Gemeinde will auf reines Privat-Sammeln umsteigen

Die Papiercontainer in Bönen sollen weg – Das sind die Gründe

Der Gang zum Altpapiercontainer in Bönen könnte bald der Vergangenheit angehören. Die Gemeindeverwaltung möchte die Behälter abschaffen – aus Kostengründen.
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Der Gang zum Altpapiercontainer könnte bald der Vergangenheit angehören. Die Gemeindeverwaltung möchte die Behälter abschaffen – aus Kostengründen.

Die Gemeindeverwaltung in Bönen schlägt vor, die Papier-Sammelcontainer im Gemeindegebiet ersatzlos zu beseitigen. Das kommt den Steuerzahler am Ende billiger, lautet eines der Argumente.

Bönen – Der Online-Handel boomt – in der Pandemie stärker als je zuvor. Auch in der Gemeinde tragen die Zusteller emsig Kartons an die Haus- und Wohnungstüren. Dort wird der Inhalt ausgepackt, die Pappe drumherum anschließend entsorgt. Vielerorts wandern die Schachteln dann in die eigene Altpapiertonne. Noch immer nutzten aber auch viele Bönener die Papiercontainer, die an 18 Standorten in der Gemeinde zu finden sind. Gerade wenn die Verpackung allzu sperrig ist, landet sie häufig in einem der großräumigen, grauen Behälter. Schließlich muss sie dafür nicht so sorgfältig zerkleinert werden. Und darin liegt schon eins der Probleme, die die Gemeindeverwaltung zu dem Entschluss geführt haben, die sogenannten Depotcontainer zum Ende des Jahres verschwinden lassen zu wollen.

Von 39 Depotcontainern noch 18 übrig

Seit 2008 haben die Bewohner der Gemeinde die Wahl, ob sie sich einen eigene Altpapiertonne auf ihr Grundstück stellen lassen möchten, Papier und Pappe zu einem der öffentlichen Container bringen oder einfach beide Systeme parallel und kostenfrei nutzen wollen – je nachdem, wie viel Papiermüll gerade anfällt. Damals war der Handel mit dem „Rohstoff“ Altpapier ein lukrativer – so gewinnbringend, dass sich die Gemeinde sogar mit dem Borkener Unternehmen Borchers darüber gestritten hat, wer denn den Papierabfall einsammeln darf. Borchers bot den Bönenern die „Blaue Tonne“ auf dem eigenen Grundstück an, wenige Wochen später „konterte“ die Gemeinde mit einer schwarzen Tonne mit blauem Deckel. Abgeholt wurde der Inhalt dieser im Auftrag der Verwaltung von der Firma Grumbach aus Harsewinkel.

Die hatte zuvor schon die 39 Depotcontainer geleert, die an verschiedenen Stellen in Bönen standen. Nachdem nun aber ein großer Teil der Haushalte eine eigene Papiertonne vor der Tür stehen hatte, wurde die Anzahl der öffentlichen Sammelbehälter auf 18 verringert.

Schon bald wurde den Beteiligten jedoch klar, dass es sich auf Dauer finanziell nicht lohnen würde, beide Systeme parallel aufrecht zu erhalten, zumal die Preise für Altpapier immer weiter sanken. Vor drei Jahren zog sich die Firma Grumbach dann aus der Gemeinde zurück.

962 Tonnen in Privat-Behältern, 233 in Containern

Seitdem fährt die „GWA Kommunal“, an der Bönen gemeinsam mit dem Kreis Unna, Holzwickede und Kamen beteiligt ist, den Papiermüll im Ort ab. Der größte Anteil, 75 Prozent, fällt dabei laut Verwaltung bei der Straßensammlung – sprich in den privaten Tonnen – an. Im vergangenen Jahr waren das 962 Tonnen. Aus den Containern holten die GWA-Mitarbeiter 233 Tonnen Papier und Karton, mit erheblich größerem Aufwand. Die Sammelbehälter werden wöchentlich geleert, ein Kranwagen kommt dabei zum Einsatz. Vor allem sehr große Kartons und unhandliche Verpackungen sind in den Containern zu finden.

Dafür seien diese jedoch nicht ausgelegt, heißt es aus dem Rathaus. „Die Schlitze sind zu klein, sodass viele Kartonagen nicht hindurchpassen“, teilt die Verwaltung in einer Beschlussvorlage mit, über die die Mitglieder des Ausschusses für Planen, Bauen und Umwelt am Donnerstag, 4. Februar, beraten. Die Sitzung beginnt um 18 Uhr in der Aula des Marie-Curie-Gymnasiums

Zudem verstopften nicht zerkleinerte Kartonagen die Behälter. „Dies hat die Folge, dass das Altpapier neben oder auf die Depotcontainer gestellt wird und die Container durch die falsche Befüllung beschäftigt werden“, wissen die Verantwortlichen. Verschärft werde das Problem dadurch, dass sich nicht verhindern ließe, dass Gewerbetreibende illegal große Mengen Papier in den Behältern entsorgen.

Plätze verkommen zu wilden Müllkippen

Und schließlich werden die Container-Standorte immer wieder zu wilden Müllkippen. Regelmäßig beschweren sich Anwohner bei der Verwaltung über dort abgelegten Sperrmüll. „Diese Verschmutzung beeinträchtigt das Ortsbild negativ“, beklagen die zuständigen Mitarbeiter.

So, wie sich die öffentliche Altpapiersammlung entwickelt hat, führt sie also vor allem zu mehr Arbeit und Kosten. Neben der wöchentlichen Leerung reinigen Mitarbeiter des Bönener Bauhofes die Standorte regelmäßig. Im Schnitt werden dafür acht Stunden pro Woche und Mitarbeiter aufgewendet, rechnet die Gemeinde vor. Sie kommt so auf 830 Einsatzstunden pro Jahr, die mit Personalkosten in Höhe von rund 35.700 Euro einhergehen. Dazu kommen fast 22.400 Euro für das Fahrzeug und schließlich 82,45 Euro pro Tonne Entsorgungskosten durch die GWA. Bei der Leerung der privaten Papierabfallbehälter entstünden lediglich Kosten in Höhe von 64,53 Euro je Tonne.

Um das Problem zu lösen, schlägt die Verwaltung vor, ab kommendem Jahr auf ein reines Holsystem umzustellen. Die grauen Depotcontainer würden dann komplett aus dem Ort verschwinden, circa 700 weitere Papiertonnen den Haushalten zur Verfügung gestellt, die bisher darauf verzichtet haben.

Wertstoffhof nimmt weiterhin Altpapier an

Zwar würde sich dadurch voraussichtlich die Sammelmenge verkleinern, aufgrund der wegfallenden Kosten für die Container ginge die Rechnung aber auf. So schätzt die Gemeinde, im kommenden Jahr 60 Tonnen weniger Altpapier verkaufen zu können, wenn die Container abgezogen wurden. Sie geht von Entsorgungskosten in Höhe von 10.500 Euro für die Straßensammlung aus. Dem rechnet sie den Wegfall der Kosten für die Depotcontainer in Höhe von 16.900 Euro entgegen. Damit blieben 6000 Euro in der Gemeindekasse. Grundlage für diese Rechnung ist unter anderem die Erfahrung, die die Gemeinde Holzwickede gemacht hat. Dort wurden die Container bereits 2019/2020 abgeschafft.

Wenn der Gemeinderat dem Vorschlag nun zustimmt, die Depotcontainer abzuziehen, bleibt aber auf jeden Fall noch einer in Bönen stehen: Auf dem Wertstoffhof sollen die Menschen auch weiterhin ihre Kartons und Verpackungen kostenlos entsorgen können.

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