Witterung sorgt für Einschränkungen

Pizzabote und Zeitungszusteller: Der Schnee erschwert die Arbeit vieler Bönener

Eine dicke Schneeschicht bedeckt die Bönener Bahnhofstraße.
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Der Bönener Winterdienst kam auch am Montag nicht hinterher: Kaum war die Bahnhofstraße freigeräumt, legte der fallende Schnee eine weitere Schicht auf den Asphalt.

Bönen – Die Kartons verführerisch duftender Pizzas stapelten sich am Sonntagabend in der Pizzeria Pippo. Obwohl durchaus hungrig, konnten viele Kunden die belegten Hefefladen nicht an der Bahnhofstraße abholen. Und auch den Lieferservice musste Inhaber Senol Gürkan zum Teil absagen. „Wir konnten nicht nach Lenningsen, Flierich oder Nordbögge fahren“, bedauert er.

Schon die Touren innerhalb der Ortschaft waren für seine Fahrer eine Tortur. „Die Bahnhofstraße war nicht geschoben, nicht gestreut. Da ging gar nichts mehr“, beschreibt der Restaurantbetreiber. Am Montagvormittag rechnete Gürkan ebenfalls nicht mit vielen Bestellungen und überlegte daher, seine Pizzeria an diesem Tag direkt wieder abzuschließen. „Es lohnt sich einfach nicht“, stellt der Bönener fest.

Das mit dem Lohnen ist seit Sonntag generell so eine Sache. Wer an den vergangenen Tagen pflichtbewusst seine Einfahrt oder den Bürgersteig vor seinem Haus freigeschaufelt hat, wird das bestätigen. Durch den beständigen Flockenfall und die teils heftigen Schneewehen ging die eben mühevoll freigelegte Fläche ruckzuck wieder im dichten Weiß in Weiß unter.

Und das gilt genauso für die öffentlichen Straßen und Wege. Alle verfügbaren Kräfte des Bönener Bauhofes sind seit Samstagabend damit beschäftigt, gegen die Schneemassen anzukämpfen. Inzwischen hat das Team auf ein Zwei-Schicht-System umgestellt, geräumt wird ab dem frühen Morgen und dann wieder von 15 Uhr bis in den Abend hinein. Eine „Räumpause“ gibt es nur zwischen 20 und 4 Uhr. Jeder der Bauhof-Mitarbeiter, der ein Räum- und Streufahrzeuge fahren kann und darf, ist während seiner Dienstzeit damit unterwegs. Das komplette Personal ist für den Winterdienst eingeteilt. „Ich kann mich nicht daran erinnern, wann wir das das letzte Mal hatten“, überlegt der zuständige Fachbereichsleiter Robert Eisler.

Bauhofleiter Dennis Borkowiak hat eine solche Situation während seiner Zeit als Mitarbeiter der Gemeinde jedenfalls noch nicht erlebt – und das sind immerhin 20 Jahre. „Die Schneedecke auf der Straße ist inzwischen so festgefahren, dass sich darunter eine zehn Zentimeter dicke Eisschicht gebildet hat. Wie wir die jetzt wegbekommen sollen, wissen wir noch nicht.“

Ausnahmezustand in der Gemeinde

Dafür, dass das gelingt, geben er und seine Kollegen aber alles. „Wir sind den ganzen Tag im Einsatz, streuen und schieben, wo es nur geht“, versichert er. Der Bauhofleiter hofft, dass sich die Lage entspannt, wenn es aufhört zu schneien. Das war am Montag jedoch nur kurzzeitig der Fall. Deshalb war es für Borkowiak auch wenig sinnvoll, „Hand-Kolonnen“ zu Fuß auf den Weg zu schicken. Der nahezu lückenlose Schneefall machte die Arbeit der Mitarbeiter, die mit Schaufel und Streusalz gegen Eis und Schnee vorgehen, umgehend wieder zunichte.

„Ab Dienstag soll es nicht mehr schneien“, hofft Eisler, dass diese Mühen dann länger Bestand haben. Solange es weiter vom Himmel rieselt, sei es aber schwierig, die Straßen schneefrei zu halten. „Das ist ein Ausnahmezustand“, so der Verwaltungsmitarbeiter.

Die Mülltonnen wurden am Montag und Dienstag in Bönen nicht geleert. Das soll am Samstag nachgeholt werden.

Das kann Norbert Kautzok unterstreichen. Kurz nachdem die Räumfahrzeuge der Gemeinde am Montagmorgen vom Bauhof an der Bachstraße aufgebrochen sind, ist auch er aufgestanden. Sein erster Blick ging aus dem Fenster, der zweite zum Telefon. Für den Zusteller des Westfälischen Anzeigers ist es schließlich wichtig, sich ein Bild von der aktuellen Situation zu machen. „Gegen kurz nach 4 Uhr habe ich die zuständige Ansprechpartnerin beim WA angerufen und gefragt, ob die Auslieferung funktioniert hat“, erzählt er. Sollte diese sich nämlich mal verzögern, bekommen er und seine Kollegen sofort eine Nachricht vom Verlag.

Das war nicht der Fall. So wie Kautzok erfuhr, lagen die Zeitungen, die er zu den Lesern bringen sollte, pünktlich an gewohnter Stelle parat. Also schlüpfte der Nordbögger in die warme Jacke und ausnahmsweise in festes Schuhwerk – „normalerweise trage ich Joggingschuhe“ – und machte sich auf den Weg. Hilfreich dabei: „Unser Auto hat Allrad.“ Immerhin ist Kautzok für den Bezirk Bramey, Lenningsen und Flierich zuständig und muss in den Ortsteilen etliche Nebenstraßen anfahren. Die stehen auf der Prioritätenliste des Winterdienstes nicht unbedingt oben.

Geschafft hat Norbert Kautzok seine Arbeit und alle Zeitungen ordnungsgemäß zugestellt. Nur vor ein, zwei außerhalb liegenden Höfen kapitulierte er. „Wenn die Wege zu sind, hat es keinen Zweck, es überhaupt zu versuchen“, weiß er aus langjähriger Erfahrung. In den frühen Morgenstunden mit dem Auto an abgelegener Stelle stecken zu bleiben, möchte er natürlich vermeiden. Ansonsten bahnte Kautzok sich unverdrossen seinen Weg durch den tief verschneiten Bönener Süden – obwohl dieser am Montagmorgen alles andere als leichtgängig war. „Bei manchen Leuten hat man gemerkt, dass sie noch nicht vor der Tür waren. Da waren die Treppen komplett zugeschneit“, berichtet er.

Zusteller ist nur 40 Minuten verspätet

Am schlimmsten seien jedoch die Schneewehen gewesen, die überall kleinere und auch größere Hindernisse aufgetürmt hätten. „Das war schon eine ziemlich holprige Angelegenheit“, fasst der Nordbögger zusammen. Dennoch hat er seine Runde angesichts der extremen Verhältnisse relativ pünktlich absolviert: „Etwa 40 Minuten länger als sonst war ich unterwegs.“

Das Verteilen der Tageszeitung ist für Norbert Kautzok ein Nebenjob. Früher war der Pensionär bei der Deutschen Post. „In all den Jahren habe ich nur ein einziges Mal nicht zugestellt. Da gab es Eisregen, die Straßen waren spiegelglatt, und die Post wollte nicht riskieren, dass sich ihre Mitarbeiter reihenweise die Knochen brechen“, erinnert er sich.

Die Verkehrsgesellschaft Kreis Unna (VKU) hat den kompletten Busverkehr im Kreis vorerst bis Dienstag, 13 Uhr, ausgesetzt. Auch die Gesellschaft für Wertstoff- und Abfallwirtschaft (GWA) Kreis Unna sagt die Müllabfuhr für Bönen, Holzwickede und Kamen am Dienstag noch einmal ab. Die ausgefallenen Touren am Montag und Dienstag sollen am Samstag, 13. Februar, nachgeholt werden. Die Unnaer Tafel beliefert aufgrund der aktuellen Situation derzeit nicht ihre Außenstellen. Dazu zählt auch die Ausgabestelle in der Awo-Tagesstätte am Eichholzplatz in Bönen. Deshalb fällt die Ausgabe dort am Dienstag, 9. Februar, aus.

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