Das Bienenjahr

Imkerin Sybille Imgenberg ist fasziniert vom Bienenstaat

Imkerin in Schutzkleidung am Bienenstock
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Seit drei Jahren gehört Sybille Imgenberg zu den Bönener Imkern.

Sybille Imgenberg ist seit drei Jahren begeisterte Imkerin und gibt einen Einblick, wie es so zugeht im Bienenstock. Denn hier dreht sich alles um ihre Majestät, die Königin.

Bönen – „Dr. Pia Aumeier sagt: Meine Königinnen werden nicht älter als einen Winter“, zitiert Sybille Imgenberg die Grande Dame der Ruhrstadtimker. Um dann gleich zu betonen, dass die Bienenköniginnen ihrer sechs Völker ein längeres Leben genießen, bis die Schuhsohle der Imkerin aus Osterbönen es beendet. Zerquetschen! Kein adäquates Ende für ihre Majestät? „Manchmal nehme ich auch den Wabenmeißel“, berichtigt Imgenberg in Anspielung aufs standesgemäße Schafott.

Die Königin werde ausgetauscht, wenn die Legeleistung nachlasse, erläutert die Bönenerin. An eine neue zu kommen, ist gar nicht so einfach. Imgenberg bekam zwei von ihrem Bienenpaten Torsten Nüsken. Der hatte gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Imkervereins Bönen, Martin Greitzke, Jungköniginnen samt einigen Untertanen zur Versorgung im Begattungskasten auf die „Inseln“ geschafft. Der Grund: Die Abgeschiedenheit der Nordseeinseln und somit die Reinrassigkeit der Nachkommen. Der Imker möchte Völker ohne Krankheiten und mit gutem Charakter, also friedlich.

Wenn die neue befruchtete Königin zurück ist, kommt sie im Schutzkäfig, verschlossen mit Futterpaste, zu ihrem neuen Volk in den Bienenstock. „Sie riecht ja anders als die Alte, die Bienen müssen sich erst an sie gewöhnen, sie nicht gleich abstechen“, erklärt die Imkerin. Drei Tage hat die Neue, um geliebt zu werden. Dann haben sich die Arbeiterinnen durch das Futter zu ihr durchgefressen. Bei Akzeptanz beginnt die Königin anschließend Eier zu legen, zu stiften. Der Nachwuchs bringt die Beute vor Herbst und Winter wieder auf Sollstärke.

Wenn es zu den Stöcken geht, hat die Imkerin alles parat.

Imgenberg ist seit drei Jahren Imkerin, seit einem pflegt sie ihren Bestand ganz alleine. „Ich frage Torsten nur noch ab und zu um Rat“, erklärt sie. Kennengelernt hat die 55-Jährige das Hobby auf dem Altenbögger Gartenmarkt, wo der Imkerverein sich regelmäßig präsentiert. Sie ist fasziniert von vielfältigen Organismus eines Bienenstaates. „Ich glaube, das wird nie langweilig, man lernt immer noch dazu“, sagt Imgenberg. „Und ich esse jetzt auch Honig, vorher habe ich es nicht.“

Nach der Saison steht nicht nur der Wechsel der Königinnen an. Wichtig ist die Milbenkontrolle. Dazu liegt eine Art Plastiktablett mit Skalierung, die sogenannte Windel, unter dem Stock. Die Bienen haben inzwischen Wabenhygiene betrieben, den Honigraum blitzblank geleckt. Der „Müll“ vom Großreinemachen fällt auf die Windel. Die ist bei der Kontrolle locker bedeckt mit Pollen, Wachsplättchen, Bienenbeinchen oder Wachsmotten – und eben Milben. „Wenn ich dort mehr als zehn Milben pro Tag entdecke, muss ich behandeln“, erklärt die Fachfrau. Das Mittel der Wahl: Ameisensäure, die verdampft wird.

Die Bönenerin kontrolliert den Bestand auf Milben.

Der Schädling, die Varroamilbe knabbert die Bienen an, die Parasiten wollen ans Fett ihrer Wirte. Diese Schädigung macht die Honigsammler dann anfällig für Krankheitserreger. Behandelt werden darf bei Milbendruck nach der Honigernte. Und das auch nur sehr gut dosiert. Denn die Ameisensäure verätzt nicht nur die Beißwerkzeuge der Milben, sondern eben auch die der Bienen.

Mal gucken, wie es der neuen Königin geht. Mit einem weißen Punkt für das Jahr 2021 gekennzeichnet, ist sie leicht zu entdecken. Sie wurde von dem Bienenvolk akzeptiert und hat schon gut gelegt.

Die Bienen bereiten sich derweil auf die nahrungsarme Zeit nach der Blüte vor. Sie ziehen in die sogenannte Drohnenschlacht. Die männlichen Tiere werden für die Begattung nicht mehr benötigt, fressen nur noch. Folglich müssen die Schmarotzer raus aus der Beute. Ohne Ernährer sterben sie draußen ab.

Alles geht so seinen natürlichen Gang. Allerdings stört Imgenberg, dass nur noch wenig Honigvorrat im Stock ist. Sie beginnt zuzufüttern, was sie während des nasskalten Jahres mit mäßigem Ertrag bisher noch nicht machen musste.

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