde legen und Frauen Mut machen, sich zu wehren. Organisiert wird er seit 1981 von der Menschenrechtsorganisation „Terre des Femmes“. Er soll an die Schwestern Minerva, Patria und Maria Teresa Mirabal erinnern, die 1960, nach mehreren vorangegangenen Verhaftungen in der Dominikanischen Republik durch Militärangehörige des Diktators Rafael Trujillo verschleppt und ermordet wurden.

Orangefarbenes Licht bleibt aus

„Damit Frauen und Mädchen das Leid nicht mehr stumm ertragen müssen, muss die Botschaft dieses Aktionstages in die Welt getragen werden. Gewalt gegen Frauen und Mädchen hat in unserer Gesellschaft nichts zu suchen und stellt eine Menschenrechtsverletzung dar“, sagt Kerstin Luttrop. Gemeinsam mit den Gleichstellungsbeauftragten im gesamten Kreis Unna, der Kreispolizeibehörde und dem Frauenforum weist sie nachdrücklich auf das Anliegen hin.

„Im vergangenen Jahr haben wir im in Anlehnung an die Kampagne ,Orange the world‘, die 2008 von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen wurde, neben dem Hissen der Fahne ,Frei Leben ohne Gewalt‘ zum Zeichen der Solidarität kreisweit markante Gebäude orangefarbig illuminiert“, erinnert sie. Obwohl die beleuchteten Gebäude – in Bönen das Rathaus und die Alte Mühle – viel Aufmerksamkeit auf das Thema gelenkt hätten, verzichten die Initiatoren aufgrund der aktuellen Energie- und Klimakrise dieses Mal auf das Zeichen.

Stattdessen verteilt die Bönener Gleichstellungsbeauftragte nun Obstnetze an die Besucher des Rathauses. Sie tragen die Aufschrift „Gewalt kommt mir nicht ins Netz“. „Ich freue mich sehr, dass sich die Besucher offen für das Thema zeigen und selbstverständlich gerne das kleine Geschenk annehmen“, berichtet Luttrop. Die Fahnen mit dem Appellen „Frei leben ohne Gewalt“ und „Wir sagen Nein zu Gewalt gegen Frauen“ hat sie bereits am Donnerstag am Bönener Rathaus hochgezogen. Bundesweit steht die Aktion in diesem Jahr unter dem Motto „TrautesHeimLeidAllein“.

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