Sanierung gibt Vorgeschmack auf Tunnel-Projekt

14 Tage ungeteiltes Bönen: Bahnschranke bleibt wegen Gleisbauarbeiten ab 9. April offen

Jetzt aber flott, gleich ist sie zu! Das möchte man aus Erfahrung der Frau auf dem Weg zur Schranke hier zu rufen. Aber vom 9. bis 23. April kann sich Bönen entspannen: Die Schrankenbäume senken sich gar nicht.
+
Jetzt aber flott, gleich ist sie zu! Das möchte man aus Erfahrung der Frau auf dem Weg zur Schranke hier zu rufen. Aber vom 9. bis 23. April kann sich Bönen entspannen: Die Schrankenbäume senken sich gar nicht.

Die DB bringt ihr Streckennetz mit einer milliardenschweren Infrastruktur-Offensive auf Vordermann, das beschert der Bönen drei neue Weichen und 5,4 Kilometer neues Gleis im Bahnhof - und eine außergewöhnliche Erfahrung:

Bönen – Stell’ dir vor, du kommst an Bönens Glück-Auf-Schranke – und die geht gar nicht zu! Nicht jetzt, nicht gleich, weder heute, noch morgen. Kein Drüberhuschen, kein Fluchen, mal wieder festzustecken. Zumindest für ein paar Tage wird der Traum vom ungeteilten Bönen wahr – Jahre, bevor das leidige Hindernis in der Mitte mit dem endlich konkret in Aussicht stehenden Tunnel einmal beseitigt ist.

Übergang Schwarzer Weg gesperrt

Von Freitag, 9. April, 21 Uhr, bis Freitag, 23. April, 21 Uhr, währt dieser besondere Moment. Dass der so minutiös benannt werden kann, liegt daran, dass dem Ganzen eine Vollsperrung der zweigleisigen Strecke zugrunde liegt. Streng nach Fahrplan wird der unbeschränkte Seitenwechsel auf der Lebensader Bahnhofstraße möglich. Am Schwarzen Weg heißt es dafür aber: Schranke zu, bis der Bautrupp abrückt. Die Arbeiten gehen dort über diesen Bahnübergang hinaus.

Für Anwohner, autofahrende Pendler und alle Bürger hat es also sein Gutes, dass die Bahn hier drei Weichen und rund 5,4 Kilometer Gleis im Bahnhof Bönen erneuern muss. Die Kehrseite erfahren die Fahrgäste auf der Strecke Unna-Hamm durch den zeitweisen Umstieg in den Bus oder auf Umwegen im Schienenverkehr.

Ohne Lärm wird‘s nicht gehen

Im Rahmen einer Sanierungsoffensive mit der Rekordsumme von 12,7 Milliarden Euro für 2021 bundesweit lässt es die DB über ihr NRW-Programm mit 1,86 Milliarden Euro in Bönen nicht nur rhetorisch krachen: Rund 8100 Schwellen, 10,5 Kilometer Schienen, drei Weichen und 16 300 Tonnen Schotter werden in der örtlichen Maßnahme für 5,7 Millionen Euro angepackt. Weil sich das nicht geräuschlos bewerkstelligen lässt, bittet das Unternehmen vorsorglich schon mal um Verständnis für die Begleitmusik aus dem Baufeld.

Baulärm wird nach Mitteilung der DB-Pressestelle NRW an etlichen Stellen im Lande ertönen. Geplant ist, insgesamt 210 Kilometer Gleise, 420 Weichen und zehn Brücken anzupacken und 140 Haltepunkte und Bahnhöfe aufzuhübschen.

Auswirkungen im Fahrplan

Die Züge der RE 7 (Rheine – Krefeld) fallen in beiden Richtungen zwischen Hamm und Unna aus, ersatzweise verkehren Busse. Gleiches gilt für den RE 13 (Hamm – Venlo) zwischen Hamm und Holzwickede, es pendeln Busse zwischen Hamm und Unna. Nach Holzwickede geht’s erst drei Tage später weiter: Ab Montag, 12. April, stehen zwischen Unna und Holzwickede zudem die Züge der Linie RB 59 (Dortmund – Soest) zur Verfügung. Zuvor fällt diese Linie wegen Weichenarbeiten vom 8. bis 12. April zwischen Holzwickede und Soest aus; ersatzweise fahren Busse. Die Fernzüge der Linie Bonn – Köln – Wuppertal – Hagen – Hannover – Berlin werden zwischen Hagen und Hamm umgeleitet, die Fahrtzeit verlängert sich um bis zu 15 Minuten. Einzelne Züge beginnen/enden in Köln, der Halt in Bonn entfällt, es gibt Anschlussverbindungen. Um die Auswirkungen gering zu halten, bündelt die DB weitere Arbeiten. Da der RE 11 aufgrund der Arbeiten an Gleis 11/16 von Juli ‘21 bis Ende 2022 nicht in Dortmund Hbf. halten kann, werden die Züge über Unna und Soest umgeleitet. Dafür verlängert die DB am Bahnhof Unna die Bahnsteige an den Gleisen 1, 2 und 4, damit die langen RRX-Züge der Linie RE 11 dort halten können. Für einen stufenfreien Zugang zum Zug werden die Bahnsteige zudem erhöht. www.bauinfos.deutschebahn.com

Frage ans Rathaus: Wo steht Bönens Jahrhundertprojekt Bahntunnel zurzeit? Mit der veränderten Finanzierung ohne Drittelanteil der Gemeinde und dem Durchbruch bei den vom Rat gutgeheißenen Planungsvereinbarungen soll es ja voran gehen. Antwort Robert Eisler: „Die Planungsvereinbarung ,Barrierefreier Ausbau des Bahnhofes’ mit Verbreiterung und Durchstich ist zwischen den Parteien (Nahverkehrsverband Westfalen-Lippe, DB Station & Service und Gemeinde) endabgestimmt und wird nun juristisch seitens der DB überprüft. Damit wird nach Umsetzung der Maßnahme die Schranke für Fußgänger und Fahrradfahrer kein Hindernis mehr sein.“

Mitte des Jahres Skizzen für Personentunnel

Zur besseren städtebaulichen Integration und anschaulichen Darstellung, so der Fachbereichsleiter, habe die Verwaltung das Büro Bläser, Jansen, Partner (Dortmund) mit Entwürfen beauftragt. Mitte des Jahres könnten erste Ergebnisse vorliegen und nach den Ferien in den Gremien des Rates vorgestellt werden. Parallel erstelle die Bahn Pläne, in denen auch die endgültige Lage des separaten Tunnels für Fußgänger und Radler im Bahnhof festgelegt werde. Das sei maßgeblich für „unsere Planung der Rampenanlage und Bahnhofsumfeldgestaltung.“ Dazu glichen die Büros ihre Ergebnisse ab, „damit das Gesamtprojekt funktional, technisch umsetzbar und städtebaulich attraktiv wird“ – und hübsch im Kostenrahmen bleibt. Dazu gleich mehr.

Planungsauftrag für Auto-Tunnel absehbar

Die Planungsvereinbarung zur Beseitigung des Bahnübergangs, so Eisler, „ist ebenfalls textlich abgestimmt, aktuell werden die notwendigen Planwerke, soweit bereits vorhanden, ergänzt. Die juristische Prüfung seitens der DB hat bereits stattgefunden, sodass hier die Unterzeichnung kurzfristig erfolgen wird.“

Vorhaben kostet etliche Millionen Euro

Wenn das geschafft ist, kann die Gemeinde die nächsten Schritte bis zur Genehmigungsplanung auf den Weg bringen. Dafür geht Bönen mit geplanten 460 000 Euro in Vorleistung. Danach werden happigere Beträge aufgerufen: Geschätzte 18,5 Millionen für den Kfz-Tunnel. 5,5 Mio. gesamt für die Personenunterführung samt barrierefreiem Ausbau Bahnsteige; davon aufseiten der Gemeinde für Durchstich und Verbreiterung 1,4 Millionen plus Rampe/Treppe Oststraße 2,4 Millionen Euro. Nach Ostern kann jeder probeweise erleben, wie sich das auf Dauer auszahlen wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare