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Das Aus für das Telefon am Teich: Telekom entfernt alle öffentlichen Fernsprecher

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Von: Kira Presch

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Telekom-Mitarbeiter sichert defekte Telefon-Stele
Tschüss, öffentliches Telefon: Auch in Bönen wird die Telefon-Stele demnächst abgebaut. Zunächst hat ein Telekom-Mitarbeiter das Gerät gesichert und vom Strom getrennt. © Presch Kira

Er ist der letzte seiner Art in der Gemeinde: der öffentliche Fernsprecher, den die Telekom am Teich in der Ortsmitte betreibt. Nun sind seine Tage gezählt, denn das Telekommunikationsunternehmen baut deutschlandweit seine öffentlichen Fernsprecher ab – auch in Bönen.

Bönen – In Zeiten von Smartphone und Co. werden die Relikte aus einer anderen Zeit einfach nicht mehr genutzt. Das heißt sie kosten Unterhalt, bringen aber nichts mehr ein. Der Bönener Fernsprecher am Teich wurde jetzt von Unbekannten erneut beschädigt. Frei liegende Stromkabel stellen eine Gefahrenquelle dar, deshalb dürfte er wohl vor der Zeit abgebaut werden.

Schon im Februar war der einzige öffentliche Fernsprecher der Telekom in der Fußgängerzone durch Vandalismus zerstört worden. Damals entschied sich der Betreiber, das Telefon wieder zu reparieren und weiter zu betreiben, obwohl bundesweit die Anzahl der öffentlichen Telefone reduziert wurde.

Abbau bis 2025

Grundsätzlich muss die Telekom keine öffentlichen Fernsprecher mehr vorhalten, denn am 21. Dezember 2021 wurde die Grundversorgungspflicht endgültig aufgehoben. „Seitdem handelt es sich um eine freiwillige Leistung, und wir können einzig nach der Kosten-Nutzen-Situation entscheiden – und bei einem Negativ-Ergebnis abbauen“, erläuterte damals ein Sprecher gegenüber dem WA.

beschädigter öffentlicher Fernsprecher am Teich
Unbekannte hatten den letzten öffentlichen Fernsprecher der Gemeinde erneut zerstört, die Kabel lagen frei und das Gerät war nicht mehr nutzbar. © Kröger

Jetzt hat sich die Telekom entschieden, alle öffentlichen Telefone nach und nach abzubauen. Das werde aber bis 2025 dauern, bis die letzte öffentliche Telefon-Stele verschwunden ist. „Wann der Standort Bönen, abgebaut wird, werden wir der Kommune rechtzeitig etwa vier Wochen vorher mitteilen. Aussagen zur Reihenfolge beim Abbau und ein genaues Datum sind zurzeit nicht möglich“, hieß es aus der Unternehmenszentrale in Bonn. Am Mittwoch hatte das Unternehmen einen Mitarbeiter in die Gemeinde geschickt, um die frei liegenden Kabel zu sichern und den Strom abzuschalten.

Ob das Telefon am Teich weiter als eine sogenannte Small Cell fungieren wird, stehe zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht fest.

Small Cell

Small Cells sind Funkbasisstationen mit geringer Ausgangsleistung in Mobilfunknetzen. Sie schaffen in ihrem Versorgungsbereich eine signifikante Steigerung der Datenkapazität. Die Telekom will 3000 vorhandene Telefon-Stelen nutzen und mit Small Cell Antennen umrüsten, um die Kapazität eines Mobilfunknetzes in Innenstädten mit vielen Netzteilnehmern zu erhöhen. Die Ausdehnung einer Small Cell kann von 10 Metern bis zu einigen Kilometern betragen.

Zahlung deaktiviert

Die Gründe für den radikalen Schnitt liegen auf der Hand: „Der Bedarf an öffentlichen Telefonen – auch in Bönen – ist seit Jahren stark rückläufig. Öffentliche Telefonstellen werden dementsprechend bereits seit Längerem einvernehmlich mit den Kommunen und Gemeinden zurückgebaut“, erläutert Unternehmenssprecher Maik Exner. „Mehr als 90 Prozent der ehemals über 160 000 öffentlichen Telefone wurden in den letzten Jahren bereits abgebaut, weil sie niemand mehr genutzt hat. Verblieben sind bis heute bundesweit noch rund 12 000 öffentliche Telefone, die nun ebenfalls abgeschaltet werden.“

In einem ersten Schritt wurde am 21. November die Münzzahlung an den Fernsprechern deaktiviert. Ab Ende Januar 2023 wird dann auch die Zahlungsfunktion mit Telefonkarten und somit der gesamte Telekommunikationsdienst an den öffentlichen Telefonen eingestellt.“

Kein Schwein ruft an

Die Gründe für den Abbau der öffentlichen Telefone seien vielschichtig. „Mit dem Mobilfunk hat heute jeder seine persönliche Telefonzelle dabei. Die Nutzung der öffentlichen Telefonie geht gegen Null. Der Hauptgrund für die Einstellung des Services ist daher die Unwirtschaftlichkeit. An rund einem Drittel der öffentlichen Telefone – also an 3800 Standorten – wurde im vergangenen Jahr kein einziges Gespräch geführt“, erläutert Exner die Gründe für das Aus. „Im Schnitt macht ein öffentliches Telefon bei der Telekom nur noch wenige Euro Umsatz pro Monat. Das steht in keinem Verhältnis zu den Unterhaltskosten, die den Umsatz um ein Vielfaches übersteigen. Die Unterhaltskosten setzen sich dabei aus den Betriebskosten, der Standmiete und Reinigung sowie auch immer wieder den Kosten für die Beseitigung von Schäden, zum Beispiel durch Vandalismus und Diebstahl zusammen.“

Darüber hinaus gestalte sich die Beschaffung von Ersatzteilen für öffentliche Fernsprecher immer schwieriger, denn die würden kaum noch produziert und seien teilweise gar nicht mehr erhältlich.

Energie sparen

Mit den geplanten Rückbaumaßnahmen kann die Telekom zudem erheblich Energie einsparen. Im Schnitt verbraucht ein öffentliches Telefon zwischen 500 und 1250 Kilowattstunden im Jahr – das entspricht etwa einem Viertel dessen, was ein vierköpfiger Durchschnittshaushalt im Jahr verbraucht. Mit der Abschaltung der ungenutzten Technik werden insgesamt sechs bis 15 Millionen Kilowattstunden jährlich eingespart. Das entspricht dem Stromverbrauch von mehreren Tausend Wohnungen.

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