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Bönener KAB-Vorsitzender Burkhard Schlottmann begrüßt die Initiative #OutInChurch

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Von: Sabine Pinger

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Mit der Initiative Out in Church wollen die Beteiligten zur Erneuerung der Glaubwürdigkeit und Menschenfreundlichkeit der katholischen Kirche beitragen
Mehr als 120 queere Menschen, die ehrenamtliche oder hauptberuflich für die katholische Kirche arbeiten, habe die Initiative „#OutInChurch - Für eine Kirche ohne Angst“ gestartet © Henning Kaiser

Ein Ort der Zuflucht will sie sein, ein Ort des Frieden. Und doch verbringen viele Menschen ihre Zeit in der Kirche mit Angst. Weil sie schwul oder lesbisch sind, bi- oder transsexuell. Sie fürchten, benachteiligt und angeprangert zu werden oder ihre Arbeitsstelle zu verlieren. Nicht der sexuellen Norm zu entsprechen, ist immer noch ein Tabu bei Deutschlands zweitgrößtem Arbeitgeber, der katholischen Kirche. Damit muss Schluss sein, sagt eine Initiative von mehr als 100 Kirchen-Mitarbeitern. Unter dem Motto „#OutInChurch – Für eine Kirche ohne Angst“ haben sie sich geoutet. Gut so, wertet das der Bönener KAB-Vorsitzende Burkhard Schlottmann.

Einer der Initiatoren ist der Hammer Pfarrer Bernd Mönkebüscher, den Burkhard Schlottmann persönlich kennt. „Ich stehe voll hinter dem, was er tut“, sagt Burkhard Schlottmann. Er selbst ist heterosexuell, seit vielen Jahren verheiratet, Familienvater. Diskriminierung hat er bisher weder als ehrenamtlich engagiertes Gemeindemitglied noch in seinen fast 40 Berufsjahren als Diözesansekretär der KAB, der Katholischen Arbeitnehmerbewegung, erlebt. Dass aber andere von „seiner“ Kirche dafür verurteilt und ausgegrenzt werden, dass sie nicht der starren Moralvorstellung entsprechen, an der der Vatikan seit Jahrhunderten festhält, trifft den Vorsitzenden der KAB Sankt Barbara. Gerade hat er die aktuelle ARD-Dokumentation „Wie Gott uns schuf“ gesehen.

„Es ist schwer, diese vielen Schicksale zu sehen“, stellt Schlottmann fest. Priester, Religionslehrer oder Mitarbeiter in der kirchlichen Verwaltung: Sie alle hätten sich über Jahrzehnte verstecken und ihre Liebe zu einer Frau oder einem Mann nicht dokumentieren können aus Angst, ihren Job zu verlieren.

Druck auch auf Geschiedene

Die Begründung der Kirche dazu stößt ihm besonders bitter auf. „Sie würden das Bild der katholischen Kirche verzerren, heißt es in etwa. Wenn man dann zugleich die Nachrichten aus München und Rom hört, fragt man sich doch, wobei das Bild mehr verzerrt wird: bei einer strafbaren Handlung oder einer normalen menschlichen Regung, nämlich der Liebe zu einem anderen Menschen“, spricht Burkhard Schlottmann die Missbrauchsfälle und die unrühmliche Rolle des emeritierten Papstes Benedikt XVI. bei der Aufarbeitung an.

Dabei wirft die katholische Kirche gerne den ersten Stein, wenn es um „Moral“ geht. „Ich weiß von einem Kollegen, dem vom Präses nahegelegt wurde zu kündigen, weil seine Ehe geschieden wurde“, erzählt Schlottmann. Und er kennt weitere, die auf eine zweite Ehe verzichtet haben – aus Angst vor einer Kündigung und dem Gerede der Leute.

KAB-Vorsitzender Burkhard Schlottmann (links) aus Bönen engagiert sich seit vielen Jahren in der katholischen Kirchengemeinde.
Burkhard Schlottmann (links) ist Vorsitzender der KAB Sankt Barbara Bönen-Heeren und war zudem rund 40 Jahre hauptberuflich Diözesansekretär der KAB. © Körtling

„Unsere Eltern und Großeltern hatten vielleicht noch eine andere Einstellung – selbst, wenn es natürlich auch damals schon Homosexuelle gab. Man muss nur daran denken, dass die seinerzeit nach Auschwitz deportiert wurden“, erinnert der Bönener an die schrecklichen Gräueltaten während der Nazi-Diktatur.

Toleranz und Offenheit in Bönen

Glücklicherweise habe sich die Welt verändert – und die Einstellung der Menschen. „Es wird höchste Zeit, dass sich in der Kirche etwas ändert, und es ist wichtig, dass sich etwas bewegt“, freut sich der Vorsitzende der KAB Sankt Barbara jetzt über die mutige Initiative der über 100 Kirchenmitarbeiter. „Jeder Mensch ist so wie er ist“, unterstreicht der gläubige Katholik die Aussage der Initiatoren.

In seiner eigenen Pfarrei Sankt Barbara Bönen-Heeren hat er bisher nicht erlebt, dass an irgendeiner Stelle diskriminiert wurde. „Natürlich gibt es hier und da immer noch ein paar Erzkonservative, für die die Zeit stehen geblieben ist, aber die meisten sind tolerant und offen“, so das Kirchenvorstandsmitglied. Das erlebt er auch in seinem Umfeld so. „Wir stehen auf jeden Fall voll und ganz hinter dem Regenbogengedanken.“

Der Regenbogen soll schließlich die Vielfalt von nicht heterosexuellen Lebensweisen darstellen und steht zudem für Aufbruch, Veränderung und Frieden. Burkhard Schlottmann vertritt das auch nach außen. Nicht nur auf seiner eigenen Facebook-Seite bezieht er Stellung. Sein Auto ziert seit geraumer Zeit ein Aufkleber, auf dem eine stilisierte Bischofsmütze in Regenbogenfarben und der Schriftzug „Change“ – auf Deutsch „Ändern“ – zu sehen ist.

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