Bönener Wochenmarkt

Marktgilde soll Sorgenkind Wochenmarkt wiederbeleben

Abstand halten fällt hier nicht schwer. Das Händler-Aufgebot auf dem Markt ist ausgedünnt, wenige Stände haben als Treffpunkt ihren Reiz. Kunden bleiben aus in der Abwärtsspirale. Die Marktgilde als Betreiberin und Marketing-Ideen des City-Managements sollen das umkehren.
+
Abstand halten fällt hier nicht schwer. Das Händler-Aufgebot auf dem Markt ist ausgedünnt, wenige Stände haben als Treffpunkt ihren Reiz. Kunden bleiben aus in der Abwärtsspirale. Die Marktgilde als Betreiberin und Marketing-Ideen des City-Managements sollen das umkehren.

Bönen – Nach zähem politischen Ringen ist es entschieden: Die Deutsche Marktgilde übernimmt von der Gemeinde die Regie des Wochenmarktes, an der Standgebühr von zwei Euro pro Quadratmeter wird bis dahin nicht gerüttelt. Mit der Übernahme, geplant ist das zum 1. März, macht die Gilde eine eigene differenziertere Rechnung auf, die Händler aber nicht ärger belasten soll. Dafür steuert die Gemeinde nächstes Jahr 9300 Euro Organisationszuschuss bei.

Bönen – So hat es der Haupt- und Finanzausschuss mit 12:7 Stimmen gegen den Willen der SPD dem Rat empfohlen. Beendet ist die Diskussion um die so traditionelle wie verlustbringende Veranstaltung im Siechtum damit kaum. Sowieso ist zu beobachten, ob die umstrittene Übertragung der Marktausrichtung auf das als eingetragene Genossenschaft firmierende Unternehmen hält, was die Verwaltung mit dieser Empfehlung verspricht – und die an 120 Orten tätige Firma selbst. Zumal vorgesehen ist, sich zunächst nur für zwei Jahre vertraglich zu binden (statt der üblichen fünf, so Fachbereichsleiter Jörg-Andreas Otte) und nach einem Jahr zu schauen, ob sich die erhoffte belebende Wirkung in Angebot und Nachfrage tatsächlich niederschlägt.

Die Kuh ist aber auch aus einem anderen Grund nicht vom Eis. Als Bönens neue City-Managerin hat Sabine Radig von der WFG mit einem engagierten Auftritt vor dem Planungsausschuss bei Ratsmitgliedern aller Couleur Eindruck gemacht – und angerissen, welche Gedanken sie sich zur Rettung des Marktes, so muss man es schon nennen, gemacht hat.

SPD ist irritiert

Das ist Wasser auf den Mühlen der SPD, die mit der Gilde seit über einem Jahr derart hadert, dass ihr die anderen Fraktionen vorhalten, eine Lösung zum Schaden des Marktes zu verhindern. „Wir sind irritiert“, setzte Ute Brüggenhorst auf der SPD-Bank unbeirrt zur neuerlichen Kritik an. „Wir haben gedacht, wir warten ab und greifen dann auf, was Frau Radig vorgeschlagen hat.“ So aber sei deren Mühe vergebens und eine Chance vertan.

„Was Frau Radig getan hat, war nicht umsonst“, hielt Bürgermeister Stephan Rotering (parteilos) dagegen. „Das schließt sich in keiner Weise aus. Wir werden diese Vorschläge dranhängen und mit der Marktgilde umsetzen. Wir haben doch alle das Ziel, einen überlebensfähigen Markt hinzubekommen.“

Welch rasante Talfahrt der Handel unter freiem Himmel allein nach den verwaltungstechnischen Kriterien erfährt, legt die Kalkulation der Gebühr offen: Das Angebot ist der Standfläche nach fast um die Hälfte weggebrochen. 2014 wurden in Summe noch für 11 597 Quadratmeter Standgebühr erhoben, 2019 waren es noch 6825. Das ist gewiss auch für die Händler nicht gut, reißt aber ebenfalls ein Loch in die Gemeindekasse.

„Schlimmer kann es nicht werden“

24 626 Euro Verlust sind im Vorjahr angefallen, dieses Jahr sieht es nicht besser aus, bei steigenden Kosten. Wollte man den Aufwand für all das 1:1 umlegen, müsste die Gebühr um Faktor 4 auf 7,95 Euro steigen. Das wäre der Genickbruch. So bleibt es bei zwei Euro in der Konsequenz, dass die Gemeinde hier 2021 unter Anrechnung offener Vorjahresdefizite 38 700 Euro zubuttert. Mit Antritt des neuen Betreibers würde die Gebührensatzung außer Kraft gesetzt. „Wir sollten der Marktgilde eine Chance geben“, appellierte Thomas Cieszynski (BgB) unter Zustimmung der Kollegen im Wahlbündnis. „Schlimmer als jetzt kann es gar nicht mehr werden.“

Fatal, „dass so lange Argumente zusammengeklaubt wurden, um die Entscheidung so weit aufzuschieben“, hielt Friedhelm Lange (Grüne) den Genossen vor. Entscheidend aber sei, „dass man da jetzt einkaufen geht. Da kann jeder etwas für den Markt tun.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare