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Guljan Chymyldakova aus Kirgisistan hospitiert an Hammer Gymnasium

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Von: Sabine Pinger

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Die beiden Pädagoginnen verbindet nicht nur der Beruf, sondern vor allem das Interesse an internationalen Begegnungen.
Guljan Chymyldakova (links) wohnt während ihres Aufenthalts bei ihrer Kollegin Marion Trübiger in Bönen. © Pinger Sabine

 Wer ein Land und seine Menschen kennenlernen möchte, reist am besten dorthin. Ein solcher Austausch bereichert das Leben und das Lernen. Das stellt Guljan Chymyldakova jedes Mal fest. Bereits neun Mal war die Lehrerin aus Kirgisistan zu Gast in Deutschland – jetzt zum ersten Mal in NRW, in Hamm und Bönen.

Drei Wochen lang hat sie am Märkischen Gymnasium in Hamm die Gelegenheit, das deutsche Schulsystem näher kennenzulernen, Unterrichte zu besuchen und ihre Deutschkenntnisse zu verfeinern. Unterstützt wird sie dabei von ihrer deutschen Kollegin Marion Trübiger.

Die Bönenerin, die am Hammer Gymnasium Kunst unterrichtet, kennt den Pädagogischen Austauschdienst der Kultusministerkonferenz seit Langem. An ihrer ehemaligen Schule in Werne hat sie dadurch schon einige tolle Kontakte zu Kollegen aus aller Welt geknüpft, wie sie erzählt. Deren Besuche auch bei ihr zu Hause in Bönen, habe sie stets als Bereicherung empfunden. „Es wäre doch schön, wenn wir das hier ebenfalls hätten“, warb sie bei Schulleiter Florian Rösner für die Teilnahme des Märkischen Gymnasiums an dem Programm.

Der musste nicht lange überlegen. Schließlich wird an seiner Schule Internationalität gefördert. Austauschschüler aller Nationen sind dort etwa jederzeit willkommen, zum Beispiel über das europäische Erasmus-Programm. Zudem bekommen seit geraumer Zeit zugewanderte Kinder und Jugendliche in der „internationalen Klasse“ besondere Unterstützung, um schneller Fuß in der neuen Heimat zu fassen.

Ansprechpartnerin für ukrainische Schüler

Die Schüler dieser Klasse hat Guljan Chymyldakova inzwischen gut kennengelernt. „Es sind viele Schüler aus der Ukraine darunter“, erklärt die Deutschlehrerin. Geboren und aufgewachsen in der Sowjetunion spricht sie fließend Russisch – ebenso wie die meisten der jungen Ukrainer. „In ihrem Unterricht habe ich geholfen und übersetzt“, berichtet die 65-Jährige in nahezu fehlerfreiem Deutsch. Ansonsten hat sie sich weitere Schulstunden angesehen, zum Beispiel Deutschunterricht, aber auch Religion, Kunst sowie die „Denkmanufaktur“, das Selbstlernzentrum des Gymnasiums.

Begleitet wird sie während der Hospitation von Marion Trübiger. Bei ihr und ihrer Familie in Bönen wohnt Guljan Chymyldakova außerdem während ihres Aufenthalts. Die Trübigers haben schon häufiger ihre Türen für ausländischen Kollegen und Austauschschüler geöffnet. „Man erfährt jedes Mal etwas über deren Heimatländer. Ich hatte ja gehofft, mal kirgisisches Essen probieren zu können, aber Guljan kocht nicht so gerne“, verrät die Kunstlehrerin und lacht. Die beiden haben indes jede Menge andere Themen, über die sie sich austauschen können.

Und die Gemeinde, in der sie jetzt untergekommen ist, gefällt der Gastlehrerin gut. „Die Straßen sind sauber, die Häuser schön, und rundherum ist sehr viel Grün“, schwärmt sie. Außerdem sei es in Bönen viel ruhiger als in ihrer Heimatstadt Bischkek, der Hauptstadt Kirgisistans.

In Deutschland hat sie mittlerweile einiges gesehen: Zweimal hat sie einen Schüleraustausch begleitet, nach Calw in Baden-Württemberg und nach Bremen. Darüber hinaus hat sie an Schulen in Niedersachsen und Bayern hospitiert und eine Fortbildung im sächsischen Meißen besucht. Begeistert von ihren Besuchen war sie jedes Mal. „Es ist für mich eine Möglichkeit, mein Deutsch zu trainieren und zu erfahren, wie in Deutschland unterrichtet wird“, so Guljan Chymyldakova. Und nebenbei lernt sie Land und Leute kennen.

Für Deutschland und die deutsche Sprache interessiert sich die Pädagogin seit ihrer Jugend. „Deutsch war in der Schule meine erste Fremdsprache, und ich war eine fähige Schülerin“, berichtet sie. Nach dem Abitur entschied sie sich daher für ein Deutschstudium. „Fremdsprachen zu studieren war damals modern“, bemerkt die einstige Studentin mit einem Lächeln. Sie war während der Ausbildung besonders angetan von den Werken großer deutscher Autoren wie Goethe, Brecht und Mann.

Über die Geschichte der Bundesrepublik erfuhr sie zur Zeit des Kalten Krieges hingegen so gut wie nichts. „Wir haben nur die Geschichte der DDR gelernt“, gibt die 65-Jährige an. Erst als der Eiserne Vorhang fiel, Deutschland wieder vereint und Kirgisistan 1991 zu einem unabhängigen Staat wurde, änderte sich das. 2000 konnte Guljan Chymyldakova schließlich erstmals nach Deutschland reisen.

Zwei-Schicht-System an kirgisischer Schule

Vom Märkischen Gymnasium ist sie nun beeindruckt. „Die Schule ist riesig, die Ausstattung in den Räumen sehr gut, und es gibt hier so viele Schüler und Lehrer. Und alle haben Laptops!“ Ein großer Unterschied zu ihrer Schule daheim bestehe darin, dass am Hammer Gymnasium alle gleichzeitig unterrichtet werden. In Bischkek gibt es hingegen ein Zwei-Schicht-System: die Hälfte der rund 3000 Schüler kommt am Vormittag, die andere nachmittags. Für die Lehrer dort sind die Tage also ziemlich lang. „In Deutschland gibt es lange Pausen“, fällt der Kirgisin auf.

Ob und was sie für den Unterricht zu Hause aus Hamm mitnehmen kann, wird sie nach ihrer Rückkehr mit ihren Kollegen besprechen. Vorher will sie sich noch einiges ansehen. „Wir fahren zum Schulbuchverlag nach Dortmund, und anschließend geht es auf den Weihnachtsmarkt“, erzählt Marion Trübiger. Zudem ist eine Fahrt nach Köln geplant. Bevor Guljan Chymyldakova am Wochenende zurück nach Kirgisistan fliegt, möchte sie unbedingt den Kölner Dom sehen.

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