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Christian Lüke wechselt vom Berliner Polizeidienst ins Bönener Rathaus

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Von: Sabine Pinger

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Christian Lüke tauschte die Polizeiwache in Berlin gegen das Bönener Rathaus
Der ehemalige Polizist Christian Lüke gehört jetzt als „Quereinsteiger“ zum Team des Bönener Ordnungsamtes © Pinger Sabine

 Auf das Warten vor dem geschlossenen Bahnübergang könnten wahrscheinlich die meisten Bönener sehr gut verzichten. Christian Lüke fällt das hingegen schwer. „Ich habe die Schranke vermisst“, sagt der 32-Jährige. Fast zwölf Jahre hat er in Berlin gelebt, jetzt ist er zurück in seiner Heimat, in Bönen. Seit 1. November ist er der Neue im Ordnungsamt der Gemeinde – und kann wieder vor der Schranke stehen.

Bönen - „Verwaltung gelernt“ hat Lüke nicht, jedenfalls nicht im herkömmlichen Sinn. Er war bisher Polizist, als junger Mann sein Traumberuf. Und das deutlich aufregendere Leben in der Hauptstadt hat ihn damals ebenfalls gereizt. „Das waren die jungen wilden Jahre“, sagt er und lacht. „Es war eine tolle Erfahrung, die ich auch nicht missen möchten. Doch nun wollte ich wieder nach Hause“, erklärt Lüke. Zuhause: Das ist für ihn nun mal die Gemeinde. „Ich habe Bönen immer im Herzen getragen. Und eigentlich war ich ja nie richtig weg. Ich hatte die ganze Zeit über meinen Zweitwohnsitz hier, meine Familie, meine Freunde.“ So hatte er allein privat schon einige Gründe für den Wechsel.

„Ich wollte mich außerdem beruflich noch mal verändern und mich weiter entwickeln“, gibt der neue Verwaltungsmitarbeiter an. Die spürbare Veränderung in der Gesellschaft, die zunehmende Aggression und Gewalt gegenüber Polizisten hätten ebenfalls eine Rolle bei seiner Entscheidung gespielt, wenn auch nur eine kleine. „Ich möchte mich gerne häuslich niederlassen, eine Familie gründen“, erzählt der 32-Jährige.

Christian Lüke schickte daher im vergangenen Jahr eine Initiativbewerbung ans Bönener Rathaus. „Ich habe mir die Gemeinde als Arbeitgeber ausgesucht. Es war die zweite Bewerbung, die ich in meinem Leben überhaupt geschrieben habe“, berichtet er. Dass die so gut ankam, freut ihn natürlich.

Beste Voraussetzungen mitgebracht

Es passte aber auch einfach, erklärt hingegen Fachbereichsleiter Jörg-Andreas Otte. Eine Mitarbeiterin des Ordnungsamtes war gerade in die Elternzeit gegangen, die Stelle vakant. Lükes Bewerbung kam somit gerade recht, und der junge Bönener war der perfekte Bewerber. „Fachlich ist er ganz weit vorne. Er bringt durch seine Ausbildung ähnliche Rechtsgrundlagen mit und setzt diese ganz hervorragend um. Außerdem bringt Herr Lüke eine große soziale Kompetenz mit. Es ist sehr angenehm, mit ihm zu arbeiten“, lobt Jörg-Andreas Otte seinen neuen Kollegen.

Statt in der Großstadt auf Streife zu gehen, sitzt der nun allerdings überwiegend am Schreibtisch. Sein Arbeitsschwerpunkt liegt beim allgemeinen Orts- und Gewerberecht. „Ab und zu gibt es auch mal Außentermine, zum Beispiel bei einer Gefahrenstelle, bei der man sich die Sachlage vor Ort ansehen und Sofortmaßnahmen einleiten muss“, schildert er. So war er etwa schon beteiligt, als es galt, gemeinsam mit der Bezirksregierung ein in Bönen ansässiges Unternehmen daraufhin zu kontrollieren, ob dort die Corona-Schutzverordnung eingehalten wird. Weit weg von der Polizeiarbeit war das sicher nicht. „Sachverhalte prüfen, mit den Leuten reden und Sachen aufklären, das ist tatsächlich recht ähnlich“, stellt Christian Lüke fest

Im Bönener Rathaus nimmt er des Weitern Anregungen und Beschwerden von Bürgern entgegen, koordiniert die Einsätze des Ordnungsdienstes und erledigt etliche weitere Verwaltungsaufgaben. „Es ist ein buntes Potpourri an Aufgaben – sehr abwechslungsreich“, ist Lüke mit seinem neuen Job offenbar rundum zufrieden. „Und im Grunde kämpfe ich ja weiter für die gleiche Sache: für die öffentliche Sicherheit und Ordnung.“

Umstellung leicht gefallen

In Berlin war er zuletzt als Streifenbeamter auf einer Polizeidienststelle in Stadtteil Charlottenburg eingesetzt. Zuvor gehört Christian Lüke zu einer Hundertschaft, war immer dann im Einsatz, wenn es gefährlich werden konnte, beispielsweise bei Fußballspielen, Demonstrationen und Ähnlichem. „Angefangen habe ich im mittleren Dienst, dann aber vor ein paar Jahren noch einmal studiert und meinen Bachelor gemacht. Dadurch bin ich in den gehobenen Dienst aufgestiegen.“

Dass er das durchaus anspruchsvolle Studium erst auf sich genommen und dann doch die Polizeilaufbahn aufgegeben hat, ist für ihn kein Widerspruch. „Geschadet hat es mir auf keinen Fall. Und ohne das Studium hätte es mit der Stelle bei der Gemeinde nicht geklappt“, weiß Christian Lüke. Das Studium für den gehobenen Dienst war nämlich Voraussetzung für die Stellenbesetzung. „Es hat also alles seinen tieferen Sinn.“

Demnach auch die Schranke, die Christian Lüke in Berlin vermisst hat. „Ich habe dort als Polizist viel kennengelernt, und die Probleme, über die die Leute hier oft meckern, sind klein dagegen. Ich will diese Probleme nicht herunterspielen. Für diejenigen, die es betrifft, sind sie sicher gravierend. Aber nachdem, was ich in Berlin erlebt habe, gehe ich viele Dinge eben ruhiger und gelassener an“, beschreibt der Bönener. Vor der geschlossenen Bahnschranke zu stehen belastet ihn nach vielen Jahren im Hauptstadtstau jedenfalls nicht mehr. Berlin – das sei immer Hektik gewesen. „Bönen ist dagegen ruhig. Es ist angenehm, hier zu leben. Alles ist familiärer, man kennt sich.“ Er habe lange darüber nachgedacht und sich dann ganz bewusst dafür entschieden, in die Gemeinde zurückzukehren. Dass er das Haus seiner Großeltern übernehmen konnte, hat ihm den Entschluss noch leichter gemacht.

Die Umstellung ist ihm leicht gefallen – auch beruflich. „Ich wurde sehr nett von den Kollegen aufgenommen. Es macht riesigen Spaß hier zu arbeiten, und das Betriebsklima ist super.“

Gemeinde setzt auch künftig auf Quereinsteiger

Das einzige, was er gelegentlich vermisst, ist das Blaulicht auf dem Dach, wie er mit einem Augenzwickern erzählt. Das hat er allerdings auch als ehrenamtliches Mitglied der Bönener Feuerwehr regelmäßig. Seit seiner Jugend ist Christian Lüke bei den Rettern aktiv und war während der gesamten Zeit in Berlin weiterhin mit dabei, sofern er gerade auf „Heimatbesuch“ war. „Den Melder habe ich nie abgegeben.“ Jetzt ist er voll und ganz verfügbar, wenn Feuerwehrleute zum Notfall gerufen werden. Dass er nun zentral in der Gemeindemitte arbeitet und somit sogar tagsüber erreichbar ist, ist ein weiterer Vorteil der neuen Stelle. „Mein Arbeitgeber trägt mein Ehrenamt dabei voll mit“, ist der ehrenamtliche Feuerwehrmann dankbar dafür.

Für die Gemeinde ist Christian Lüke auf jeden Fall ein Gewinn, findet Jörg-Andreas Otte. „Wir haben überhaupt bisher gute Erfahrungen mit Quereinsteigern gemacht und werden auch in Zukunft weiter darauf setzen“, erklärt der Fachbereichsleiter. „Es kommt schließlich in erster Linie auf den Menschen an, darauf, dass er Lust auf die Aufgabe hat. Fehlende Qualifikationen lassen sich gegebenenfalls noch nachholen. Es gibt viele Möglichkeiten.“

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