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Hohe Spritpreise ärgern nicht nur Kunden, sondern setzen auch dem Tanke-Betreiber zu

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Von: Jan-Niklas Dalley

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Silke Schnieber sieht die steigenden Spritpreise gelassen. Sie tankt nur, wenn der Tank auch wirklich leer ist.
Silke Schnieber sieht die steigenden Spritpreise gelassen. Sie tankt nur, wenn der Tank auch wirklich leer ist. © Dalley

Das Wehklagen über steigende Spritpreise ist keineswegs nur ein weit verbreitetes Phänomen unter den Kunden. Auch die Betreiber haben wegen der Verteuerungen zu knapsen. Das berichtet jedenfalls der Betreiber einer hiesigen Station.

Bönen – An der Zapfsäule müssen Autofahrer derzeit ein dickes Portemonnaie mitbringen und starke Nerven haben. Mit dem Jahreswechsel und danach sind die Preise für Kraftstoffe nochmals gestiegen. Das sorgt nicht nur für Unmut bei den Kunden, sondern führt nach Angaben eines hiesigen Betriebes auch zu einem Umsatzeinbruch an der Tankstelle selbst. An der Esso-Station machen sich die hohen Spritpreise dergestalt bemerkbar: „Die Umsätze sind stark zurückgegangen. Der Preiskampf trägt dazu bei“, erklärt der Betreiber der Zapfstation, Helebi.

Weniger „Mitnahmeeffekt“ in der Kasse

Ein Grund für die steigenden Spritpreise ist die Ökosteuer, die seit Anfang des Jahres 2021 erhöhter Kostenfaktor ist und zu Beginn diesen Jahres noch einmal erhöht wurde. Lassen einige Autofahrer angesichts der Spritpreise ihr Auto stehen? Das kann Helebi nicht sagen, er erklärt sich den gesunkenen Umsatz seiner Tankstelle noch mit einer anderen Theorie. Er vermutet, dass viele Bönener zurzeit wegen der Pandemie im Home-Office arbeiten und dementsprechend weniger Benzin oder Diesel verbrauchen. Gleichzeitig sei deshalb der Verkauf von Zeitschriften, Snacks und weiteren Artikeln zurückgegangen. „Da greift eins ins andere“, meint Helebi

Zum Glück gibt‘s Stammkunden

Immerhin; Auf die Stammkunden sei Verlass. Obwohl diese zum Teil 1,80 Euro für den Liter Benzin bezahlen müssen, blieben sie der Tanke treu, wie Helebi berichtet: „Die Tankstelle gibt es schon Ewigkeiten in Bönen. Die Kunden kommen gerne.“

Pächter hat kaum Einfluss

Doch es gibt noch einen anderen Grund, warum Verbraucher an der Säule einen deutlichen Preisaufschlag zu spüren bekommen. In den vergangenen Monaten ist der Preis für Rohöl deutlich gestiegen. Diese Entwicklung reichen Raffinerien und Ketten an den Verbraucher weiters. Die Pächter und Betreiber der Tankstellen haben dagegen kaum Einfluss auf die Kraftstoffpreise. Offenbar wissen das viele Bönener. Die Kunden ließen nur selten ihren Frust über die Verteuerung am Personal an der Kasse ab. „Ab und zu kommt schon ein Kommentar“, gesteht Helebi aber ein.

Vielfahrer haben‘s gerade schwer

Und was sagen die, die gestiegenen Preise bezahlen müssen? Das Stimmungsbild zu den hohen Spritpreisen ist bei den an der Zapfsäule befragten Bönenern unterschiedlich. Mit „schrecklich“ kommentiert Gabriele Fernandez die aktuelle Situation. Die Pendlerin ist auf ihr Auto angewiesen: „1500 Kilometer fahre ich pro Woche“, verrät sie. Inzwischen tankt sie nicht mehr auf der Autobahn, da dies dort noch teurer ist. Dass sich in der nächsten Zeit etwas an der Situation ändert, glaubt sie nicht und vermutet: „In den nächsten sechs Monaten werden die Preise nicht sinken.“

Auch Thorsten Wiesner legt mit seinem Auto längere Strecken zurück. „Als Unternehmer ist man drauf angewiesen. Wenn man weite Strecken fährt, kommt da einiges zusammen“, hält er fest. Er findet die aktuellen Preise zu hoch.

„Schaue nicht mehr auf Preise“

Silke Schnieber geht mit Preisentwicklung etwas gelassener um als die anderen Kunden: „Man kann es nicht ändern. Inzwischen schaue ich gar nicht mehr auf die Preise.“ Deshalb fahre sie erst dann zur Zapfsäule, wenn der Tank leer ist und nicht wenn der Kraftstoff etwas günstiger ist als sonst. Beim Preisansturm hinter mehreren Autos zu warten, sehe sie nicht ein: „In die lange Autoschlange stelle ich mich nicht mehr.“

„Ärmeren geht es schlechter“

Ein Bönener, der hier namentlich nicht genannt werden möchte, achtet ebenfalls nicht auf die jeweiligen Spritpreise. „Ich tanke einmal im Monat. Was bezahlt werden muss, muss bezahlt werden“, erzählt er. Ob am Ende 50 oder sogar 70 Euro auf der Anzeige an der Zapfsäule stehen, lasse ihn gleichgültig. „Solange es uns noch gut geht, ist mir das egal. Da geht es Ärmeren deutlich schlechter.“

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