Nach Beschluss im Gemeinderat

Marktgilde übernimmt: Das sind die Pläne für den Wochenmarkt in Bönen

Textilhändler bestimmen das Bild des Bönener Wochenmarktes. Am Mittwoch waren viele der Händler wieder vor Ort, nachdem sie in den vergangenen Wochen häufig fehlten. Die Marktgilde will neue Händler für den Markt gewinnen.
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Textilhändler bestimmen das Bild des Bönener Wochenmarktes. Am Mittwoch waren viele der Händler wieder vor Ort, nachdem sie in den vergangenen Wochen häufig fehlten. Die Marktgilde will neue Händler für den Markt gewinnen.

Es hat eine Weile gedauert und mehrere Diskussionen gebraucht, bis der Gemeinderat am Ende mehrheitlich den Beschluss gefasst hat: Ab 1. April übernimmt die Deutsche Marktgilde den Wochenmarkt in Bönen. Und es ist gerade jetzt keine leichte Aufgabe, der sich die „Profis“ stellen wollen.

Bönen – Zwei Marktstände am Mittwoch vergangener Woche, gerade einmal sechs am zurückliegenden Samstag: Der Eindruck, den Niederlassungsleiter Martin Rosmiarek bei seinen jüngsten Besuchen in der Gemeindemitte bekommen hat, ist nicht besonders ermutigend. Doch der Prokurist ist optimistisch. „Wir sind guter Hoffnung, den Markt zu stabilisieren und nach vorne zu bringen“, sagt er. Immerhin können er und seine Kollegen auf reichlich Erfahrung zurückgreifen. Rund 120 Märkte in ganz Deutschland betreut die Marktgilde, seit 35 Jahren ist sie im Geschäft. Und daher weiß Rosmiarek auch, dass Manches Zeit brauchen wird.

„Am ersten Tag wird es keine großen Veränderungen geben“, kündigt er an. Lediglich an die Auf- und Abbauzeiten sollten sich die Verkäufer halten. Im Frühjahr und Sommer haben sie von 6 bis 7.30 Uhr zu Verkaufsbeginn Zeit für den Aufbau, ab 12.30 bis 14 Uhr für den Abbau. „Grundsätzlich sollten diese Zeiten eingehalten werden. Da geht es schließlich auch um Sicherheit.“ Während des Marktes sollten eben keine Fahrzeuge durch die Fußgängerzone fahren und Kunden und Händler dadurch gefährden. Im Einzelfall oder an den Randbereichen könne es aber Ausnahmen geben, so Rosmiarek.

Veränderungen nicht gleich am ersten Tag

Ihm geht es zunächst um eine Bestandsaufnahme. Zweimal war der Experte jüngst vor Ort und hat mit den anwesenden Händlern gesprochen. Viele waren es nicht – vermutlich corona- und witterungsbedingt. „Vielleicht kommen aber einige auch gar nicht mehr“, befürchtet der Prokurist. Sein Kollege will nun am Samstag erneut nach Bönen reisen und schauen, wer was in der Gemeindemitte anbietet. „Wir sind bestrebt, Kontakt zu den Stammhändlern aufzunehmen und sie über unsere Arbeitsweise und Konditionen zu informieren.“ Auch ihre Tipps und Wünsche wollen die Fachleute hören und darauf eingehen.

Besorgt waren die Marktbeschicker zunächst wegen der Standgebühren. Sie fürchteten, dass die Standgebühren nach der Übernahme durch die Marktgilde in die Höhe gehen. Dem sei aber nicht so, widerspricht Rosmiarek. „Die Gebühren sind mit 63 Cent pro Quadratmeter für Händler mit einer Dauerzulassung und 72 Cent für Tageshändler sogar geringer als vorher“, stellt er fest.

Seine Analysen zum Bönener Markt sind mehr als ein Jahr alt. Damals hatte sich die Marktgilde für die Übernahme beworben. Während in der Politik noch über das Für und Wider diskutiert wurde, brach die Corona-Pandemie über uns alle herein. Und die hat die Situation auf dem ohnehin vom Aussterben bedrohten Wochenmarkt nicht unbedingt verbessert. „Früher war das Ansinnen, möglichst viele Händler und Kunden auf dem Platz zu halten. Jetzt ist ein Verweilen nicht gewünscht.

Probezeit für neue Anbieter

Die Kunden sollen kommen, kaufen und wieder gehen. Der Markt selbst muss das Event sein. Alles andere ist zu unterlassen“, erklärt der Experte die Ausnahmesituation. Natürlich hofft er, dass sich dies wieder ändern wird und Sonderaktionen, die den Markt beleben könnten, wieder möglich sind. Denkbar ist für ihn einiges, zum Beispiel saisonale Angebote im Herbst und Frühjahr.

Im ersten Schritt benötigen Rosmiarek und die Gilde-Mitarbeiter aber einen genaueren Überblick, auch über die Händler, die regelmäßig in die Fußgängerzone kommen. Eine aktuelle Liste der Verkäufer bekommt die Genossenschaft aus Datenschutzgründen bei der Übergabe am 31. März nicht. „Wir müssen uns selbst mit den Gegebenheiten vertraut machen und auf dieser Basis aufbauen“, sagt Martin Rosmiarek. „Wir möchten erst mal ankommen und sehen, wo das Problem liegt.“ Eins könnte der Ruf sein, denn unter den Händlern spricht sich schnell herum, ob ein Markt lohnenswert ist oder nicht. Da es mittlerweile immer weniger Markthändler gibt, können sie sich aussuchen, in welchem Ort sie ihren Stand aufbauen. Die Standgebühr spiele da im Übrigen kaum noch eine Rolle, weiß der Experte. Die Umsätze müssen stimmen. So wetteifern die Märkte in der Umgebung miteinander.

Die Aufgabe der Marktgilde wird es also sein, Bönen konkurrenzfähig zu machen. „Wir müssen neue, passende Händler gewinnen. Wir haben auch schon Gespräche mit einem Bäcker und einem großen Obst- und Gemüsehändler geführt. Beide haben angegeben, Bönen einmal ausprobieren zu wollen.“ Für sie und weitere Interessenten bietet die Gilde „Probezeiten“ an, in denen sie den Markt, den Ort und natürlich die Kunden und deren Bedarf bei günstigen Konditionen kennenlernen können. „Wir werden sicher nicht auf Teufel komm raus alles verändern, sondern nur das, was sinnvoll ist“, verspricht Martin Rosmiarek. Ansätze dafür sieht er bereits.

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