Amtsgericht legt Bönener das Handwerk

Dauerkarten verkauft, die‘s gar nicht gibt: Betrüger prellt BVB-Fans um Zehntausende Euro

Den Traum vom Stadionbesuch nutzte ein Mann aus Bönen schamlos aus.
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Den Traum vom Stadionbesuch nutzte ein Mann aus Bönen schamlos aus.

Eine ganze Saison live bei den Spielen im Stadion dabei – der Traum aller BVB-Fans. Doch für einige von ihnen, die sich diesen Traum erfüllen wollten und dafür viel Geld investierten, endete das mit einer bitteren Enttäuschung. Sie wurden Opfer eines Betrügers.

Unna/Bönen – Der Bönener, umfangreich und einschlägig vorbestraft, ein Mann mit Hafterfahrung, wusste genau, wie er sich die Leidenschaft der Fußball-Fans zunutze machen konnte. Unter anderem über Ebay offerierte er ab Mai 2017 BVB-Dauerkarten mit und ohne „Stadiondeckel“, mit dem im Stadion das Bier und die Bratwurst bezahlt werden. Etliche Kunden gingen ihm auf den Leim, zahlten und erhielten nichts. Insgesamt konnte er mit seiner Masche knapp 87.000 Euro einstreichen, von denen er bislang maximal 10.000 Euro zurückzahlte.

Borussia Dortmund
gegründet1909
StadionSignal Iduna Park

Hinzu kamen eine Einbauküche im Wert von rund 16.000 Euro und eine Reise nach Gran Canaria für 2500 Euro. In beiden Fällen, so der weitere Vorwurf, blieben die Rechnungen offen, bis seine Familie dafür aufkam. Darüber hinaus saß der 36-Jährige hinter dem Steuer, obwohl er keinen Führerschein besaß.

Verfahren mehrmals ausgesetzt

Einmal aufgeflogen, stellte der Mann aus Bönen die Geduld des Unnaer Schöffengerichts in jeder Hinsicht auf eine harte Probe. Anfang September sollte die Sache erstmals vor dem Amtsgericht Unna verhandelt werden. Von dem 36-Jährigen fehlte jede Spur. Ein Haftbefehl erging und er entschuldigte sich mit einem Aufenthalt im Krankenhaus. Auch deutete er ein Geständnis und somit den Umstand an, dass keine Zeugen benötigt würden. Umso böser die Überraschung, als ein zweiter Prozesstermin für Ende Oktober anberaumt wurde, in dem er plötzlich schweigen wollte.

Das Verfahren musste daraufhin erneut ausgesetzt werden. Ende November startete dann der dritte Anlauf – wieder mit einem stummen Angeklagten und mit etlichen geprellten BVB-Fans als Zeugen, die sich die Klinke förmlich in die Hand gaben. Unter ihnen beispielsweise ein Mann, der 16.000 Euro zahlte, um mit seinen Söhnen und manchmal auch mit deren Freunden ins Stadion gehen zu können. Ihm schwindelte der Bönener vor, dass er die Karten noch nicht habe beschaffen können, weil er sich um seine kranke Mutter habe kümmern müssen. Der Geschädigte hatte so viel argloses Mitleid, dass er ihm sogar noch ein Parfüm für die vermeintlich erkrankte Frau Mama vorbeibrachte.

Und dann gesteht er doch ...

Nun wurde die Verhandlung mit weiteren Zeugen fortgesetzt und der 36-Jährige schwieg zunächst weiter. Dann stellte er über seinen Verteidiger einen Beweisantrag, in dem es darum ging, dass eine Person aus Dortmund der eigentliche Hintermann der Betrügereien sei. Bei dem Mann habe er das Geld der Fans abgeliefert und habe dafür höchstens mal Saison- oder Einzelkarten erhalten. Der Bönener wurde daraufhin im Gerichtssaal festgenommen. Der Grund: Verdunklungsgefahr. Danach waren zwei Rechtsgespräche und Unterredungen zwischen ihm und seinem Anwalt nötig, um ihn einlenken zu lassen. Nun räumte er alle Vorwürfe ein und gab sogar zu, mit dem Auto und ohne Führerschein zum Gerichtstermin gefahren zu sein. Das erschwindelte Geld habe er verspielt oder in Einkäufe investiert.

Die Anklagepunkte rund um die Einbauküche und die Reise wurden mit Blick auf die zu erwartende Strafe eingestellt. Und die fiel deutlich aus: drei Jahre und neun Monate Haft, drei Jahre Sperrfrist zur Erteilung einer Fahrerlaubnis und den Schaden soll er auch gutmachen. Es sei moralisch auf unterer Stufe, was der Bönener getan habe, wie er Leute betrogen habe, die sich und zum Teil ihren Kindern einen Lebenstraum mit einer Saisonkarte hätten erfüllen wollen, so die deutlichen Worte von Richter Jörg Hüchtmann.

Betrüger im Netz lassen sich einiges einfallen, um ihre Kunden abzuzocken. Gefahr lauert bei beliebten Artikeln wie der neuen Playstation 5. Rund um den Black Friday hat die Polizei vor Betrugsmaschen und Fake-Shops gewarnt.

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