Skypen im Seniorenzentrum

Coronavirus: Seniorenzentren der Region gehen relativ gelassen mit der Abschottung um

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Das Herrmann-Görlitz-Seniorenzentrum in Bergkamen ist abgesperrt. Nach draußen dürfen die Senioren aber.

Bönen/Kreis Unna – Bewohner von Seniorenzentren sind in der derzeitigen Krise besonders hart getroffen. Sie werden von der Außenwelt abgeschottet, dürfen keinen Besuch mehr von Angehörigen empfangen. Wie ist die Stimmung in den Seniorenwohn-stätten? Der WA fragte bei verschiedenen Einrichtungen der Region nach.

Seniorenzentrum Bönen

Recht gelassen reagiert Ralf Degenhardt-Ruhoff auf die Nachfrage nach dem Ist-Zustand an der Eichholzstraße. Keine Infizierten seien unter den 84 Bewohnern der Wohnstätte, weiß der Leiter des Seniorenzentrums. Der Krankenstand unter den Mitarbeitern sei normal. Kein Angehöriger darf zu Besuch kommen. Also alles wie überall? Nicht ganz, denn ein Teil der Bewohner des Seniorenzentrums hat weiterhin Ausgang. „Es sind wenige. Aber sie dürfen natürlich raus, wir sperren sie ja nicht ein“, so Degenhardt-Ruhoff. „Aber sie sind entsprechend aufgeklärt, wir haben ihnen ein Video gezeigt, wie sie sich verhalten sollten, desinfizieren und so weiter.“ Für die stationären Bewohner und das Personal gelten die Verhaltensmaßregeln wie Abstand halten und Händewaschen natürlich auch. „Ansonsten arbeiten unsere Betreuungsassistenten mit den Menschen, in Einzelbetreuung aber auch mit Gruppen – obwohl wir uns bemühen, das von der Größe her zu entzerren.“ Den Kontakt im Seniorenzentrum zu vermeiden, sei nicht möglich und nicht zielführend. Der Außenkontakt erfolge meist über das Telefon. „Wer will und einen Computer hat kann natürlich auch skypen“, erklärt Degenhardt-Ruhoff. Der letzte Gast in Kurzzeitpflege hat das Haus verlassen, ein neuer nicht in Sicht. „Wir sind auch ausgebucht“, sagt der Leiter des Seniorenzentrums. „Für den Notfall sind wir gewappnet“, beruhigt Degenhardt-Ruhoff. Schutzkleidung wie Notfallboxen stünden bereit. Also weiterhin kein Anlass zur Panik.

Herrmann-Görlitz-Seniorenzentrum, Bergkamen

„Wir bereiten die Einzelbetreuung vor“, erklärt Einrichtungsleiter Ludger Moor. Große Zusammenkünfte der Bewohner seien aktuell schon nicht mehr möglich, Café und Saal geschlossen.  Momentan sei es aber noch möglich, gemeinsam zu essen, in Kleingruppen zusammen zu sitzen. Das Awo-Heim beschaffe gerade Mobiltelefone, damit Angehörige über die Vermittlung des sozialen Dienstes auch mit den „60 bis 70 Prozent“ dementen Bewohnern Kontakt halten können. „Ansonsten schreiben wir die Angehörigen an, doch Postkarten zu schreiben und Pakete zu schicken“, sagt Moor. „Und wir haben einige Bewohner, die recht fit sind im Umgang mit dem Computer“, erklärt der Einrichtungsleiter zum Thema Skype. „Es besteht für jeden die Möglichkeit, ins Internet zu gehen. “Die angebotene Kurzzeitpflege des Seniorenzentrums ist momentan außen vor. „Die wurde abgesagt. Die Angehörigen sind ja meist auch im Home-Office und nehmen die Betreuung selbst wahr, sparen die Tage für den nächsten Urlaub“, sagt Mohr. Genug habe man nie, weist Moor auf die Versorgungslage mit Schutzkleidung hin. „Wir haben aber früh genug eingelagert und sind für den kleinen Ernstfall gewappnet. Nur zwei Leute haben den Schlüssel zum Raum“, erklärt Moor angesichts von Dieb-stählen und steigenden Schwarzmarktpreisen. Einen kleinen Vorrat an Lebensmitteln hält die Einrichtung auch vor.

Seniorenglück "Haus Rünthe"

„Eine Mitarbeiterin von uns kann Klavier spielen und gibt kleine Konzerte“, erklärt Einrichtungsleiterin Stephanie Humpert-Schöße. Die 42 Mitarbeiter im pflegerischen Dienst würden momentan solch zusätzliche Angebote in der Betreuung stemmen, um die Einschränkungen im Alltag für die 56 Bewohner erträglicher zu gestalten. Schließlich sei deren Kontaktnach draußen komplett abgebrochen. „Nur der Notarzt und Ärzte zur Hausvisite kommen noch rein.“ Das Spazierengehen im Garten nutzen die Bewohner als „kleine Flucht“ aus dem Zimmer. „Wir halten Abstand und wo das, wie bei Rollstuhlfahrern nicht möglich ist, schützen sich unsere Mitarbeiter.“ Der Kontakt zu den Angehörigen erfolge telefonisch. „Internet ist zwar möglich, wird aber wenig genutzt“, so Humpert-Schöße. „Skype müssten wir extra einrichten und eine Mitarbeiterin dafür abstellen“, schätzt sie die Kenntnisse der Bewohner von Haus Rünthe ein. Die Versorgungslage sei insgesamt sehr gut in Haus Rünthe, die Bewohner in Be-zug auf Covid 19 wohl auf. „Unsere Vorräte reichen aber bestimmt für sechs Wochen“, erklärt Humpert-Schöße zur Planung.

St. Katharina, Werne 

Die Stimmung sei gut unter den 96 Bewohnern. „Sie sehen die Einschränkungen ein“, sagt Einrichtungsleiter Rudolf Voß. „Wir haben seit Freitag vor einer Woche, der 13. war ́s, zu“, erklärt er. Ausnahmen gebe es. „Ein Angehöriger pro Bewohner, zum Beispiel bei einem Sterbefall.“ In dem Fall nehme er Kontakt mit der Heimaufsicht auf. „Ich denke, in einem solchen Fall solle der Kontakt möglich sein.“ Ansonsten ist für die Angehörigen Schluss an der „Schleuse“ im Eingangsbereich. „Wer etwas bringen möchte, legt es im Raum zwischen den bei-en Türen ab, wir desinfizieren es und bringen es dann dem Bewohner.“ Den Kontakt halten Bewohner und Angehörige per Telefon, per E-Mail „oder indem sie ein Video aufnehmen, was wir den Bewohnern auf dem Laptopabspielen. Wir haben auch einen Skypeplatz eingerichtet. Aber viele unserer Gäste besitzen auch ein Smartphone oder einen Laptop“, sagt Voß. Die Gäste des Wohnheims würden die Lage intensiv verfolgen, aber recht gelassen damit umgehen. Angebote würden weiter laufen. „Die Gartenmöbel stehen draußen, Frühlingsaktionen in kleinerem Umfang gab es auch schon.“ Die Einrichtung funktioniert nach dem Hausgemeinschaftskonzept. Neun bis 13 Bewohner leben zusammen, quasi im Familienverbund. „Erst bei einer Infektion werden Gruppenveranstaltungen ausgesetzt.“

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