Das sagen Bönener zur Verlängerung der Corona-Schutzmaßnahmen

„Wir wollen alle unser normales Leben zurück“

Der Lockdown wird erneut verlängert
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Der Lockdown wird vorerst bis in den Februar hinein verlängert. Viele Bönener verstehen diese Entscheidung.

Bönen – Die Infektions- und vor allem die Todeszahlen sind zurzeit deutlich höher als im Frühjahr 2020. Dennoch fällt es den Menschen offensichtlich immer schwerer, die Schutzmaßnahmen zu akzeptieren und sich daran zu halten. Auch viele Bönener wünschen sich Lockerungen, halten die Verordnungen aber weiterhin für sinnvoll.

Thomas Cieszynski, Justizvollzugsbeamter: Ja, ich denke, sie sind notwendig, auch wenn ich es in vielen Bereichen natürlich leid bin. Andere Möglichkeiten, wie zum Beispiel die schwedische Variante, die inzwischen gescheitert ist, sind oft nur darauf ausgelegt, Risiko-Gruppen zu schützen. Aber es gibt ja nun mal keine Garantie dafür, wie die Krankheit verläuft, auch nicht für diejenigen, die nicht zur Risikogruppe gehören. Ich habe in meinem persönlichen Umfeld schon alles Mögliche erlebt, von keinerlei Symptomen bis hin zu schwersten Verläufen, ohne dass Vorerkrankungen vorlagen. Deshalb sind die Maßnahmen wohl unumgänglich. Allerdings habe ich das Gefühl, dass wir mit vielen Dingen im Regen stehen gelassen werden, Stichwort Kinderbetreuung. Natürlich kann man die Kinder in die Notbetreuung geben, aber davon wird abgeraten. Es ist sehr schwierig, da eine Lösung zu finden. Und die Ausstattungen an den Schulen sind auch noch nicht so, dass man von einem echten digitalen Unterricht sprechen kann, selbst wenn alle ihr Bestes geben. Die wirtschaftlichen Folgen lassen sich noch gar nicht absehen. Das alles hat Konsequenzen.

Thomas Cieszynski ist zwar vieles leid, ist aber davon überzeugt, dass die Maßnahmen notwendig sind.

Jan-Niklas Dalley, Student: Ich bin zwiegespalten. Ich sehe ein, dass wir uns nach wie vor in einer Ausnahmesituation befinden, aber ich glaube, wenn sich die Leute ohnehin nicht an die Regeln halten, dann bringt auch eine Verschärfung nichts. Ich sehe selbst, dass sich die Leute nach wie vor mit mehreren anderen treffen, Silvester zum Beispiel. Das ist nicht gerade zielführend. Ich stelle aber auch bei mir selbst fest, dass es mir immer schwerer fällt, mich daran zu halten, und dass ich dünnhäutiger werde, weil mir die sozialen Kontakte, zum Beispiel beim Sport, fehlen. Die Verlängerung des Lockdowns finde ich nicht super, ich würde gerne wieder Sport machen oder mich mit Kollegen treffen, um zum Beispiel zusammen Fußball zu gucken. Ich sehe aber ein, dass das noch nicht machbar ist.

Jan-Niklas Dalley kann es kaum erwarten, endlich wieder Fußball spielen zu dürfen.

Jolante Stammen-Kniejski, Einzelhändlerin: Es ist eine kritische Situation, und ich verstehe voll und ganz, dass etwas getan werden muss. Die Maßnahmen sind zum Teil aber sehr ungerecht geregelt. Vieles versteht man einfach nicht. Kleine Läden, wie ich ihn habe, dürfen nicht geöffnet sein, aber auf dem Markt dürfen die Händler ihre Textilien verkaufen. Und Blumen sind auch nicht lebensnotwendig. Warum dürfen die Blumenläden dann öffnen? Die großen Läden wie zum Beispiel Real dürfen alles verkaufen, Kleidung und Spielzeug zum Beispiel. Ich finde, diese Bereiche müssten in den Geschäften gesperrt werden und es dürften nur Lebensmittel verkauft werden. Wenn sich alle an die Regeln halten würden, hätten wir das Ganze schon hinter uns. Wir wollen alle unser normales Leben zurück, deshalb muss man eben Grenzen ziehen und sich daran halten. Am Anfang habe ich auch noch gedacht, dass Corona nicht so dramatisch ist. Inzwischen sind aber einige Familienmitglieder von mir schwer erkrankt. Das macht einem schon Angst, und daher habe ich Verständnis für die Maßnahmen – sie müssten nur gerechter sein. Es ist schließlich für uns alle keine einfache Situation, aber da müssen wir jetzt wohl durch.

Jolante Stammen-Kniejski würde lieber heute als morgen ihre Geschäft La Dolce Vita eröffnen. Doch sie weiß, wie gefährlich das Corona-Virus ist.

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