Das Modellbauteam Bönen

Kreuzritter, F14 und Terrence Hill: Modellbau ist ein Hobby im Miniaturformat

Oft gestalten Modellbauer wie Jens Kampe militärische Szenen. Das schürt Vorurteile
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Oft gestalten Modellbauer wie Jens Kampe militärische Szenen. Das schürt Vorurteile.

Plastikmodelle sind doch was für Kinder. Das Modellbauteam Bönen beweist das Gegenteil. In liebevoller Detailarbeit entstehen Modelle und ganze Szenen. Ein Vorurteil stört die Bastler ganz erheblich.

Bönen – Man kennt das aus Filmen und Erzählungen: Kinder bringen ihr Taschengeld gleich in den Spielzeugladen, tragen die Pappschachtel mit buntem Aufdruck voller Stolz nach Hause. Dort setzen sie sich für Stunden allein an den Schreibtisch, friemeln die Einzelteile vom Anguss, kleben das Modell in akribischer Arbeit zusammen, lackieren es, stellen es abschließend ins Regal – und warten auf das nächste Taschengeld. Genauso ist es in der Realität immer noch. Nur, dass die Bastler keine Kinder mehr sind, sondern sich oft jenseits der 50 das exotische Hobby selber finanzieren können. Das Sparen fällt weg, die glänzenden Augen beim Öffnen des Kartons nicht. Vereint, aber nicht Verein, sind einige Fans der Miniaturwelten im Modellbauteam Bönen.

„Ja. Wir haben alle als Kinder angefangen, waren Eisenbahner, hatten eine Carrerabahn – die typischen Weihnachtsgeschenke eben“, heißt es aus der recht großen Runde. Oder aber, der Vater war begeisterter Modellbauer. Der 57-jährige Gisbert Narodny erhielt von seinem ein Stückchen Balsaholz, quasi als Auftriebskörper. Sein erstes Boot bastelte der damals Zehnjährige dann aus Pappe nach einem Entwurf vom Vater. Das Modell, mit Leim versiegelt, taufte er auf den Namen seiner Schwester Margret. Die Faszination Schiff hat sich erhalten. Heute sind es aber Modelle aus Kunststoff, zum Beispiel ein Minensuchboot. „Nee. Beim Militär war ich nicht, aber ich hab als Segler eine Affinität zur See.“

Die Vorurteile ärgern die Modellbauer

Die Frage nach der Zeit bei der Bundeswehr stelle ich öfter an diesem Morgen. Erstaunlich: Meist wird sie verneint. Bei den Modellen hingegen ist der Hang der Modellbauer zu Militärfahr- und Flugzeugen oder auch bei Dioramen deutlich. „Vielleicht werden wir deswegen oft in die rechte Ecke gestellt“, ärgert sich Georg Klingenberg über den unterstellten Militarismus. „Wir haben für unser Emblem das Bönener Gemeindewappen angefragt“, erzählt der gebürtige Kieler. Das wurde ihm verweigert. „Es gab eben diese Ressentiments, vielleicht seid ihr ja politisch rechts.“ Das Logo zeigt deswegen ganz bewusst einen griechischen Helm mit gekreuztem Pinsel und einer Airbrush-Pistole.

Klingenberg (58) kam über seine Oma zum Hobby. „Die brachte bei Besuch immer diese bemalten Tütchen für zwei Mark mit, in denen kleine Modelle waren“, erzählt er. Mitgebracht hat er ein Diorama aus dem ersten Weltkrieg: Französische Soldaten fahren mit dem Taxi zur Front. Teils werden solche Szenen komplett als Bausatz angeboten. Der 58-Jährige hat diese aber ergänzt. „Wenn mal etwas daneben geht, landen nicht alle Teile im Müll“, erklärt er den dazugehörigen Kameramann der Wochenschau. „Das war eigentlich ein Bauer, der seinem Kumpel die Flasche in den Baum hochreicht, die Kamera ist selbstgebaut.“ Die Lackierung machte aus dem Bauern den Filmer.

Preisgekrönte Figuren

Spezialisiert auf Farben ist der Bönener Andreas Guidom. „Ich kann nix anderes, aber das gut.“ Seine bemalten Figuren sind preisgekrönt, seine Historie anders als bei den anderen. „Ich hab mit sieben Jahren begonnen mit dem Modellbau“, erzählt der 51-Jährige. „Aus eigenem Antrieb, es war eine Flucht aus den nicht so dollen Familienverhältnissen. Ich habe mich zurückgezogen in den Modellbau, da hab ich dann nichts mitgekriegt.“

Mit viel Liebe für Detail: Die Arbeiten des Modellbauteams Bönen

Mit viel Liebe für Detail: Die Arbeiten des Modellbauteams Bönen

Komplette Dioramen, ruhig auch mit Aussage, sind das Steckenpferd von Jens Kampe (48). „Diese Szene zeigt oben frierende, deutsche Soldaten oben im verschneiten Wald, unten russische, die sich im Unterstand gut eingerichtet haben. Ich wollte den Gegensatz darstellen.“ Die Figuren, die übrigens die passende Mimik zeigen, sind fertig gekauft, die Idee und Ausgestaltung, inklusive des Schneemanns, ist von Kampe.

Apropos Militärmodelle: Die lehnt Patrick Lülf ab. Der 29-Jährige kam zwar über einen Klassenkameraden und den Militätjet P47 Thunderbolt zum Hobby. „Aber inzwischen baue ich nur Ziviles. Militär reizt mich nicht.“ Mitgebracht hat er an diesem Morgen den Seenotrettungskreuzer Hermann Marwede.

Die Kreuzritter sind im Anmarsch: Andreas Guidom ist Teil der Bönener Modellbaugruppe. Nachwuchs ist immer willkommen.

Die F14 aus Top Gun war das erste Modell

Modellbau sei etwas für jedermann, sagt Klingenberg. Das bestätigt Christopher Schärig aus Hamm. Der ist mit 30 nicht nur jung, sondern auch körperlich gehandicapt. Der fehlende linke Unterarm hindert ihn nicht am Umgang mit den Kleinteilen in Bausätzen im Maßstab 1:72. „In den 90ern war der Film 'Top Gun' populär. Diese F14 habe ich dann zu Weihnachten bekommen.“ Für ihn ist der Modellbau „Ruhe und Entspannung.“

Die Präferenzen der Modellbauer sind so unterschiedlich wie die Menschen, die dahinterstecken. Allen gemeinsam ist wiederum, dass sie genug „Arbeit“ zuhause liegen haben. „Ich kaufe schneller, als dass ich baue“, sagt Jörg Schlaak. Der Hammer hat 400 Modelle noch im Karton. Das Basteln dauert, oft sitzen die Modellbauer Monate davor.

Kontakt: Wer eine Modellbaugruppe sucht, um sich auszutauschen und Wertschätzung zu erfahren, sei gerne willkommen. „Er kann dann einfach hier im Laden vorbeischauen oder über die Wettseite Kontakt aufnehmen“, lockt Klingenberg. Infos unter www.airbrushdesign4you.de.

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