Kurzarbeit wegen Corona

Das Licht bleibt aus: Bönener Eventtechniker sind von der Krise hart getroffen

Abfeiern in Corona-Zeiten: Das Nachtleben in Südtirol ist wieder erlaubt, trotzdem bleiben die Türen der Clubs dicht (Symbolfoto). 
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Die Discokugeln drehen sich im November nicht. Partys und Veranstaltungen sind untersagt. (Symbolfoto)

Hochzeiten, Schützenfeste und Abibälle – diese und viele weitere Veranstaltungen können aufgrund der Pandemie seit Monaten nicht mehr stattfinden. Für Firmen, die solche Veranstaltungen organisieren, spitzt sich die Situation immer weiter zu.

Bönen – Bei der Bönener „Eventbude“ sind mittlerweile fast alle Umsätze eingebrochen. Den letzten durchgeführten Auftrag gab es im Sommer – doch viele Monate zuvor war der Terminkalender leer. Inhaber Marcel Schmidt versuchte zu Beginn der Krise mit kreativen Ideen zu bestehen.

Er baute für das Unternehmen Tailwind Brands mit Sitz in Bönen eine Reinigungsbox, um darin wegen Corona Neoprenanzüge zu desinfizieren. „Das war aber eine einmalige Sache“, sagt Schmidt. Der Kosten-Nutzen-Faktor passe hierbei einfach nicht zusammen. Zudem sei nicht absehbar, wie lange man solche Boxen überhaupt noch brauche. Die Firma Tailwind Brands nutzt die Box bis heute und sei laut Schmidt zufrieden damit. Andere Firmen zeigten zwar Interesse, aber für eine weitere Anfertigung sei es einfach nicht rentabel genug.

Finanzielle Herausforderungen in Eventbranche

Die beantragte Soforthilfe half Veranstaltungsmanager Schmidt nur bedingt. Denn das erhaltene Geld muss er zurückzahlen. „Eine Pauschallösung für alle Firmen gibt es nicht. Es ist eine schwierige Zeit, aber ich versuche lieber auf eigenen Beinen zu stehen“, sagt Schmidt. Deshalb suchte sich der 25-Jährige in einem anderen Unternehmen eine Arbeit in Vollzeit.

„Ich habe das Glück, dass ich zwei Bildungswege habe: Die Veranstaltungstechnik und mein Psychologie-Studium“, so Schmidt. Die „Eventbude“, die er 2014 gegründet hatte, wolle er aber nicht einfach aufgeben – er wartet auf eine positive Entwicklung der Pandemie und hält solange seine Fixkosten möglichst gering. Für das kommende Jahr gibt es ein paar Buchungen, aber Schmidt bezweifelt, dass diese stattfinden werden.

Mit Kurzarbeit Überleben

Auch Tobias Weber, Veranstaltungstechniker aus Nordbögge und Inhaber der Firma „Digital Media Productions Witten“ (DMPW) in Dortmund, versucht die Pandemie zu überstehen. Doch einfach sei das nicht: „Unsere Firma zog erst letztes Jahr von Witten nach Dortmund in größere Räume. Deshalb wurden wir Ende Februar kalt von Corona erwischt“, sagt Inhaber Weber. Allein durch die vielen abgesagten Events verzeichnet DMPW einen Verlust in sechsstelliger Höhe. Die Veranstaltungen, die wegen Corona noch gar nicht im Terminkalender standen, seien bei dieser Berechnung nicht einmal mit eingerechnet. Deshalb sei der Schaden nicht genau zu beziffern.

Die Auszubildende, die im Sommer ihre Prüfung bestand, konnte wegen Corona nicht übernommen werden. „Wir haben sie aber an eine uns bekannte Firma weitervermitteln können“, sagt Weber. Die anderen Mitarbeiter von DMPW sind weiterhin in Kurzarbeit. Die sei laut Weber der Grund gewesen, wieso sich das Unternehmen bisher halten konnte. Ein Problem sei es jedoch, dass viele Eventtechniker ihr Equipment verkaufen und dadurch der Wert der Produkte sinke. Das zeige, wie schwer die Situation für die Branche sei.

Finanzielle Hilfen mit Verbesserungspotenzial

Über Unterstützung vom Staat sei Weber zwar dankbar, aber sie sei nicht gut durchdacht: „Die Politik betrachtet nicht differenziert, wie Umsätze zustande kommen und was davon am Ende über bleibt. Die meisten Veranstaltungstechniker leben von Veranstaltungen und nicht durch den Verkauf ihrer Technik.“ Der Umsatz sage gar nichts über die Rentabilität einer Firma aus. Ein weiteres Problem sei, dass die Branche der Veranstaltungstechniker offiziell nicht verboten ist und so auf Hilfen keinen Anspruch habe.

Im Terminkalender für das kommende Jahr hat DMPW noch keine Events stehen. „Niemand weiß, was passieren wird. Aus diesem Grund sind auch alle Messen, die wir nächstes Jahr ausgestattet hätten, abgesagt“, so Weber

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