Gemeinsames Singen mit dem Musikkarussell

Dank Impfschutz kehrt allmählich der gewohnte Alltag ein im Awo-Seniorenzentrum Bönen

Lieb gewonnene Gewohnheit: Das Singen im Awo-Seniorenzentrum ist wieder möglich. Hier begleitet Susanne Baran die Bewohner.
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Lieb gewonnene Gewohnheit: Das Singen im Awo-Seniorenzentrum ist wieder möglich. Hier begleitet Susanne Baran die Bewohner.

Die Bewohner sind geimpft und 98 Prozent der Mitarbeiter. Da atmen die Menschen im Awo Seniorenzentrum nicht nur, sie singen auch wieder:

Bönen – „Das Haus ist zur Normalität zurückgekehrt“, sagt der Leiter des Awo Seniorenzentrums Ralf Degenhardt-Ruhoff. „Wir haben keine positiven Testergebnisse mehr und sind sehr zufrieden, dass wir über den Lockdown hinweg sind.“Die Impfquote gebe mehr Sicherheit und erlaube die Rückkehr zu einigen lieb gewonnen Gewohnheiten.

Restrisiko durch die Mutanten bleibt

„Wir haben wieder ganz normalen Betrieb – natürlich geschützt durch alle nötigen Maßnahmen wie Abstand, Desinfektion und FFP2 Masken für alle im Haus“, berichtet Degenhardt-Ruhoff. Wer das Haus betreten möchte, muss zuvor einen Schnelltest machen. Denn: „Trotz Impfung bleibt ein Restrisiko durch aggressive Mutationen. Deshalb tun wir alles, um unsere Bewohner zu schützen.“ Die Aushänge überall weisen auf die Sicherheitsregeln hin. „Wir haben das einmal erlebt, wir wollen das kein zweites Mal erleben“, betont Degenhardt-Ruhoff. Angesichts steigender Inzidenz-Zahlen sei Vorsicht geboten.

Andererseits genießen die Bewohner jetzt wieder ein Stück Alltag wie das gemeinsame Essen im Speisesaal, einen Besuch des hauseigenen Cafés, Spaziergänge, den Besuch des Friseurs oder das gemeinsame Singen. Dafür kommt Susanne Baran vom Musikkarussell ins Haus. Sie hat nicht nur Noten, sondern auch ihre Gitarre dabei. Seit Dezember 2019 ist sie dabei und wechselt sich mit Gerda Gnad ab. Seit November 2020 mussten die Sänger im erneuten Lockdown eine Zwangspause einlegen. Seit März ist das gemeinsame Singen wieder möglich.

Mit Abstand und Maske auf dem Flur

„Sonst haben immer rund 25 Bewohner im Speisesaal teilgenommen“, erzählt Susanne Baran. Jetzt ist die Zahl etwas reduziert, weil das Singen auf dem Gang stattfindet. Weil die Abstände dort nicht eingehalten werden können, tragen die Senioren auch zur Musikstunde mit Susanne Baran ihre FFP2-Maske. Das hindert zwar etwas beim Singen, tut der Freude über die willkommene Abwechslung aber keinen Abbruch.

Lockdown erlaubte keine Angebote

Gerade die alten Menschen in den Seniorenheimen waren seit Ausbruch der Corona-Pandemie besonders gebeutelt von den Lockdowns. Ihre Kontakte waren auf ein Minimum runtergefahren, um einer Infektion und damit einer Ausbreitung des Virus vorzubeugen. Veranstaltungen und Angebote wie das Mitsingprogramm konnten gar nicht mehr stattfinden.

Der erste Weg führt zur Teststation

Nun darf Susanne Baran wieder, doch bevor sie das erste Lied anstimmt, muss sie sich immer erst einem Schnelltest unterziehen. „Das gilt für alle Besucher“, bestätigt Ralf Degenhardt-Ruhoff. „Wir haben extra einen Mitarbeiter eingestellt, der im Café den Test durchführt.“ Er nimmt einen Abstrich im Rachen. Danach wartet Susanne Baran vor der Tür, bis das Ergebnis vorliegt: negativ.

Nur in Schutzkleidung zur den Bewohnern

Bevor es rauf in den Wohnbereich geht, erhält sie noch Schutzkleidung, die sie überzieht, dann kann es losgehen. Die Bewohner, die an der Musikstunde teilnehmen, sind schon im Flur der zweiten Etage versammelt. Susanne Baran greift zur Gitarre und stimmt das erste Lied an. Ihr Repertoire reicht von bekannten Frühlingsliedern über Balladen bis zu alten Schlagern, die die Bewohner noch aus ihrer Jugend kennen. „Ich bin immer wieder verblüfft, wie textsicher die alten Leute noch sind“, erzählt Susanne Baran. „Sie freuen sich, dass die musikalische Stunde jetzt wieder stattfinden kann und singen begeistert mit.“

Singen gut für den Kopf und das Gemüt

Wie wichtig das Angebot ist, untermauert Susanne Baran mit ein paar Fakten: „Forscher haben erkannt, wie positiv sich das Singen gerade bei älteren Menschen auswirkt. Es wirkt unter anderem dem Sprachverlust entgegen. Auch bei fortschreitender Demenz bleibt das musikalische Erleben und Empfinden lange erhalten. Das Singen von vertrauten Liedern baut Gedächtnisbrücken und sorgt für ein gutes Gemeinschaftsgefühl.“

Natürlich stünden Spaß und ein bisschen Lebensfreude im Mittelpunkt. „Singen hilft auch gegen Angst“, ist Baran überzeugt. Das sei in diesen gerade für ältere Menschen schwierigen Zeiten besonders wichtig. „Außerdem ist Singen eine gute Übung für Atmung, Körperhaltung und Konzentration, was wiederum Depression und Lethargie entgegenwirkt.“ Um so wichtiger also, dass das gemeinsame Singen wieder möglich ist.

Bitte zu Ostern: Besuche anmelden

Damit es Ostern nicht zum Besucherstau kommt und alle Angehörigen zur selben Zeit vor der Tür stehen, hat Ralf Degenhardt-Ruhoff bereits mit vielen Angehörigen Kontakt aufgenommen. „Wenn sich die Besucher vorher anmelden und nicht alle auf einmal kommen, dann dauert es nicht lange mit dem Test“, sagt er. „Schließlich möchte niemand Schlange stehen für den Schnelltest. Und ohne den geht es nicht. „Aber wir haben sehr verständnisvolle Angehörige, die selbst sehr daran interessiert sind, dass hier nicht noch einmal das Virus ausbricht.“ Denn mit den aufkommenden Mutationen bleibe immer ein Restrisiko.

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