Feuerwehr-Serie

Das Retten in den Genen: Diese Familie aus Bönen lebt für die Feuerwehr

Jonas Jokiel Stefan Jokiel Feuerwehr Bönen
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Zwei Generationen im Dienst der Feuerwehr: Jonas Jokiel engagiert sich bei der Jugendfeuerwehr, sein Vater Stefan rückt regelmäßig zu Einsätzen aus.

Ein super Klima, Aufstiegschancen, flexible Arbeitszeiten und kostenlose Arbeitskleidung: Die Freiwillige Feuerwehr Bönen wirbt auf ihrer Internetseite um Verstärkung und freut sich über jeden, der einsteigen möchte. Zugegeben, ein Gehalt gibt es für den Job nicht, dafür aber Unbezahlbares wie Zusammenhalt und das gute Gefühl Sinnvolles zu leisten. In dieser Serie erzählen einige Bönener, warum sie Mitglied bei der Feuerwehr sind.

Bönen - Es musste ja so kommen. Wenn der Vater, der Groß-, der Ur- und der Ur-Ur-Großvater bei der Feuerwehr sind, beziehungsweise waren, ist der Weg in das Ehrenamt wohl vorgezeichnet. Ganz so war es bei Jonas Jokiel aber doch nicht. Der 14-Jährige brauchte Bedenkzeit. „Ich wusste nicht, ob das etwas für mich ist“, sagt der junge Lenningser. Immerhin hat er von klein auf mitbekommen, dass Feuerwehr weit mehr ist, als ein geselliger Verein und dass die Einsätze durchaus fordernd sein können. Den ersten Schritt in Richtung Lebensretter ging er an seiner Schule. An der Gesamtschule in Königsborn gibt es eine Santitätergruppe, die sich um verletzte oder kranke Mitschüler kümmert. Dieser schloss Jonas Jokiel sich an und stellte schnell fest, wie viel Freude ihm das Helfen macht.

„Ein Freund hat mich dann gefragt, ob ich nicht mit ihm zur Jugendfeuerwehr gehen möchte“, erzählt der Teenager. Aber seine Entscheidung fiel erst, nachdem er seinen Vater zu einer Übung der Bönener Feuerwehr begleitet hatte, um einen Verletzten zu mimen. Zu sehen, wie professionell und eingespielt das Team alle Aufgaben bewältigte, beeindruckte den Jungen stark. „Ich versuche es mal“, kündigte er anschließend zur Freude seiner eng mit der Feuerwehr verbundene Familie an.

Ein eigener Raum für den Nachwuchs

Und so besuchte er vor rund zwei Jahren erstmals die Gruppenstunde der Jugendfeuerwehr im Gerätehaus in Nordbögge. In dem dort eigens für die Kinder und Jugendlichen eingerichteten Raum fühlte sich der Lenningser sofort wohl. Vor allem gefiel ihm aber die Gemeinschaft der Mitglieder. Die sind zwischen zehn und 18 Jahren alt. „Der Altersunterschied ist aber egal. Die Älteren kümmern sich um die Jüngeren“, berichtet Jonas Jokiel. Auch das Programm, das die Jugendabteilung bietet, gefällt ihm. Mal stehen technische Übungen auf dem Plan, um den Nachwuchs behutsam an den Feuerwehrdienst heranzuführen. Ein anderes Mal wird gespielt, gequatscht oder gemeinsam etwas unternommen. Unter anderem besuchen die jungen Retter gemeinsam Freizeitparks oder Sportanlagen.

Opa Manfred Lueg ist stolz, dass Enkel Jonas Jokiel bereits in sechster Generation bei der Feuerwehr ist.

Höhepunkt ist aber das alljährliche – Pandemiezeiten ausgenommen – Pfingstzeltlager. Dabei kommen die Bönener mit Gleichaltrigen aus dem niedersächsischen Mengershausen bei Göttingen zusammen. „Das hat echt Spaß gemacht“, stellt der 14-Jährige fest. Auf den Jugendfeuerwehrabend alle 14 Tage dienstags hat er sich immer sehr gefreut, wie er sagt. „Schade, dass wir uns jetzt so lange nicht sehen können“, bedauert Jonas Jokiel die coronabedingte Pause. Die Treffen fehlen ihm. Inzwischen hat er einige Freundschaften geschlossen und er mag es, Teil der starken Gemeinschaft zu sein. „Da steckt ganz viel Teamenergie drin“, erklärt der Gesamtschüler.

Fasziniert war er, als er gesehen hat, wie gut alle im Ernstfall zusammenarbeiten. „Während unseres 24-Stunden-Dienstes hatten die Großen plötzlich einen Einsatz. Da mussten wir schnell alles zusammenräumen, was wir aufgebaut hatten. Das hat sich angefühlt wie bei einem Uhrwerk. Alles hat perfekt funktioniert.“

Noch ist die Feuerwehr für Jonas Jokiel „nur“ ein Hobby. „Das lässt sich etwa mit Fußball vergleichen.“ Ob mehr daraus wird, und er später in den aktiven Dienst wechselt, weiß der 14-Jährige heute noch nicht. Einen Berufswunsch hat er aber schon. „Ich möchte Lehrer werden. Da kann ich nebenbei bei der Freiwilligen Feuerwehr weitermachen.“ Bestes Vorbild dafür ist sein Vater Stefan Jokiel. Seit 31 Jahren ist der ehrenamtlicher Feuerwehrmann. Ähnlich wie bei seinem Sohn hat es bei dem 48-Jährigen in der Schule angefangen. „Wir hatten an meiner Schule in Holzwickede eine Feuerwehr-AG. Das fand ich sehr spannend und bin dabei geblieben.“ Von der Arbeitsgemeinschaft ging es in die Löschgruppe Hengsen und in den „echten“ Dienst.

Mitmenschen retten und schützen

Die Liebe hat Stefan Jokiel dann nach Bönen gebracht. 2001 zog er mit seiner Frau nach Lenningsen ins Haus des Schwiegervaters. Manfred Lueg empfing das neue Familienmitglied mit offenen Armen. Ein Feuerwehrmann kam dem langjährigen Mitglied der Bönener Truppe gerade recht und natürlich nahm er ihn sofort mit zum Dienstabend. „Ich wurde mit Kusshand aufgenommen“, erinnert sich Stefan Jokiel und schmunzelt. „Ich hatte die Feuerwehrstiefel schneller bei mir stehen, als dass das Klingelschild an der Tür angebracht war.“

Lueg war damals Atemschutzgerätewart bei der Bönener Wehr. Einen technisch interessierten Nachfolger konnte er prima gebrauchen. Als Fachhandwerker für Sanitär, Heizung und Klima war da die Wahl der Tochter ziemlich perfekt. „Als mein Schwiegervater in die Ehrenabteilung wechselte, habe ich das Amt übernommen“, sagt Stefan Jokiel. Überhaupt kommt seine qualifizierte Ausbildung der Feuerwehr bei Einsätzen und beim Warten der vielen Geräte immer wieder zugute. Andersherum begeistert die viele Technik, die bei der Feuerwehr zum Einsatz kommt, den Handwerker. „Es interessiert mich, zu sehen, wie sie sich entwickelt.“ Gerne fasst Jokiel daher mit an, wenn Geräte gewartet oder erneuert werden müssen.

Stefan Jokiel ist seit 31 Jahren im Ehrenamt.

Inzwischen muss der Lenningser jedoch gut abwägen, ob er zu jedem Einsatz mit ausrückt. Er hat sich vor eineinhalb Jahren selbstständig gemacht, und nicht jeder Kunde reagiert mit Verständnis, wenn sich der Handwerker während einer Installation kurzfristig verabschiedet. „Wenn ich gerade in einem Mehrfamilienhaus das Wasser abgedreht oder an einer Heizungsanlage eine Diagnose gestartet habe, dann kann ich kaum weg“, sagt er.

Nur die Mannschaft zählt

Wenn es irgendwie geht, steht er aber zur Verfügung, um seine Mitmenschen zu retten und zu schützen – rund um die Uhr, an jedem Tag im Jahr. „Es ist krass, dass es Menschen gibt, die ihr Leben für andere aufs Spiel setzen – freiwillig“, ist Jonas Jokiel zurecht stolz auf seinen Vater. Ganz ungefährlich ist es dabei nicht, was die Frauen und Männer ehrenamtlich leisten. Brände, Hochwasser, Sturmschäden: Sie begeben sich immer wieder in Gefahr.

Das musste Stefan Jokiel bereits am eigenen Leib erfahren. Bei einem Scheunenbrand hat er sich vor Jahren schwer verletzt. Eine Mistgabel, die mit den Heuballen vom Dachboden fiel, durchstach seinen Fuß. 14 Tage verbrachte er im Krankenhaus und danach zwei weitere Wochen krank daheim. An seinem Engagement hat der Unfall nichts geändert – nur, dass er nun seine Frau per Handy informiert, wenn es bei einem Einsatz länger dauert. Sie soll sich keine Sorgen machen.

Verstärkung gesucht

Die Freiwillige Feuerwehr Bönen sucht Verstärkung. Angesprochen fühlen können sich teamfähige und flexible Frauen und Männer ab 18 Jahren für die Einsatzabteilung sowie Mädchen und Jungen ab zehn Jahren für die Jugendfeuerwehr. Interessierte können sich auf der Internetseite www.feuerwehr-boenen.de oder bei der Gemeindeverwaltung bei Anja Rüschenbaum, Telefonnummer 93 32 42, informieren. Kinder und Jugendliche, die Lust haben, die Jugendfeuerwehr kennenzulernen, können sich zudem an den Gemeindejugendwart Timo Rinkewitz unter der Telefonnummer 01 73/3 58 75 60 oder per E-Mail an timo.rinkewitz@feuerwehr-boenen.de wenden. Die Gruppe kommt alle 14 Tage dienstags von 18 bis 20 Uhr im Jugendraum im Gerätehaus Nordbögge zusammen.

Der Familienvater hat einen guten Grund, warum er bei der Feuerwehr aktiv ist, eigentlich den besten: „Anderen zu helfen.“ Selbstverständlich geht an ihm nicht jeder Einsatz spurlos vorbei. Das Unglück zu sehen, das Leid anderer mitzuerleben, berührt. „Klar ist es nicht schön, zu wissen, dass es einer Person schlecht geht oder dass es Probleme gibt. Aber dafür sind wir ja da: Wir helfen.“ Geht der Melder, und der Lenningser wird zum Einsatz gerufen, blendet er zunächst alles aus. „Dann funktioniert man erst mal nur“, sagt er. „Erst wenn man zurückkommt, fängt das Nachdenken an.“ In solchen Momenten helfen schon die Gespräche im Fahrzeug mit den Kameraden.

Das Wichtigste am Feuerwehrdienst ist für Stefan Jokiel ohnehin die Gemeinschaft, das soziale Miteinander. „Ein Mann allein zählt nicht, nur die Mannschaft kann etwas erreichen“, weiß der Oberbrandmeister. Und das gilt genauso, wenn der Einsatz beendet ist. „Bei den Dienstabenden miteinander zu quatschen, gehört einfach dazu.“

Die bisherigen Teile der Serie:

Bei der Bönener Feuerwehr steht Teamarbeit ganz oben

Inga-Maj Ploeger rief die Sirene zum Ehrenamt

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